We are specialized!

We are specialized!

Montag, 22. August 2016

SKS-Marathon „Rund um den Zierenberg“: Der „Minutenkampf“

Das richtige Rennfeeling steht und fällt bei mir im Grunde mit der Vorbelastung – dem letzten Training am Vortag des Rennens. Entgegen aller Traditionen absolvierte ich die Vorbelastung vor dem Race in Zierenberg auf dem Mountainbike und nicht auf dem Rennrad. Denn da ich den Marathon in Zierenberg ohnehin aus dem Training heraus fahren wollte, war geplant, noch ein paar neue Trails zu entdecken. Doch diesen Plan verhinderte ein milchiges Unglück: Beim ersten Antritt zum zweiten Intervall spürte ich etwas Nasses auf der Haut. Regen? Nein  - Milch, die in hohem Bogen aus meinem Hinterreifen schoss. Das sonst so verlässliche Tubeless-System macht sich bei mir so langsam immer unbeliebter. Das Loch schloss sich leider nicht von selbst, so dass das Training vorzeitig beendet werden musste. Wie soll also nun mit so einer schlechten Vorbelastung das morgige Rennen gut verlaufen?
 
Raceday: Obwohl Zierenberg geographisch per Luftlinie nicht allzu weit von meinem Heimatort entfernt liegt, häuften sich bedingt durch die vielen kurvigen Landstraßen und Umleitungen sowohl die Fahrtzeit als auch die gefahrenen Kilometer. Da wir allerdings einen großzügigen Zeitpuffer eingeplant hatten, waren wir rechtzeitig am Ort des Geschehens.
Beim Warmfahren stellte sich trotz der nicht gelungenen Vortags-Vorbelastung ein gutes Rennfeeling ein. Die Beine waren gut und die in der letzten Woche noch einmal aerodynamisch optimierte Rennkleidung saß perfekt.
Das Starterfeld war groß, der Startbereich eng. Ich kam nach dem Startschuss irgendwie nicht so problemlos in meine Klickpedale und wäre fast von hinten abgeräumt worden. Nach diesem kleinen Patzer versuchte ich mich hinter dem führenden Feld zu halten und nach vorne abzusetzen. Am ersten Berg behauptete ich noch die Führung im Damenfeld, spürte die Konkurrenz aber dicht – oder eher sehr dicht – hinter mir. In der ersten Abfahrt wurde ich dann von einer Konkurrentin überholt, ich hielt mich aber dahinter. Es folgte eine lange, flache, geschotterte Drückerpassage. Eigentlich nicht so mein Ding. Kurze Überlegung: Im Windschatten bleiben oder versuchen mich nach vorne abzusetzen? Ich entschied mich für letzteres, was aber vielleicht nicht die beste Lösung war. Denn am nächsten Berg hatte ich nach dieser Attacke so viel Laktat in den Beinen, dass ich das Tempo nicht halten konnte. Die andere Dame fuhr wieder ran. Und überholte. Am steilen Anstieg trennte uns dann eine langsamere Gruppe. Durch die Enge des Trails schaffte ich keinen Überholvorgang mehr, was einiges an Zeit kostete.
Ich verschärfte daraufhin das Tempo noch einmal – obwohl ich eigentlich schon am Limit war – um wieder aufzuholen. In der Feedzone bekam ich die Rückmeldung, dass ich rund eine Minute Rückstand habe. Klingt erst einmal wenig, doch eine Minute kann ganz schön viel sein. Durch mein Tempo kam ich kaum zum Trinken und warf auch mein ausgearbeitetes Verpflegungskonzept über Bord. Bäume, Trails, Schotterpisten – alles rauschte nur so an mir vorbei. Doch leider war ich am Ende nicht schnell genug. Im Ziel verzeichnete die Uhr 1 Minute und 20 Sekunden Rückstand auf die Siegerin. So konnte ich mich dann über einen zweiten Platz in meiner Altersklasse und den 2. Platz Gesamt freuen.
 
 
 
 
 
 
Noch viel mehr freute ich mich allerdings mit meinem Lieblingsmenschen, der sich den Gesamtsieg sicherte.
 
 
 
Im Nachhinein betrachtet, hätte ich mit mehr Taktik fahren sollen. Keine frühe Attacke, sondern stattdessen lieber den Windschatten nutzen. Aber man lernt ja aus jedem Rennen und hinterher ist man immer schlauer! Zierenberg ist seit Jahren ein festes Event in meinem Rennkalender und ich freue mich in jedem Jahr wieder auf das Rennen. In diesem Jahr wurde die Strecke komplett geändert, was das Rennen in meinen Augen noch attraktiver macht- mehr Trails und eine gleichmäßigere Verteilung der Anstiege und Abfahrten. Fazit: Super Veranstaltung, tolle Organisation und leckerer Kuchen.
 
Das nächste Wochenende wird noch einmal rennfrei sein, bevor es dann in den rennintensiven September geht. Dass die Saison schon wieder in den letzten Zügen ist, will ich noch gar nicht so wirklich glauben.
 
