We are specialized!

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Montag, 29. Mai 2017

Hunburg-Marathon Kirchhain: Wassernot bei 30 Grad

Der Marathon in Kirchhain war eine Premiere mit seiner ersten Ausrichtung. Und wenn schon einmal ein Marathon im eigenen Landkreis - nur eine halbe Stunde Autofahrt entfernt - stattfindet, sollte man diesen im Rennkalender natürlich berücksichtigen. Für mich sollte es mehr ein Trainingsrennen werden, da ich auf dem Weg zu meinen Saisonhöhepunkten im Juni/Juli noch das ein oder andere kleinere Rennen mitnehme.


Der Start lag entspannt und Langschläfer-freundlich um 11.30 Uhr – fiel damit jedoch in die Mittagshitze. Wir ergatterten glücklicherweise noch einen der begehrten Schattenparkplätze. Nach dem Abholen der Startunterlagen, dem Checken des Start- und Zielbereiches sowie dem Begrüßen allerlei bekannter Gesichter, war es schon an der Zeit für das Warmfahren. Wobei eigentlich war mir bei 30 Grad schon warm genug. Die freie Rolle positionierte ich im Schatten, kämpfte mal wieder mit der korrekten Lieferung der Wattdaten (dies scheint neuerdings zur Regel zu werden), gab den Kampf schließlich auf und brachte meine Beine dann nach Gefühl in Rennstimmung.

 
Da heute alle Fahrer einen schattigen Platz suchten, war der Startblock auch fünf Minuten vor dem Start noch recht leer. Ich sicherte mir einen Platz neben meinem Lieblingsmenschen (heute endlich mal wieder ein gemeinsamer Start auf gleicher Strecke) in der ersten Reihe. Der Moderator nutze die Zeit bis zum Startschuss für ein kurzes Interview mit uns beiden und der Zugabe „Ihr seht so schnell aus.“ Naja wenigstens sahen wir schon mal so aus. Ob wir das auch sein werden?

Nach dem Startschuss versuchte ich an den schnellsten Männern dranzubleiben, um den ersten zähen Wiesenanstieg zügig hinter mich zu bringen. Die Sonne brannte gewaltig und die Luft war schwül. Der erste Trail holperte mit vielen Wurzeln bereits ordentlich. Die Kehle war trocken und der Schweiß lief. Der Griff zum Flaschenhalter offenbarte dann nichts Gutes: LEER! Meine Flasche hatte sich wohl unbemerkt im ersten Trail verabschiedet. Keine optimalen Voraussetzungen für ein solches Hitzerennen. Und das Schlimme ist, dass der Durst immer dann umso größer wird, wenn kein Getränk zur Verfügung steht. Ich setzte fortan alle Hoffnungen auf die Verpflegungsstelle, die ich hinter jeder Kurve vermutete. So stelle ich mir das Gefühl in der Sahara vor– Oase oder Fata Morgana? Als die Verpflegung dann endlich am Horizont erschien, gab es dort leider keine Flaschen, sondern lediglich kleine Becher. Also nur ein Schluck und weiter.
 

In meinen ganzen „Ich-werde-verdursten-Gedanken“, vergas ich völlig mir Gedanken über das aktuelle Renngeschehen zu machen. Meine Startflucht sicherte mir bis dato den Vorsprung. Zunächst hatte mit zwei Männern eine Gruppe gebildet, die jedoch dann platze. Ich war fortan alleine unterwegs, ein passender Windschattenspender fand sich nicht mehr. Die Strecke war schön, jedoch sehr selektiv. Viele kurze Anstiege vermittelten das Gefühl, dass es im Prinzip nur bergauf ging. Dann ein letzter Teeranstieg, zwei steile Kniffe, hinunter auf einem Wiesentrail, vorbei an den Zuschauern und ab ins Ziel. Als erste Frau mit sechs Minuten Vorsprung und nur acht Männern vor mir. Gewonnen hat übrigens mein Lieblingsmensch, sodass wir tatsächlich heute nicht nur schnell aussahen, sondern auch waren. J




 

Insgesamt war das Starterfeld leider eher überschaubar – ich denke, dass es an der Premiere des Marathons lag. Falls es 2018 eine zweite Auflage gibt: Tolle Strecke, super Organisation und schönes Event- es lohnt sich also zu starten.

In diesem Sinne:

Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

„Hast du die Flasche wieder nicht richtig in den Halter gesteckt?"

