We are specialized!

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Dienstag, 26. September 2017

Hessenmeisterschaft Bergzeitfahren: Sprint um den Titel

Da meine Saison bedingt durch meine Verletzung nicht so lief wie geplant, wurde auch das Saisonhighlight (kurzum das Rennen, für das sich das ganze Training auszahlen soll/ der Tag, an dem alles perfekt zusammenpassen muss) nach hinten durchgereicht. Ein Glück also, dass es da noch ein besonderes Sahnehäubchen gab, um meine Saison zu beenden und dieses Rennen dann zu meinem Highlight auserkoren werden konnte. Für die Hessische Meisterschaft am Berg fühlte ich mich mental und physisch gut vorbereitet, da ich dort von meinem einigermaßen bergtauglichen Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis Gebrauch machen konnte.

Ort des Geschehens war der Hoherodskopf in Schotten mit einer 8 Kilometer langen Strecke mit rund 400 Höhenmetern. Wieder einmal genoss ich das entspannte Ambiente eines Einzelzeitfahrens mit vorgegebener Startzeit, keinem Gedrängel und Warmfahren auf den Punkt. Gestartet wurde im Abstand von 30 Sekunden. Ich war als dritte Frau der Elite an der Reihe. Kurz vorm Start gab mein Lieblingsmensch (und Trainer) mir noch einmal den Hinweis, das Rennen gleichmäßig anzugehen, da dieses insgesamt schneller ist! Also nicht am Anfang überziehen. Als ich von der Startrampe rollte, hallten diese Worte noch nach. Jedoch versuchte ich erst einmal ordentlich Fahrt aufzunehmen – jede Sekunde zählt. Kurz nach dem Losfahren überholte ich bereits die beiden vor mir gestarteten Damen und konnte mir den besten CP-5-Wert meines Lebens sichern. So viel zum pacen. Aber ich erlebte keinen Einbruch meiner Leistung, sondern kam in einen guten Rhythmus. Das einzige, was mir durch den Kopf ging war, dass jede Sekunde zählen wird. Recherchen der Vorjahreszeiten hatten ergeben, dass ich um die 20 Minuten brauchen werde. So konnte ich meine Werte perfekt einpendeln.


Ebenso wusste ich, dass es oben auf den letzten beiden Kilometern flach werden würde. Allerdings war es nicht nur flach, es ging sogar leicht bergab. Und das bei Gegenwind. Als es in die Flachpassage ging, spürte ich dann die folgende Konkurrentin im Nacken, die vorbeizog. Ich hing mich kurz in den Windschatten. Da sie direkt hinter mir gestartet war, hatte sie sodann 30 Sekunden aufgeholt. Noch ein Kilometer bis zum Ziel. Wenn ich es schaffen wollte, musste ich mich nun absetzen. Mein erster Sprintversuch scheiterte.

Als das Schild mit „Noch 500 Meter bis zum Ziel“ in Sichtweite kam, sprintete ich noch einmal an (gut, dass ich das in den letzten Wochen so häufig trainiert habe). Dieses Mal konnte ich mich absetzen und eine Lücke aufreißen. Jedoch war mir klar, dass ich auf 500 Metern wohl kaum noch 30 Sekunden herausfahren konnte. Aber egal, der Sprint machte Spaß, ich fühlte mich fast wie Peter Sagan und die Lücke wurde größer!

 

So reichte meine Zeit von 20:50 Minuten für den zweiten Platz mit 27 Sekunden Rückstand und somit für den Vize-Hessenmeistertitel. Damit kann ich mehr als zufrieden in die Winterpause gehen und dann vielleicht 2018 den Traum vom Landesmeister-Titel realisieren.

Etwas wehmütig ist mir schon zu Mute, wenn ich darüber nachdenke, dass nun die „Off-Season“ beginnt und es bis zum nächste Rennen noch 6 Monate sind. Aber nun bleibt Zeit für schöne Ausfahrten, das Training geht weiter und Vorfreude ich ja bekanntlich die schönste Freude.

In diesem Sinne:

Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

„Ich bin der schwerste Hessenmeister in der Geschichte des Bergzeitfahrens!“

„Da fühlt man sich leicht und dann sind die anderen noch viel leichter.“

„Mit den Lightweights hätte ich gewonnen.“  - „Mit einem Kilo weniger hättest du eher gewonnen.“

 

Donnerstag, 14. September 2017

What a wonderful world: Pass der Pässe!