In diesem Sinne:
Keep on riding,
Vanessa
 
 
Zitate des Tages:
„Da schießt einem direkt das Laktat in die Knochen.“
„Man bedenke die Routenwahl.“
„Bin heute nicht gefahren, weil ich wollte euch auch eine Chance lassen.“
„Mit Einteiler und Aero-Helm wäre es der Sieg gewesen.“
„Die Straßen hier sind so schlecht, da sind ja bei uns die Radwege besser.“

  
 

 

Montag, 15. August 2016

Sigma-Marathon in Neustadt: Wenn ein Deutscher Meister nach der Dusche fragt…

Wenn gleich ich mit dem Sommer 2016 bedingt durch den ersten Nachtfrost letzte Woche sowie dem Training in Winterkleidung eigentlich bereits abgeschlossen hatte, freute ich mich umso mehr über das Cape-Epic-Feeling beim Marathon in Neustadt an der Weinstraße. Diese Region ist meteorlogisch durch seine Nähe zum Rhein ohnehin begünstigt und immer um einige Grad wärmer. Beim Wettkampf am Sonntag waren die Bedingungen wirklich vergleichbar mit Südafrika: Sonne vom strahlendblauen Himmel, die Suche nach einem Fleckchen Schatten im Startblock, staubtrockene sandige Strecken, flimmernde Landschaften am Horizont und ein enormer Flüssigkeitsbedarf.
 
 
Flüssigkeitsbedarf – ein gutes Stichwort: Direkt nach dem Massenstart auf der ersten holprigen Kopfsteinpflasterpassage verlor ich meine Trinkflasche. Das ist mir noch nie passiert. Eigentlich bin ich in der Tat so perfektionistisch und teste im Training  jede neue Flasche auf ihre Tauglichkeit. Diesmal leider nicht, was mir somit gleich zum Verhängnis wurde. Dieses Desaster – denn bei 40 Grad und stechender Sonne – kann man bei diesem Verlust von einem Desaster sprechen, brachte mich leicht aus dem Takt. Zudem ging es gleich in den ersten steilen Anstieg. Bei Kilometer 17 war die erste Verpflegung angesetzt. Bis dahin bin ich bei der Hitze dehydriert! Wie eine Fata Morgana tauchte dann aber am Gipfel des ersten Anstiegs die Feedzone eines anderen Teams auf und ich fragte schnell, ob sie eine Flasche übrig haben. Zum Glück ja und die Flasche beinhaltete sogar Wasser und kein fremdes Pulver. Noch einmal gerettet. Tatsächlich führte ich auch zu diesem Zeitpunkt das Damenfeld noch an.
Insgesamt fiel mir das Rennen vom eigenen Empfinden her etwas schwer. Nach einer Rennpause habe ich zunächst immer Probleme wieder in den fokussierten Rennmodus zu finden. Die Hitze raubte mir zudem viele Kräfte. Die Strecke hielt viele technisch anspruchsvolle und fordernde Trails bereit. Diese verlangten volle Konzentration und Fahrtechnik – denn teilweise waren die Trails so angelegt, dass ein Verbremser oder falsches Lenken zum Absturz geführt hätten.
Bei Kilometer 10 stellte mich eine Konkurrentin und ich verlor meine Führung. Ich versuchte die Lücke wieder zuzufahren, jedoch hätte ich dafür bergab zu viel riskieren müssen. Als es dann in einen steilen und steinigen Anstieg ging, der zur Schiebepassage wurde, war ich dem Aufgeben näher als dem Weiterfahren. Mental war ich heute leider nicht sehr stark. Doch dann mobilisierte ich noch einmal alle Kräfte und meinen Kämpferwillen, um wenigstens den zweiten Platz zu halten.
Dies gelang mir dann auch, jedoch nur in meiner Altersklasse. Denn kurz vor dem Ziel überholte mich noch einen Seniorin. Die letzte Abfahrt durch die Weinberge war extrem holprig und ich spürte meine Handgelenke kaum noch. So entfiel ein Zielsprint und ich fuhr mit rund 30 Sekunden Rückstand über die Ziellinie als Zweite meiner Altersklasse und Dritte Gesamt.
 
Da ich durch die Gesamtbedingungen und die Startproblematik mit verlorener Verpflegung niemals mit so einem Ausgang gerechnet hatte, war ich mehr als zufrieden.
 
Die Zeit bis zur Siegerehrung verbrachten wir dann mit dem Auffüllen der Kohlenhydratspeicher, einer Erfrischung am Brunnen und dem Plausch mit dem Deutschen Meister Karl Platt, der die Langdistanz überlegen gewonnen hatte. Er fragte uns nach dem Weg zur Dusche und hatte so gleich als Local noch ein paar Tipps für Strecken in der Region. Warum Karl beim Cape Epic immer so erfolgreich ist, konnten wir angesichts des heutigen Rennens und den regionalen Bedingen sehr gut nachvollziehen.
 
 
 
 
 
Fazit: Der Marathon in Neustadt ist ein schönes Rennen mit toller Location und perfekter Organisation. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll und fordernd, die Trails sind einmalig. Einer der trail-lastigsten und härtesten Marathons in Deutschland. Ich werde sicher in den nächsten Jahren wieder an der Startlinie stehen.
 
