We are specialized!

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Montag, 28. August 2017

Bergzeitfahren auf den Brocken: Ein Harz für Biker

Home is where the Harz is? Diesem stand ich zunächst skeptisch gegenüber – doch am vergangenen Wochenende habe ich den Harz während meinem dreitägigen Kurztrip schon ein wenig ins Herz geschlossen. Bei der Anreise am Freitag konnte ich die unendlich weiten Wälder und Nationalparks allerdings noch nicht so richtig genießen, da die vielen Staus und Baustellen auf der Autobahn und die damit verbundene verzögerte Ankunftszeit die Laune gegen null sinken ließen. Und dann stand am Freitag auch direkt das erste Event des langen Rennwochenendes im Rahmen des Endurothons in Schierke auf dem Programm: Kurparksprint. Nicht für mich, aber für meinen Lieblingsmenschen, der an diesem Wochenende alle Highlights mitnahm. Neben dem Kurparksprint noch den Marathon am Samstag und das Bergzeitfahren am Sonntag. Dies hatte zur Folge, dass wir mehr Räder mit hatten, als mitreisende Personen. Mein Renneinsatz beschränkte sich hingegen auf den Sonntag, da ich mich noch nicht ins grobe Gelände wage.

Am Samstagmorgen war die Laune dann deutlich gestiegen und ich freute mich auf meinen freien Tag mit ein wenig Rennsupport und Sightseeing. Das beschauliche Örtchen Schierke wirkt auf den ersten Blick etwas verschlafen und an manchen Ecken – aber wirklich nicht an allen, nur an einigen – scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf den zweiten, oder auch dritten Blick lernt man dann aber diese Ruhe und Beschaulichkeit zu schätzen. Einsame Wälder, idyllische Bachläufe, Supermärkte, die samstags um 14 Uhr schließen, Eisenbahnen, die noch mit Dampf betrieben werden und so weiter.
Nostalgie
pur.









Am Samstagnachmittag startete ich dann motiviert zu meiner Vorbelastung, bei der ich den Brocken zur Streckenbesichtigung bereits einmal erklimmen wollte. Recherchen im Vorfeld hatten ergeben, dass es auf dem Brocken rund 200 Nebeltage gibt. Die Chancen auf Weitsicht waren somit nicht besonders groß, wenn der 1100 Meter hohe Berg über die Hälfte des Jahres von einer Nebelschicht umgeben ist. Überhaupt ist dieser Berg ein echter Mythos: Unauffällig in die Landschaft integriert und durch das hochalpine Klima liegt der Gipfel des Brockens sogar oberhalb der natürlichen Baumgrenze. Mit jedem Höhenmeter, den wir hochkurbelten (fast 600 sind es von Schierke bis zum Gipfel), stieg die Hoffnung auf eine gute Sicht. Und tatsächlich hatten wir freien Blick bei Sonnenschein und blauem Himmel und sogar die Temperaturen in der Höhenluft blieben in einem moderaten Bereich. Eine beeindruckende Aussicht.

 

Am Sonntag hieß es dann endlich auch für mich: Raceday! Das Format des Einzelzeitfahrens offenbarte für mich immer stärker seine Vorzüge:

-          Die individuelle Startzeit jedes Teilnehmers stehen bereits Tage vorher fest

-          Man kann sich auf den Punkt warmfahren

-          Das Gedränge und Frieren im Startblock entfällt

-          Kein Sturzgefahr bedingt durch andere

Vielleicht sollte ich mich auf diese Disziplin spezialisieren?
 

So fand ich mich also um Punkt 11.21 Uhr am Start ein. Die Worte meines Lieblingsmenschen (und Trainers) „Pacing ist alles!“ halten noch nach. Da es zu Beginn etwas flacher war, sollte ich mich etwas zurückhalten, um dann am steileren Endstück noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. Die Starts waren im Minutentakt und ich war die letzte Starterin im Damenfeld. Ich schaffte es, auf  die vor mir gestartete Fahrerin aufzufahren und auf den letzten Metern vor dem Ziel noch vorbeizufahren. Die Daten des Bergzeitfahrens: 8 Kilometer, 400 Höhenmeter, 24:26 Minuten Fahrtzeit.




 

Das reichte für den zweiten Platz. :)
Es handelte sich bei diesem Rennen um die Landesmeisterschaft von Sachsen-Anhalt, bei der ich mit meiner Hessischen Lizenz aber nicht für die Landesmeisterschaft gewertet werden konnte. Alles in allem war es eine perfekte Vorbereitung für die Hessische Meisterschaft am Berg in knapp 4 Wochen in Schotten.

Nach drei schönen Tagen voller neuer Eindrücke habe ich den Harz wirklich ins Herz geschlossen. Das Rahmenprogramm des Rennwochenendes „Endurothon“, ausgerichtet von den Bad Bikern, war super organisiert und sehr familiär.




