We are specialized!

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Dienstag, 27. September 2016

Saisonabschluss in Biebertal – Freud und Leid liegen nah beieinander

Nach nun mehr 15 Rennwochenenden, über 5000 Trainingskilometern und 300 Stunden auf dem Rad ist so langsam aber sicher die Luft raus. Die Motivation lässt sich nach einer so langen und anstrengenden Saison kaum noch finden und auch der Rennmodus kommt mir immer mehr abhanden. Ich fühlte mich dementsprechend, als wir am frühen Sonntagmorgen bei frischen Temperaturen nahe der Frostgrenze in Richtung Dünsberg aufbrachen. Körperlich fühlte ich mich – immer noch gezeichnet von der Baum-Begegnung im Training (ich stelle fest: Am Saisonende ist die Regenerationszeit ultralang) – eigentlich gar nicht mehr in der Lage, noch ein Rennen zu bestreiten. Für einen guten Ausgang des Rennens rechnete ich mir bedingt durch meine körperliche Konstitution und dem Blick auf die zahlreich erschienenen Konkurrentinnen im Prinzip keine Chancen aus.
 
Aber: Saisonabschluss am Dünsberg hat nun mal seine Tradition, ich mag dieses Event und mit meinem Lieblingsmenschen hatte ich noch ein Saisonziel zu verwirklichen! Deswegen war mit der Ankunft am Fuße des Dünsberges auch Schluss mit der unmotivierten Trägheit und die Suche nach dem Rennmodus begann.
 
Was nach dem Startschuss geschah, ist für mich immer noch unbegreiflich. Ich setzte mich direkt nach vorne ab und hatte einen richtig guten Start. Das Rennen lief gut an, die Beine fühlten sich entgegen aller Annahmen doch noch frisch an. Hinauf zur ersten Burg, den steilen Anstieg durch den ersten Ort – ich wusste nicht, woher ich diese letzten Kräfte noch mobilisierte. Doch dann, einen kurzer Moment der Unaufmerksamkeit: Der Fahrer vor mir stürzte in einer nebelfeuchten Wiesenkurve. Ich konnte nicht mehr bremsen und stürzte auch. Ich musste mein Rad schnell zur Seite ziehen, um die nachfolgenden Fahrer nicht zu behindern. Ein kurzer Check – es schien alles soweit okay zu sein, zumindest am Rad. Ich hingegen hatte einige Abschürfungen und Schmerzen am Rücken. Aber ich wollte keinesfalls aufgeben. Bis ich wieder fahrbereit war und meine Flasche eingesammelt hatte, sah ich allerdings 5 Fahrerinnen an mir vorbeiziehen. Die nächsten Minuten waren dann geprägt von einer Aufholjagd. Scheinbar hatte der Sturz so viel Adrenalin freigesetzt, dass ich mich wie im Flow fühlte. Am nächsten Berg fuhr ich an die Damengruppe heran. Kurze Überlegung: Dranhängen oder absetzen? Wieder entschied ich mich für Ersteres, wenn gleich ich damit schon schlechte Erfahrungen gemacht habe. Doch diesmal war es die richtige Wahl. Ich machte ordentlich Tempo, um außer Sichtweite zu kommen. Ich glaube, dass ich selten ein schnelles Rennen gefahren bin.
 
Es war ein harter Kampf gegen mich selbst. Aber nur wer schnell fährt, kann gewinnen! Deswegen kämpfte ich weiter bis ins Ziel, riskierte keinen Blick nach hinten und konnte mich letztlich mit rund einer Minute Vorsprung über den Gesamtsieg freuen. Ich hatte wirklich mit allem gerechnet, aber sicher nicht mit so einem Ergebnis.
 
Nach der Zieldurchfahrt stand dann fest, dass ich mein letztes Saisonziel erreicht habe: Ein gemeinsamer Gesamtsieg mit meinem Lieblingsmenschen.
 
So kann ich nun mit einem guten Gefühl in die Wintervorbereitung gehen und freue mich auf ein paar freie Off-Season-Tage. Und entgegen mancher Annahmen: Es geht sportlich für mich weiter, auch 2017! Wo, wie und mit welchem Material – das alles wird sich zeigen. ;-)
Bis dahin:
Keep on riding,
Vanessa
Zitate des Tages:
“Nur wer schnell fährt, kann gewinnen!”
„Ich hätte viel mehr Lust, direkt das Kuchenbüffet zu stürmen, statt erst Rad zu fahren.“
„Du bist mittlerweile so Pro, dass du einfach nur ablieferst, egal wie es dir geht.“

 
 