Die letzten beide Tage waren so voll gepackt mit neuen und wunderschönen Eindrücken, dass ich diese noch gar nicht alle verarbeitet habe. Vom Pass der Pässe hin zu einem epischen Gletschergebiet:

Tag 5: Die Königin aller Pässe

Auf der Liste mit den Dingen, die ein Radsportler in seinem Leben gemacht haben muss, steht das Stilfser Joch ganz weit oben. "Pass der Pässe", "Königin der Passstraßen" -viele Namen ranken sich um den berühmten Anstieg auf den höchsten Gebirgspass Italiens. 2757 Meter misst das Stilfser Joch am höchsten Punkt.



Vom Örtchen Prad aus sind 22 Kilometer, 1850 Höhenmeter und 48 Spitzkehren zu überwinden. Das Wetter war uns wohlgesonnen, aber wir hatten die Fahrt auch auf den wettertechnisch besten Tag der Woche gelegt. Am Vortag war oben einiges an Neuschnee gefallen, doch am Morgen waren die Straßen wieder frei. Die Auffahrt war traumhaft. Wir wollten das ganze im Grundlagentempo absolvieren, um die Aussicht und die vielen Perspektiven in aller Ruhe genießen zu können. Zudem waren viele Fotostops unumgänglich, da hinter jeder Spitzkehre ein neuer wunderschöner Ausblick wartete.



Schneller als erwartet kam dann auch schon das Ziel - die Hütte am höchsten Punkt in Sichtweite. Zum Greifen nah, aber trotzdem noch ein weiter Weg. Die engen Kurven ließen uns zwar rasch an Höhe gewinnen, dennoch zogen sich die letzten Kilometer. Nach 2 Stunden und 15 Minuten hatten wir dann das Ziel erreicht und genossen den Ausblick vom höchsten Punkt. Ein magischer Moment!



Die Abfahrt führte uns dann durch die Schweiz und dauerte leider etwas länger, da eine der Carbonfelgen das Bremsen nicht verkraftete und riss. So mussten wir Laufräder tauschen und konnten jeweils nur noch mit einer Bremse bremsen. Nun steht fest, dass das nächste Rennrad unbedingt Scheibenbremsen haben muss.



Im Tal angekommen - die erste Trauer um den teuren Laufradsatz war überwunden - rollten wir dann noch die letzten 40 Kilometer zurück nach Goldrain und setzen nun einen Haken an die Bezwingung des "Passes der Pässe".

Tag 6: Wandern statt Radfahren

Da wir nun nur noch einen komplett fahrtüchtigen Laufradsatz zur Verfügung haben, setzten wir auf Alternativsport: Wandern! Mit dem Bus ließen wir uns bequem auf 2000 Meter befördern und dann tauchten wir ein ins Hochgebirge. Zunächst erkundeten wir die Primaschlucht mit einem beeindruckenden Gebirgsbach.



Eigentlich war uns die Wanderroute im Vorhinein noch nicht ganz klar. Jedoch stellten wir fest, dass je höher wir kamen, auch die Sonne immer mehr zum Vorschein kam. Irgendwann schauten wir dann hinab auf den Nebel im Tal und ringsumher tauchten die schneebedeckten 3000er auf. Gerade so konnte ich noch daran gehindert werden, dass wir eine extrem schwere Route hinauf zum 2996 Meter hohen kleinen Rotspitz in Angriff nahmen. Ich war motiviert, aber dafür hatten wir heute leider nicht das richtige Equipment dabei.



Wir entschieden uns für eine mittelschwere Route, die über einen alten Gletscher auf fast 2900 Meter führte und eine wundervolle Landschaft freigab. Wasserfälle, Gesteinsbrocken, Schluchten, Bachläufe - ich konnte mich gar nicht sattsehen an dieser beeindruckenden Landschaft. So war unsere "Ruhetagswanderung" letztlich doch zum Abenteuer mit 16 Kilometern und 4 Stunden Gangzeit geworden.


In diesem Sinne:
Keep on riding,
Vanessa

"Du kannst doch so nicht auf 3000 Meter, du erfrierst."
"Warum setzt du dich nicht an einen windgeschützten Platz?"   - "Weil ich Hunger habe."
"Och wie, schon oben?!"