Nächstes Wochenende nehme ich meinen ersten MTB-Marathon nach der Verletzung in Angriff und freue mich schon auf die Spessart-Challenge in Bad Orb.

In diesem Sinne,

Keep on riding:

Vanessa

Zitate:

„Und was machen wir, wenn der Zug kreuzt?“

„Haben die hier denn überhaupt Bananen?“

„Alles so ein bisschen von früher.“
 

Montag, 21. August 2017

Hessenmeisterschaft Stadtallendorf: Allein gegen die Zeit

Vorbelastung, Kohlenhydrate auffüllen, Wettkampftasche packen, Vorfreude und Nervosität – kurzum: Es war wieder Rennwochenende! Endlich konnte ich nach 8 Wochen verletzungsbedingter Pause wieder an der Startlinie stehen. Um langsam zurück ins Renngeschehen zu finden, hatte ich mir einen ganz speziellen Wettkampf ausgesucht, den ich von seiner Gefahrenstufe als gering einschätzte und somit als perfekt für das Comeback erachtete. Dass es sich dabei dann direkt um die Landesmeisterschaften im Einzelzeitfahren handelte, war mehr nebensächlich.

Obwohl Straßenrennen eher selten in meinem Rennkalender stehen, freute ich mich sehr auf diese Herausforderung. Denn es würde eine werden: Zum einen hatte ich einen erheblichen Trainingsrückstand, war materialtechnisch im Nachteil ohne Zeitfahrrad und auf der Straße war selbst das perfekte Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis egal (es zählt im Flachen nur die reine Leistung.) Aber egal – hauptsache ich konnte wieder Rennen fahren.
 

Am Ort des Geschehens – einem alten Kasernengelände in Stadtallendorf – angekommen, wurde schnell klar, dass es sich hier um eine echte Materialschlacht handelte. Die feinsten Carbonrenner mit allen aerodynamischen Vorzügen standen in den Startlöchern. Da wirkten wir mit unseren „normalen“ Rennrädern fast deplatziert. Den günstigen Startzeiten sei Dank, kam ich jedoch wenigstens in den Genuss von leichten Carbonlaufrädern meines Lieblingsmenschen sowie einem Lenkeraufsatz, was wir zwischen den beiden Starts schnell tauschten.

Die Strecke hielt 20 Kilometer und etwa 170 Höhenmeter und vor allem viel Wind von überall für die Starter bereit. Ich fand gut ins Rennen und konnte mein Tempo besser halten, als ich vorher erwartet hatte. So stoppte die Uhr nach knapp 33 Minuten, was für den 5. Platz reichte. Zum Podium fehlten letztlich 2 Minuten. Mit dem Ergebnis und der gefahrenen Zeit bin ich sehr zufrieden, denn mehr hatte ich nicht erwartet. :)


Nächstes Wochenende steht wieder ein Zeitfahren in meinem Rennkalender, diesmal aber am Berg – das ist eher meine Stärke. Der höchste Berg Norddeutschlands kürt den Brockenkönig. Ich freue mich darauf.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

 
Zitate des Tages:

„Materialtechnisch haben wir hier einige Nachteile.“

„Passt ein bisschen auf, hier wird heute geschossen – Doppelveranstaltung!“

 „Eher so Typ Bergfahrerin…“

 

Donnerstag, 10. August 2017

Mission: Come back stronger!

Eigentlich wollte ich diese Zeilen schon vor Wochen schreiben, hatte immer wieder Anfänge im Kopf – jedoch konnte ich mich irgendwie nicht aufraffen, das Geschehene zu reflektieren. Aber nun, besser spät als nie, gibt es ein Update – und es war viel los. Leider nicht nur Gutes.


Es war einmal…okay, es soll kein Märchen werden. Denn märchenhaft waren die letzten Wochen wahrlich nicht. Und vor allem kein Zuckerschlecken. Es begann mit einem ganz normalen Wettkampfwochenende Mitte Juni, von denen es in meiner Saison so viele gibt. Zielort war der Keiler Marathon in Wombach, auf den ich mich vorab lange freute – verband ich doch viele positive Erinnerungen damit.