Dienstag, 20. September 2016

Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren: „Egal wie- Hauptsache aerodynamisch.“

Wenn gleich Straßenrennen in meinem Rennkalender in dieser Saison eher selten Platz fanden, rief am letzten Wochenende mein Hausberg „Sackpfeife“ bei Biedenkopf zur Eroberung auf. Es bot sich also an, mal wieder auf das Rennrad zu steigen und die Herausforderung der Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren anzutreten. Apropos Rennrad – das war in der Woche vor dem Rennen noch gar nicht vorhanden. Oder vielmehr nicht mehr. Denn mein geliebtes bisheriges Rennrad habe ich an meine liebste Trainingskollegin Evelyn übergeben, hatte bis dato aber noch nicht für Ersatz gesorgt. Oder besser gesagt: Der Ersatz befand sich noch irgendwo zwischen Specialized-Hauptlager und Specialized-Europalager zur Auslieferung.

Die Generalprobe (das letzte Training vor dem Wettkampf) absolvierte ich also notgedrungen auf dem Mountainbike und nahm mir die Befahrung der Sackpfeife vor. Berghoch auf der Straße lief es auch reibungslos und ich war mit meiner gefahrenen Zeit und Leistung schon recht zufrieden. Bergab wollte ich dann schön über einen langen und flowigen Trail nach Hause fliegen. Leider stellte sich dabei ein Baum (Gattung: extra fies und gemein) in den Weg. Das Resultat der Begegnung – Schürfwunden und Prellungen – ließ die Leistungsfähigkeit für den Wettkampf dann enorm schwinden.
Doch davon lassen wir Sportler uns bekanntlich nicht unterkriegen. Doch wenn ich schon körperlich nicht 100 prozentig leistungsfähig war, wollte ich wenigstens aerodynamisch an der Startlinie stehen. Extraenger Einteiler und Überschuhe für minimalen Luftwiderstand wurden dabei ebenso herangezogen, wie die Demontage des zweiten Flaschenhalters. Beziehungsweise wurde dieser erst gar nicht angebracht. Denn das neue Rennrad erreichte mich erst am Vorabend und wurde von meinem Lieblingsmenschen noch schnell aufgebaut. Es hatte seine Jungfernfahrt somit beim Wettkampf. Gut organisiert ist schließlich halb gewonnen. J
 


Uns Sportler erwartete zur Bezwingung der Sackpfeife ein 7 Kilometer langer Anstieg mit rund 400 Höhenmetern. Zu absolvieren als Einzelzeitfahren mit jeweils einer Minute Abstand. Mein Lieblingsmensch hatte mir vorab meine Zeit genau per Watt-Kilogramm-Schwellenleistungs-Rechnung ausgerechnet und vorausgesagt. 21:30 Minuten seine Vorhersage. Die Zeit stoppe oben bei 21:07 Minuten. Man könnte sagen: (fast) eine Punktlandung. J Die Werte belegen, ich habe alles gegeben. Viel mehr war nicht drin. Meine Zeit reichte für einen dritten Platz bei den Damen.


Nächstes Wochenende steht dann das Saisonfinale beim Dünsberg-Marathon in Biebertal im Rennkalender. Danach entscheide ich dann auch, wie es radsporttechnisch weitergeht.

In diesem Sinne:

Keep on riding!

Vanessa

Zitate des Tages:

„Dein Oberschenkel ist seitlich größer als dein ganzer Oberkörper.“

„Ich kriege gar keine Luft mehr, wenn ich den Einteiler schließe.“

„Dein Rücken ist zu klein für die Startnummer.“

„Wir leiden – aber wenigstens aerodynamisch.“

 



Dienstag, 13. September 2016

Sebamed-Bike-Day Bad Salzig: Wir setzen alles auf den Strava-Berg

Die Saison neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. In der finalen Phase hat es seit Jahren die Tradition, noch einmal alle Rennen mitzunehmen, die irgendwo, irgendwann und irgendwie angeboten werden. Das heißt dann also: Jedes Wochenende drei bis vier handliche Reisetaschen packen, das Rad rennfertig bereitstellen und an der Startlinie stehend auf den Startschuss warten. Sportlerleben eben.

Am vergangenen Wochenende führte mich die Rennlust in das Städtchen Bad Salzig – wunderschön am Rhein gelegen. Mit Sponsoring des Haut- und Körperpflegeherstellers Sebamed mit Start und Ziel auf deren Firmengelände fand ein Bike-Day mit Marathon statt. Nach meinem kurzen Zwischentrainingslager letzte Woche mit vier harten Trainingstagen in der trail-reichen Pfalz war ich jedoch noch nicht so frisch und ausgeruht, wie man es zu einem Rennen hätte sein müssen. Beim Warmfahren entlang des Rheins waren meine Beine eher schwer und beim Blick auf das Starterfeld rechnete ich mir keine allzu guten Chancen für eine vordere Platzierung aus.