         „Ach quatsch, das muss am Halter liegen!“

„Ohne Wasser zum Erfolg.“


Zu guter Letzt:

Was ich gerne noch einmal loswerden möchte: Es gibt immer mal wieder Zeitgenossen, die der Meinung sind, dass Siege über Kurzdistanzen im Grund nichts wert sind und diese kleinreden. „Sportler, die gut fahren, sollten doch gefälligst über die Langstrecken fahren und nicht die Kurzdistanzen für sich entscheiden.“ Dazu fällt mir nur Folgendes ein: Es gibt in jeder Sportart Spezialisierungen, der eine kann das gut, dem anderen liegt das. So startet ein 400-Meter-Läufer auch nicht bei einem Marathon! Des Weiteren bin ich der Meinung, dass sich die Leistung nicht über die Streckenlänge definiert. Und letztlich geht es nur um Eins: Dass der Sport Spaß macht und eine Leidenschaft ist. Egal ob auf 20, 40, 60 oder 100 Kilometern.
 

Dienstag, 23. Mai 2017

Schinderhannes Marathon Emmelshausen: Luftnot, Garmin-Tücken und doppelte Freude!

Das Gefühl am Rennmorgen war eher mittelmäßig: Die Beine waren schwer, der Schlaf nicht so erholsam und das Zeitfenster zwischen Frühstück und Abfahrt mal wieder viel zu eng. Beim Verladen meines Bikes stellte ich zudem fest, dass es über Nacht vorne deutlich an Luft verloren hatte. Da bin ich natürlich in der glücklichen Lage, meinen Mechaniker mit dabei zu haben! ;-)

Die Anreise kam mir irgendwie unendlich lang vor – Landstraße, Autobahn, Landstraße, Landstraße. Mit dem Radträger auf der Anhängerkupplung sind Autobahnfahrten auch kein großer Genuss, da ich mich bei Erreichen des für den Kupplungsträgerbetrieb vorgeschriebenen Tempolimits bei 130 km/h stets bremsen muss, oder eher gebremst werde. Sobald die Carbonfelgen im Wind flattern. J  Endlich angekommen war die Schlange bei der Anmeldung schon sehr lang – fast 1400 Starter wagten sich auf 4 verschiedenen Strecken. Eine wirklich beachtliche Anzahl!

Das Warmfahren auf der freien Rolle gestaltete sich bedingt durch Garmin-Tücken und fehlgeschlagene Kalibrierungen des Leistungsmessers als schwierig. Da ich trotz mehrfacher Neustarts keine korrekten Wattdaten geliefert bekam, musste ich mich nach Gefühl aufwärmen. Die Angst, dass ich nun auch im Rennen keine Daten hatte, machte sich breit. Natürlich kann man auch ohne Wattanzeige Rennen fahren, jedoch möchte ich zur Steuerung kaum noch auf diesen wunderbaren Luxus verzichten.

Ich fand mich früh im Startblock ein, da die Erfahrung meines Starts aus dem Vorjahr zeigte, dass man ansonsten ganz weit hinten steht. Beim Schinderhannes Marathon markierte sich dann eine neuer Trend: Warmfahren auf der freien Rolle direkt im Startblock. Platzreservierung inklusive toller Geräuschkulisse für die anderen Sportler. Dann stellt euch demnächst doch lieber wieder von vorne an! ;-)

Nach dem Startschuss folgte eine rund 7 kilometerlange Einführungsrunde, in der ich mir eine gute Position schaffen konnte. Und sogar mein Leistungsmesser griff pünktlich mit ins Renngeschehen ein und lieferte schöne Zahlen. Beruhigend. Ich setzte mich nach vorne ab und fuhr an eine Männergruppe heran, an der ich versuchte dranzubleiben. Das Tempo war hoch, sodass ich bergab gar nicht mehr mittreten konnte, weil mir die Gänge ausgingen. Es blieb keine Zeit für Erholung, das ständige auf und ab forderte alle Kräfte. Einen Blick zurück wagte ich nicht und wollte nur eins: Meine Führung nicht verlieren. Die gelbe Beschilderung wahrzunehmen, machte  an manchen Stellen durch die vielen gelben Rapsfelder Mühe, sodass ich mich an einer Stelle mit der Gruppe verfuhr. Wir merkten es jedoch schnell und kehrten um. In einer ruppigen Wurzelpassage spürte ich, dass mein Vorderrad wieder etwas Luft verloren hatte. Bei einem Platten wäre ich dieser Situation ohne Equipment wie Pumpe oder Schlauch hilflos ausgeliefert gewesen. Doch es ging alles gut, die Restluft hielt. Auf mein Rad ist doch immer Verlass. Noch einmal ging es über die „Wiese der 1000 Flüche“ – dem letzten Stück vor der Zieleinfahrt. Ich überquerte die Ziellinie als Gesamtsiegerin und 20. von allen 180 Fahrern, mit 8 Minuten Rückstand auf den Sieger. Die nächste Frau folgte erst mit 4 Minuten Rückstand. Es war ein hartes, aber auch sehr schönes und solides Rennen für mich.



Im Ziel konnte ich mich dann sogleich auch mit meinem Lieblingsmenschen freuen, der ebenfalls gewonnen hatte. Geteilte Freude ist doppelte Freude.
 