In diesem Sinne:
Keep on riding,
Vanessa
Zitate des Tages:
„Ist dir eigentlich aufgefallen, dass die Strecke komplett in einem kleinen Waldstück verlief?
                „Ähm nee.“
 „Und wieder ein VIP-Parkplatz.“
„Das war so hart. Das war sooo hart. Lass´ mich sterben.“
„Die Trails waren nicht am, sondern über dem Limit. Einmal verbremst und du bist weg!“
„Unfahrbar – oder was?“
„Ich glaube, wenn ich das Schlussmotorrad im Nacken hätte, würde ich vor Scham lieber dezent irgendwo ins Gebüsch kippen.“
 

Dienstag, 9. August 2016

Perspektivwechsel: Von Fahrerfrauen, Vizehessenmeistern und Verpflegungszonen.

Hessenmeisterschaft im Cross-Country -  ist das auch was für mich mitten in der Marathonvorbereitung? Ich wägte es im Vorfeld kurz ab, entschied mich dann aber doch gegen eine Teilnahme und für einen Perspektivwechsel in das Lager der Fahrerfrauen und Betreuer. Ort des Geschehens war die beschauliche Kurstadt Bad Salzhausen. Bereits bei der Einfahrt in das Städtchen fiel uns ein Hinweisschild mit den Lettern „Bitte langsam/Bitte Ruhe – Kurstadt“ ins Auge. Die Fläche des Kurparks war dann schließlich sogar größer als manche Kleinstadt. Diese Tatsache sorgte dafür, dass sich viele Fahrer den Weg durch unzählige Scharen von Rentnern bahnten und im Kurpark einen schattigen Parkplatz unter den hohen Bäumen ergatterten. So auch wir. Naja im Grunde genommen waren die Vorreiter, die anderen Nachahmer. Der Parkplatz erwies sich dann als Glückgriff. Denn entgegen unserer Annahme war der Start über eine Stunde später als eingeplant, sodass wir die Wartezeit gemütlich im Schatten des Grünzeugs verbringen konnten. Des Weiteren war natürlich auch noch genügend Zeit, um die verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten durchzuprobieren.




Ich war mir meiner neuen Aufgabe als Fahrerfrau durchaus bewusst und ging vorher die Strecke ab, um mir einen geeigneten Standpunkt für die Verpflegung zu sichern. Diesen verteidigte ich bis zum Startschuss erfolgreich gegen andere Fahrerfrauen und Betreuer.


Zum Verlauf des Rennens konnte ich exklusiv und brandaktuell den Vizehessenmeister für einen Gastbeitrag gewinnen! Aber lest selbst:

„Grelles Neonlicht, eine Infusionsnadel im Arm und ein EKG am Herz. Wo bin ich? Was mache ich hier? Ich bin Leistungssportler, hier gehöre ich nicht hin! Dies waren meine ersten Gedanken, als ich im Krankenhaus die Situation begriff. Mit meinem Saisonhöhepunkt - der Deutschen Meisterschaften im Cross Country - vor Augen, hatte ich es im Training wohl etwas übertrieben. Der erste Horrorverdacht einer Herzmuskelentzündung konnte nach zwei Tagen stationärem Aufenthalt und zahlreichen Blutuntersuchungen zum Glück nicht bestätigt werden. Es folgten mangels genauer Diagnose jedoch zwei harte Wochen Trainingsentzug.

Vier Wochen später: Ich liege im Kurpark in Bad Salzhausen. Doch nicht etwa zur Reha. Sondern viel mehr fällt in zwei Stunden der Startschuss zu meinem Comeback. Das dies zufällig die Hessischen Meisterschaften mit starker Konkurrenz sind - da hatte ich keine Wahl. Dies lässt meinen Puls und meine Nervosität schon im Vorfeld ansteigen. Ohne große Erwartungen ging ich in das Rennen. Als meine Betreuerin mir zur Rennmitte zurief 'DU bist an zweiter Position!' war ich mir sicher, sie wollte mich nur motivieren und hatte keinen Plan, wo ich mich im Feld befand. Dies blieb so bis Rennende und nach einiger Zeit (es wurde beim Überfahren der Ziellinie weder angesagt noch gewürdigt), dass ich Vizelandesmeister in meiner Altersklasse geworden bin. Es lässt sich festhalten, dass es dem Sportlerkörper auch mal gut tut, eine Ruhepause einzulegen, um dann wieder voll angreifen zu können.
Marian Kopfer, Vizelandesmeister

Danke für diesen Einblick und Glückwunsch zum Titel!

 

Nächstes Wochenende werde ich beim Marathon in Neustadt übrigens auch wieder ins Renngeschehen eingreifen.

Bis dahin: Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:

„Jeder, der eine Fahrerfrau hat, hat sie heute mitgebracht.“

„Hallo? Du bist Vizehessenmeister! Freu´ dich doch mal ein bisschen.“

„Die sind am Start so krass losgesprintet, ich dachte am ersten Berg wäre schon das Ziel.“