Dienstag, 12. September 2017

Bella Italia: Auf den Spuren des Giro d´Italia und plötzlicher Wintereinbruch

Tag 3: Schlussanstieg einer Giroetappe
Wie es sich für das typische Wetter in dieser Region gehört, starteten wir mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen in den Tag. Also schnell aufs Rad! Auf dem Programm stand die Fahrt durch das Martelltal hinauf zum "Lago di Gioveretto" - dies war einmal Schlussanstieg des Giro d´Italia. Der Anstieg war lang genug - insgesamt fast 1500 Höhenmeter am Stück - um drei lange Tempointervalle einzubauen und trotzdem noch nicht oben zu sein. Wenn man sich dann überlegt, dass die Giro-Etappe vor diesem Anstieg noch auf das Stilfserjoch führte - Respekt für solche Leistungen.

Es gab einige steile Rampen mit 15 % Steigung, viele Spitzkehren, auf denen man sich langsam nach oben schraubte, abgelege Ortschaften und beeindruckende Natur. Die lange Auffahrt belohnte dann der Blick auf den Stausee, smaragdgrün und wunderschön. Die weißen Bergspitzen der umliegenden 3000er spiegelten sich im Wasser. Episch. Ich liebe die Berge - diese beeindruckende Natur mit steilen Berghängen und schroffen Felsen, Wasserfällen und unerreichbaren Gipfeln zeigt einem immer wieder auf, wie klein der Mensch in der Natur ist.



Man merkte deutlich, dass wir uns auf über 2000 Meter hochgearbeitet hatten - die Luft wurde merklich dünner und auch die Temperaturen sanken stark ab. Zum Glück waren wir vorbereitet und hatten warme Kleidung zum Überziehen dabei. Die Abfahrt war dann fast anstrengender als die Auffahrt, da das permanente Bremsen die Arme ganz schön lähmte. Im Tal angekommen war ich trotz warmer Kleidung so durchgefroren, dass ich mich so wie noch nie auf einen heiße Dusche freute.

Aber genau das macht das Sportler-Leben so facettenreich: Wir bewegen uns oft am Limit und wissen, wie es sich anfühlt, wenn man so durchgefroren ist, dass man denkt, nie mehr aufzutauen. Wir wissen auch, wie es ist, wenn einem am Anstieg im Intervall der Schweiß rinnt. Leben am Limit - ein schönes Leben. Denn das Leben beginnt außerhalb der Komfortzone!

Tag 4: Schlechte Regenbilanz
Im Anbetracht der Tatsache, dass es heute Morgen schon wieder regnete, glaube ich so langsam, dass die 300 Sonnetage nur eine Masche der Tourismusbranche sind, um Leute ins Vinschgau zu locken. :)

So war die erste Einheit des Tages funktionelles Training mit Blick auf die umliegenden Bergspitzen. Und diese waren alle bis weit ins Tal von einer weißen Schicht umgeben. Die Schneefallgrenze war in der Nacht rapide gesunken.



Die Wetterapps sagten jedoch voraus, dass es am Mittag mit der Nässe von oben aufhören sollte. Und in der Tat, darauf ist Verlass. Man kann hier an einem Tag viele Wetterzonen durchleben. Denn als wir am Nachmittag zum Training Richtung Meran auf dem Etschtal-Radweg aufbrachen, brach die Sonne durch die Wolken und es war nicht warm, sondern direkt heiß.



Ich hatte überhaupt noch nicht erwähnt, dass es hier im Vinschgau wie im Schlaraffenland ist! Ein Paradies für alle, die gerne essen - also perfekt für mich. Hier wächst alles in freier Natur. So trug es sich zu, dass ich im Grunde seitdem ich hier weile, permanent esse. Von den rund 12 Millionen Apfelbäumen werden hier jährlich 200.000 Tonnen Äpfel geerntet (Stichwort: Bildungsurlaub/Landeskunde). Und es ist unglaublich, wie gut diese Äpfel hier direkt vom Baum schmecken. Des Weiteren säumen hier Birnen-, Kiwi- und Walnussbäume die Wege. Und Erdbeeren - es gibt hier derzeit noch frische Erdbeeren vom Feld. Wie gesagt, ein echtes Paradies für Feinschmecker.

Morgen steht die Königsetappe aufs Stilfserjoch an. 48 Spitzkehren, 1844 Höhenmeter! Ein Pass, den jeder Radfahrer in seinem Leben einmal gefahren haben sollte. Ich freue mich schon.

In diesem Sinne:
Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:
"Die müssen erst auf dem Stilfser Joch noch den Schnee wegräumen."
"Jetzt eine Curry-Wurst mit Pommes."
"Ich musste die Kurven bergauf anbremsen."
"Ahhhhhh da sind Alpakas!!!!!"