Ein großes Lob an die Ausrichter des Marathons: Sehr gut und liebevoll organsiert, schöne Strecken und tolles Ambiente. Der Termin für 2018 ist schon im Rennkalender notiert.

Nächste Woche steht ein heimischer Marathon an: Der 1. Hunburg-Marathon in Kirchhain.

In diesem Sinne: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Zwei Sachen sollte man bei Rennen IMMER dabei haben: Einen Regenschirm und Ersatzbatterien für das Powermeter!“

„Ohne Watt fahre ich nicht!“

 
  

Samstag, 6. Mai 2017

Ergon Bike Ergonomics: Neuer Produktsponsor!

Ich freue mich sehr, dass mich Ergon Bike Ergonomics für diese Saison mit Handschuhen und IP3 Einlegesohlen ausstattet! Vielen Dank für das Equipment.



Besonders gespannt bin ich auf die neuen IP3 Einlegesohlen, die Ergon gemeinsam mit dem Sohlenspezialisten Solestar entwickelt hat. Diese leiten die Kraft aus den Beinen biomechanisch optimal, gelenk- und sehnenschonend über die Füße, direkt in die Pedale. Für mich optimal, da ich bei längeren Distanzen des Öfteren Krämpfe unter der Fußsohle bekomme.



Ich werde die Einlegesohlen in den nächsten Wochen testen und euch dann über meine Erfahrungen berichten. J




In diesem Sinne: Keep on riding,

Vanessa

Dienstag, 2. Mai 2017

Bergzeitfahren Schotten: Der „Mont Ventoux“ Hessens


 
764 Meter misst der Hoherodskopf im Vogelsberg. Eine Rennrad-Fachzeitschrift betitelte diesen Berg in ihrer letzten Ausgabe als „Mont Ventoux“ Hessens. Denn beide Berge wirken von weitem flach und unscheinbar, haben es steigungstechnisch aber doch ganz schön in sich. Letzten Samstag führte mich mein Rennkalender ins kleine Städtchen Schotten zum Bergzeitfahren auf besagten Berg. Die Daten: 12 Kilometer und 550 Höhenmeter!

Durch mein für Bergetappen relativ günstiges Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis sollte mir rein theoretisch ein solches Bergzeitfahren entgegenkommen. Doch praktisch war ich mir am Start noch nicht so sicher, denn als ich meinen Blick durch die Reihen schweifen lies, entdeckte ich viele starke Konkurrentinnen. Es gab im Grunde zwei Taktiken für den Rennverlauf:

1)      Zusammenarbeit mit den anderen Damen und Windschatten nutzen, Vorbereitung auf einen Sprint am Ende

2)      Direkt am Start eine Lücke aufreißen und einen Vorsprung rausfahren.

Ich entschied mich für Taktik zwei, da ich mich damit sicherer fühlte und ich im Sprint oft den Kürzeren ziehe. Soweit so gut fand ich relativ gleichmäßig in das Rennen und konnte mich direkt nach vorne absetzen. Wie groß die Lücke war, wollte ich nicht wissen - ich drehte mich nicht um, sondern fuhr einfach mein Rennen. Nach Kilometer vier überholte mich dann plötzlich eine (vermeintliche) Konkurrentin. Oder besser: Ich sah nur blonde, längere Locken und eine schmale Figur mit ordentlich Druck am Berg. Hätte ich einmal genauer hingesehen – doch dazu gleich mehr. Zunächst konnte ich das Tempo nicht mitgehen. Der Abstand blieb allerdings in Sichtweite. Bei Kilometer 10 war ich dann schließlich wieder rangefahren. Kurz vorm letzten Wurzeltrail am Fuße des Zielhanges attackierte ich dann mit letzter Kraft und setzte mich ab. Das war schon fast eine Attacke wie aus dem Lehrbuch. J Endlich kam der Zielbogen in Sicht und die Zuschauer am Rand feuerten die Fahrer kräftig an. Die Ziellinie überquerte ich mit einer Zeit von 39 Minuten als erste Frau. Meine vermeintliche „Konkurrentin“ entpuppte sich im Ziel dann als Fahrer. Hätte ich doch mal genauer hingesehen. Doch wer weiß, ob ich ohne meine Aufholjagd und die Schluss-Attacke über zwei Minuten Vorsprung auf die zweite Dame hätte rausfahren können?! J Allerdings wird sich der blonde Fahrer doch sehr über mein komisches Fahrverhalten gewundert haben. Für mich war es aber super Taktiktraining.

So war ich im Ziel sehr zufrieden und gleichzeitig auch überrascht, da ich mit einem Gesamtsieg nicht gerechnet hatte.

Die nächsten zwei Wochen sind nun rennfrei und trainingsintensiv, bevor ich dann wieder an der Marathon-Startlinie stehe.

In diesem Sinne: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Du kannst auch nicht so schnell zittern, wie du frierst.“

„Jetzt eine Currywurst mit Pommes, das wäre was.“