Das Höhenprofil der Strecke verriet, dass es zunächst einmal lange (genau genommen sehr lange) bergauf gehen wird. Und das tat es auch. Die ersten 17 km mit rund 500 Höhenmetern im Prinzip stetig mit nur einigen kurzen Erholungspausen dazwischen.  Im Startgetummel verlor ich den Überblick. Es hatten einige Damen vor mir gestanden. Doch hatte ich diese am Anfang überholt? Ich war mir nicht sicher, ging aber das ganze Rennen davon aus, dass ich nicht die Führende war. Die vielen Anstiege zehrten an den Kräften. Ich musste ganz schön kämpfen, um das Tempo konstant zu halten. Probleme hatte ich heute vor allem mit den vielen 180 Grad Schotter-Kurven, die mich jedes Mal fast bis auf den Stillstand ausbremsten.
 
 


Wie ich bereits aus der Vorkündigung des Rennens wusste, gab es kurz vor dem Ziel eine Strava-Bergwertung. Für die Tagesschnellsten dieses Segmentes, die das Rennen auf Strava hochladen, winkten Preise. Da bei mir eine leichte „Stravitis“ mittlerweile durchaus bestätigt werden kann, musste ich diesen Berg einfach möglichst schnell bezwingen. Auch wenn die Beine so kurz vor dem Ziel mit bereits 750 Höhenmetern gut beansprucht waren, versuchte ich, das Tempo noch einmal zu verschärfen. Nach diesem Berg, an den sich gleich der nächste Berg anschloss, gab das Schild „Nur noch 5 km“ einen Richtwert: Gleich ist es geschafft. J
 
 
Kurz vor der Einfahrt in den letzten Trail schnappte ich im Vorbeifahren vom Streckenposten auf „Die erste Dame nähert sich“. Ich war mir aber sicher, dass er sich irrt. Beim nächsten Streckenposten hörte ich in der Tat den gleichen Satz wieder. Aber das konnte niemals sein, da müssen doch andere Frauen vor mir gewesen sein?!

Den Zielbogen schon vor Augen hörte ich, wie hinter mir jemand zum Sprint ansetzte. Egal, wer es war, ich ging mit und gewann diesen – im Prinzip unnötigen, aber von mir stets gerne praktizierten – Zielsprint. Jedoch war es keine andere Dame, sondern ein Herr, der mich da herausforderte. Da ich bei der Zieleinfahrt weder genannt, noch angekündigt wurde, war ich mir nun sicher, dass ich mich dann irgendwo im Mittelfeld platziert haben musste. So begrüßte ich zunächst meinen Lieblingsmenschen und stattete der Zielverpflegung einen kurzen Besuch ab. Dann plötzlich erhob der Moderator seine Stimme und kündigte die Zieleinfahrt der schnellsten Frau an, die gerade ins Ziel kam. Da schrillten die Alarmglocken bei mir. Prompt stand ich bei der Zeitnahme und legte Widerspruch ein. Ich wurde bei der Zieleinfahrt übersehen und nicht registriert. Nachträglich erkannte der Moderator dann mir den Sieg zu und der anderen Dame wieder ab. Wenn dies bei mir so gewesen wäre – das stelle ich mir hart vor. Durch dieses Durcheinander konnte ich zunächst nicht wirklich fassen, dass ich die Gesamtsiegerin war und diesem Moment gar nicht genießen, weil ich so überrascht war. Damit hatte ich nicht gerechnet.


Bis zur Siegerehrung hatte ich mich dann aber wieder gesammelt und konnte mich über zwei komplette Sortimente des Sponsors Sebamed freuen – mit Duschgel, Cremes und so weiter bin ich nun erst einmal lange Zeit versorgt.
 
                
Fazit: Super Veranstaltung, tolles Starterpaket, leckeres Essen und schöne Sachpreise!

Nächstes Wochenende steige ich aufs Rennrad – zu den Bezirksmeisterschaften im Bergzeitfahren an meinem Hausberg.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

“Größere Kettenblätter? Brauche ich nicht, ich kompensiere das mit meiner Beinkraft.”