Sonntag, 10. September 2017

Bella Italia! Willkommen im Vinschgau

Tag 1:
Weil Reisen ja bekanntlich bildet, war es höchste Zeit mal wieder die Koffer zu packen und gen Süden aufzubrechen. Jedoch ist es bei uns zumeist so, dass wir nicht unsere kulturelle Bildung in den Vordergrund stellen, sondern vielmehr die Bildung neuer Muskelfasern. Das Trainingslager (Reise klingt schließlich etwas harmlos) dient mir zur finalen Vorbereitung auf meinen Saisonhöhepunkt in zwei Wochen, aber natürlich kommt auch die Erholung nicht zu kurz.

Alles andere als erholsam war die Anreise ins Vinschgau/Südtirol. Bis zur Grenze nach Füssen floss der Verkehr so gut, dass wir zunächst meinten, einen neuen Rekord für die Fahrtstrecke nach Österreich aufstellen zu können. Doch dann prägten die Worte "Blockabfertigung, Grenzkontrollen und Schritttempo" unsere Weiterfahrt. Der Fernpass "Reschenpass" war stark frequentiert und alle wollten nach Italien. Um es mit Goethes Worten zu untermalen "Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen!" Als wir dann schließlich am Reschensee ankamen, legten wir einen kurzen Fotostop ein, um das versunkene Dorf inklusive dem berühmten Kirchturm in Augenschein zu nehmen.



Wenn gleich ich schon einige Male in den Alpen meine Zeit verbracht habe - meist im Winter - war ich völlig orientierungslos, was die Lage unseres Zielortes Goldrain im Vinschgau betraf. Vom Reschensee ging es stetig bergab, die Temperaturen stiegen stetig an. Und dann nach längerer Fahrtzeit als eingeplant, erreichten wir endlich das von Apfelplantagen gesäumte Vinschgau.

Dann gab es natürlich kein Halten mehr und sofort sattelten wir die Räder und erkundeten die Gegend mit ein bisschen Intensitätstraining am Berg. Abschluss war dann ein original italienisches Eis sowie eine Pizza aus dem Steinofen. Italienischer Lifestyle. :)





Tag 2:
Enttäuscht nahmen wir am Morgen zur Kenntnis, dass sämtliche zur Rate gezogenen Wettervorhersagen Recht hatten: Es regnete in Strömen! Und das ist hier im Vinschgau eine echte Seltenheit. 300 Sonnentage und nur 500 Liter pro Quadratmeter Regen im Jahr. Davon hatten wir heute ca. schon ein Drittel an einen Tag. Naja man will ja alles einmal erlebt haben, so auch einen echten Regentag im Vinschgau. Selbstverständlich gab es ein Alternativprogramm mit Schwimmen und erholen in der Therme. Und am Nachmittag war uns das Wetter wieder gnädig und wir brachen zu einer Wanderung auf. Ab morgen prophezeien uns die Vorhersagen wieder Sonne pur und die eigentliche Mission "Radfahren" kann in Angriff genommen werden.



Bis dahin:
Keep on riding,
Vanessa


Zitate:
"Noch nie habe ich hier einen Regentag erlebt!"
"Die Leute sind überfordert mit Regen, schau, wie die Ihre Schirme tragen."
"Dann kraul´ doch jetzt mal ein paar Bahnen" - "Das kann ich gar nicht."

Montag, 4. September 2017

Spessart-Challenge Bad Orb: Wenn die Angst zum Gegner wird.

Die Entscheidung der Teilnahme an der Spessart-Challenge in Bad Orb hatte ich mir im Vorfeld nicht leicht gemacht. Schließlich sollte dies mein erster Marathon nach meinem schweren Sturz und meiner verletzungsbedingten Zwangspause werden. Die Vorfreude trübten Zweifel, ob ich schon wieder bereit bin für das Gelände, Trails, Wurzeln, Steine und gefährliche Passagen. Denn bisher war ich nach Ende meiner Verletzungspause fast ausschließlich mit dem Rennrad unterwegs und hatte mich bisher noch nicht auf meine Hometrails gewagt. Somit war der Start in Bad Orb ein „Sprung ins kalte Wasser“. Ich dachte mir eben, wenn ich den Wettkampfdruck im Nacken habe, wird das schon irgendwie laufen. Und, dass ich dann meine alten Muster der Fahrtechnik und Fahrsicherheit wieder automatisiert abrufen kann. Doch ob dies in der Praxis so einfach ist?