Das Rennen begann für mich sehr gut, die Beine waren frisch und der Vorsprung groß. Mit den Gedanken wahrscheinlich schon im Ziel, stürzte ich in der letzten Traileinfahrt mit relativ hoher Geschwindigkeit in einer Schotterkurve auf den gestreckten rechten Arm. Sofort tastete ich mein Schlüsselbein ab – das war schon mal intakt. Jedoch merkte ich, dass irgendetwas nicht stimmte. Der Arm hatte keinerlei Kraft mehr und ließ sich nicht mehr bewegen. Aber egal – es war nicht mehr weit bis ins Ziel. Da ich keine Kraft mehr zum Schalten und Bremsen hatte, glichen die letzten Minuten bis ins Ziel dann einer gefühlten Ewigkeit. Zu allem Übel überholte mich dann auch noch eine Konkurrentin. Mit großen Schmerzen schaffte ich es dann schließlich über die Ziellinie als zweite Dame gesamt. Im Ziel angekommen wurden dann erst die Schäden sichtbar und der Adrenalinspiegel sank: Schaltwerk abgerissen, Sattel gebrochen, Einschlag am Rahmen. Die medizinische Erstversorgung, der ich mich eigentlich nur aufgrund meiner blutenden Wunde am Knie unterzog, warf auch einen Blick auf meine Schulter und empfahl zu Sicherheit ein Röntgen. Ich war mir jedoch ziemlich sicher, dass das schon wieder wird und morgen besser ist. Dazu muss ich sagen, dass ich sehr schmerzresistent bin. ;-)

Es wurde aber am nächsten Tag leider nicht von selbst besser, sodass ich mich sicherheitshalber doch in ärztliche Behandlung begab. Die Diagnose kam dann überraschend und versetzte mich in eine Schockstarre: Trümmerbruch des Oberarmes mit unbedingt notwendiger Stabilisation durch eine Operation, mindestens 6 Wochen keine Belastung. Direkt fühlte ich mich an meine Saison vor zwei Jahren erinnert, in der ich durch zwei Handgelenksbrüche völlig aus der Bahn gerissen wurde. Aber die Fragen „Warum ich? Warum schon wieder? Warum jetzt in der besten Saison meines Lebens?“ brachten mich kein Stück weiter.
 

Somit gab es nur zwei Möglichkeiten:

a)    Zurückkämpfen (d. h. viele quälenden Einheiten auf der Rolle inklusive sichtbar werden des Formverlustes in vollem Glanz)

b)    Das „Karriere“-Ende beschließen

Es gab eine kurze Phase, in der ich mir sicher war, dass ich nie mehr Mountainbike fahren kann, da die Bilder des Sturzes immer wieder aufblitzten. Zudem führe ich nun bedingt durch die Folgen der Stürze 15 Schrauben und zwei Platten umher – eine gewaltige Selbstzerstörung, die nun eigentlich ausgereizt ist. Die Phase des Zweifels währte allerdings nur kurz. Zu groß sind die Liebe und die Leidenschaft zu meinem Sport.
 

So wählte ich Möglichkeit a) und verbrachte fünf Wochen mit intensivem Rollentraining, unglaublich viel Trainingsschweiß, langen Wanderungen, vielen inneren Schweinehunden und dem Versuch irgendwie die Form zu retten.
 

Und ich vermisste das Radfahren so sehr: den Fahrtwind, die Freiheit, den Helm aufziehen, aus dem Keller rollen und losfahren, die Wettkampfwochenenden, die Vorbelastung, die Intervalle am Hausberg. Das führte mir vor Augen, dass ich momentan ohne den Leistungssport nicht leben will. Wenn gleich der Sport auf diesem Niveau auch die eine oder andere Entbehrung mit sich bringt, so wird dies in der Summe durch so viele tolle Erlebnisse, Begegnungen und Freuden aufgewogen.





Das Gefühl, als ich vor zwei Wochen das erste Mal wieder in Freiheit fahren konnte, glich dem Gefühl eines Kindergeburtstages, Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und ich war einfach nur dankbar: Dankbar dafür, dass ich endlich wieder das tun kann, was ich am meisten liebe. Und ich weiß auch, dass mir diese Dankbarkeit im Trainingsalltag gerne mal verloren geht – aber es ist nicht alles Selbstverständlich und deswegen genieße ich das es nun wieder viel intensiver.

 
 
Bedingt durch meinen auf Höchstleistungen getrimmten Sportlerkörper sowie viele Stunden Physiotherapie, verlief die Heilung recht zügig und unproblematisch – was man dann wiederum als Glück im Unglück bezeichnen kann. Da ich mich formtechnisch entgegen meiner ersten Annahmen doch einigermaßen gut fühle, werde ich tatsächlich in dieser Saison noch an ein paar Startlinien stehen. Los geht es in zwei Wochen bei der Hessischen Meisterschaft im Einzelzeitfahren auf der Straße (zwar nicht meine Disziplin, aber: sicher, da ohne Feld, im abgesperrten Gelände und vor allem ohne Schotter, Bäume und andere Gefahrenstellen :D)

Ich freue mich auf den Rest der Saison und werde nun wieder regelmäßiger berichten.

Bis dahin: Keep in riding (egal was kommt),

Vanessa