„Das kann nicht sein, ich kann doch nicht gewonnen haben?!“

„Wir sind oben, allesamt die Verpflegung rausholen.“

„Warum gibst so jetzt plötzlich noch mal Vollgas?“

                „STRAVASEGMENT!“

 

 

 

Freitag, 9. September 2016

Spessart-Challenge Bad Orb: "Man kann nicht nasser werden, als bis auf die Haut."

Wir waren die letzten Wochen vom hochsommerlichen Wetter sehr verwöhnt. So verwöhnt, dass wir gar nicht mehr mit Regen rechneten. Die Wetterapp wurde auch kaum noch um Rat gefragt, da es einfach konstant schön, sonnig und warm war. Etwas naiv möchte man da fast sagen. Als wir am frühen Morgen zur Spessart-Challenge nach Bad Orb aufbrachen, bestand zunächst auch noch kein Grund zur Sorge ums Wetter. Doch kaum auf dem Parkplatz ausgestiegen, erreichten uns die ersten Tropfen von oben. Was? Regen? Wie kann es dazu kommen? Ein Regenrennen hatte ich materialtechnisch und natürlich auch im Bezug auf die Kleiderwahl überhaupt nicht eingeplant. Ein paar kurze Ausraster beim Warmfahren in der Tiefgarage des angrenzenden Hotels später - wie zum Beispiel "Wir konnten jetzt so viel Schöneres machen...Was tut man sich nur alles an...Wir hätten einfach ausschlafen können" - ging es dann schon in den Startblock.

Da sich die Beine beim Warmfahren gut anfühlten, war ich dann doch recht positiv gestimmt und im Rennmodus angelangt. Der Regen ließ allerdings nicht nach, sodass ich schon vor dem Startschuss einigermaßen durchgeweicht war. Dann ging es los. Zunächst ein neutralisierter Start im Windschatten eines niedlichen, kleinen und langsamen Elektroautos durch die verwinkelten Straßen der Kurstadt. Ein wirklich sehr gechillter Start, doch dann bog das Führungsfahrzeug endlich in eine Seitenstraße ab. Freie Fahrt und los ging es. Das Wasser hatte sich mittlerweile schon in meinen Schuhen gesammelt (Hätte ich mal Überschuhe angezogen, aber wer rechnet schon mit Regen?!) und auch das Sitzpolster saugte sich schon voll. Doch wenn man erst mal fährt, ist es eigentlich egal. Denn man kann nicht nasser werden, als bis auf die Haut.

Die Strecke kannte ich grob aus dem Vorjahr, wo sie mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. Es war ein schnelles Rennen mit vielen flowigen Trails, langen Anstiegen und einigen Drückerpassagen. Bedingt durch den Regen und das viele angesammelte Salz - was sich durch den vielen Trainingsschweiß der letzten Wochen im Polster meines Helmes gesammelt hat und nun herausgespült wurde - war die Sicht stellenweise schlecht bis komplett eingeschränkt. Da meine Radbrille sich partout nicht vom nebligen Beschlag verabschieden wollte, musste ich das erste mal in meinem Leben ein Rennen ohne Brille absolvieren. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich die führende Dame war, da ich im Startgetummel nicht aufgepasst hatte, ob ich überholt wurde. So hielt ich das Tempo konstant hoch. Ich wollte ja ohnehin schnell ins Ziel kommen, um nicht unnötig lange pudelnass durch die Gegend zu fahren. ;-)

Als ich den letzten Streckenposten vor dem Ziel passierte, gab diser durch sein Funkgerät durch, dass die erste Frau der Kurzstrecke gleich ins Ziel kommt. Da war die Freude groß. Somit überquerte ich die Ziellinie als Gesamtsiegerin. Ich durfte danach sogar zum Interview auf die Bühne. Letztlich war ich heute - wahrscheinlich wegen des fiesen Regens, der mich schnell ins Ziel spülte - so schnell, dass ich insgesamt nur 10 Männer vor mir hatte und im Gesamtfeld 11. wurde. Das habe ich auch noch nie erlebt. Definitiv ein "Race to remember". :-)

Die Spessart-Challenge ist eine tolle Veranstaltung mit einzigartiger Organisation und schönen Strecken. Nächstes Jahr bin ich wieder am Start.

Bis zum Rennen am nächsten Wochenende in Bad Salzig, verbringe ich nun noch ein kurzes Zwischentrainingslager in der Pfalz.

In diesem Sinne:
Keep on riding

Vanessa


Zitate des Tages:

"Also nach so einem Regenrennen sehen meine Haare fast besser aus, als nach einem Friseurbesuch."

"Jetzt hat es 4 Wochen nicht geregnet und jetzt gerade in dieser einen Stunde."

"Kann das Elektroauto nicht schneller oder was?!