Zunächst begrüßte uns die Kurstadt Bad Orb am frühen Morgen mit kalten Temperaturen und dichtem Nebel. Die üblichen routinierten Szenarien – Startunterlagen holen, Rennkleidung zurechtlegen, Startnummer ans Rad heften, den letzten Snack einnehmen -  strahlten eine gewisse Ruhe auf mich aus, sodass sich meine Aufregung etwas legte. Dennoch hörte ich dem Sprecher im Startblock genau zu, als er von matschigen und rutschigen Trails sprach und zur Vorsicht mahnte. Sonst hatte ich für solche Dinge kein Ohr, da ich mein Rad ohne Probleme durch alle Passagen lenkte. Heute überwog jedoch ein für mich völlig fremdes Gefühl: Angst. Angst vor Trails, Wurzeln, Abfahrten und weiteren Stürzen. Und ich weiß, es ist nicht gerade von Vorteil, wenn man mit Angst in ein Rennen startet. Denn Angst blockiert.

 
 
Der Start war sehr gemächlich, da das Starterfeld sich eine ganze Zeit in den Windschatten eines kleinen Elektroautos hängen musste, welches den Weg durch die verwinkelten Gassen der Stadt markierte. Doch dann auf einer langen Gerade hieß es endlich „Start frei!“ und das Feld schoss los, direkt hinein in den ersten längeren Anstieg. Ich fühlte mich gut und war glücklich wieder auf dem MTB zu sitzen. Und Berge liebe ich sowieso. In diesem Rennen warteten drei längere Anstiege – ich war höhenprofiltechnisch wieder bestens vorbereitet.
Doch nach dem ersten Berg folgte der erste Trail – dieser lief noch einigermaßen flowig, jedoch langsamer als ich es gewohnt war. Mein Blick scannte jede potentielle Gefahrenstelle genau ab, es war viel anstrengender als sonst. Dann ging es in den zweiten Anstieg – ein Glück. Diesen nutzte ich um die verlorene Zeit im Trail wieder auszuholen. Ich war so auf meine Fahrt konzentriert, dass ich gar nicht registrierte, dass ich bereits am ersten Berg eine große Lücke zu den Verfolgerinnen aufgerissen hatte. Dies teilte mir erst einer der Streckenposten mit.
Auf den Anstieg folgte wieder ein Trail, einer von der Sorte, über den ich mich früher freute. Heute jedoch war ich vor Angst so blockiert und verkrampft, dass ich keine Sekunde der Abfahrt genießen konnte. Ich wünschte mir einfach nur, dass es gleich vorbei ist. Überhaupt fragte ich mich, ob meine gesamte Fahrtechnik, die ganzen abgespeicherte Muster und die Leichtigkeit von früher mit dem Sturz komplett gelöscht worden sind? Der Spaß, der mir in Bad Orb bergab fehlte, hatte ich dafür bergauf. Die Anstiege waren gleichmäßig und ich freute mich über die Wattanzeige auf dem Garmin.

Dann endlich kam der Kurpark von Bad Orb in Sicht und ich überquerte als Gesamtsiegern die Ziellinie. Insgesamt waren nur 13 Männer schneller als ich und der schnellste Mann war zufällig mein Lieblingsmensch, weshalb ich mich gleich doppelt freuen konnte.

 

Es war ein besonderer und emotionaler Sieg, der mich selber überrascht hat. Das Rennen glich einer Achterbahnfahrt der Gefühle und war eines der schwersten Rennen für mich. Denn mein Gegner war die Angst. Und ich werde alles daran setzen, wieder zu meiner alten Stärke im Trail zurückzufinden!






Für mein Mountainbike endet die Saison nun, das nächste MTB-Rennen werde ich vorrausichtlich erst wieder im April 2018 fahren, um über den Winter an meiner Fahrtechnik zu arbeiten.

 

 

An die Veranstalter der Spessart-Challenge möchte ich an dieser Stelle noch einmal ein großes Lob und Dankeschön richten für die tolle Organisation, die liebevolle und familiäre Betreuung und das schöne Ambiente. Ich war nun zum dritten Mal dabei und jedes Mal begeistert. Es ist sehr schade, dass es in diesem Jahr die letzte Veranstaltung von euch war!








Für mich geht es nächste Woche in ein Trainingslager im Vinschgau/Südtirol und dann werde ich die Hessischen Meisterschaften am Berg in Schotten in Angriff nehmen.


In diesem Sinne:

Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Der Nebel war so dicht, ich habe die Schilder gar nicht gesehen.”

„Wo waren denn hier schwere Trails?“   „ÜBERALL!“

„Nudel, Eis, Kuchen, Pommes – alles bitte!“