We are specialized!

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Freitag, 22. Juli 2016

Ars Natura Marathon Neumorschen - das Knock-out

Nachdem ich im letzten Jahr beim Ars-Natura Marathon in Neumorschen das schicke Sieger-Trikot gewinnen konnte, freute ich mich auch in diesem Jahr auf den Marathon.
Wann immer ich davon sprach wurde ich mit zwei Fragen konfrontiert: Was ist denn Ars-Natura? Das klingt ja wie eine Bio Marke. Und: Wo ist denn bloß Neumorschen?

Nach eingehender Recherche konnte ich die erste Frage relativ simpel beantworten: Die Rennstrecke führt vereinzelt über den Ars-Natura Wanderweg, der dem Marathon seinen Namen gab. Wieso genau der Wanderweg jetzt diesen Namen trägt, ist nicht überliefert. Geografisch gesehen liegt Neumorschen als Ortsteil Morschens neben Altmorschen, zwei beschaulichen kleinen Örtchen nahe der A7. Schon bei meinem ersten Besuch ist mir die imposante ICE-Brücke aufgefallen, die quasi direkt hinter dem Sportplatz liegt, der auch heute als Start- und Zielpunkt fungiert.

Da wir den Weg einwandfrei fanden waren wir pünktlich wie immer am Wettkampfort, früh wie immer an der Nennstelle und (Achtung, Änderung!) früh beim Warmfahren unterwegs. Richtig, ich habe mich warmgefahren und zwar 25 Minuten lang, 10 Mal eine lockere Schleife durch den Ort. So fiel mir auch bereits vor dem Rennen auf, das mit meiner Lenkung irgendetwas nicht in Ordnung war. Die seichten Kurven die ich fahren wollte wurden kantig und die Lenkung stockte in der Bewegung. Zurück bei meinem Lieblingsmenschen untersuchten wir das Problem. Symptomatisch zeigte mein Lenker eine deutlich verlangsamte Drehung, weiterhin wurde ein Schwellenpunkt festgestellt, der bei der Lenkbewegung mit Kraftaufwand überwunden werden musste. Zur nachfolgenden Diagnose zogen wir den anwesenden Mechaniker eines nahen Radladens hinzu, der mir versicherte, dass sich dieses Problem nicht in den noch vorhandenen 10 Minuten bis zum Start beheben lassen würde. Vielmehr wäre eine eingehende Therapie für die Lager notwendig. Die Diagnose schockte mich und ich drohte in Panik zu verfallen. Nach eingehender Beratung mit meinem Therapeuten, äh Lieblingsmensch, entschloss ich mich, trotzdem an den Start zu gehen. Schlimmer werden konnte es ja eigentlich nicht mehr.

Trotzdem war ich sehr verunsichert und nervös als ich mich im vorderen Drittel des Startblocks einfand. Der Moderator erklärte den versammelten Sportlern noch einmal, dass die Strecke im Vergleich zum letzten Jahr geändert worden war und die populäre Mittelstrecke nun 45 Kilometer statt nur 38 Kilometer im Vorjahr umfasste. Mir persönlich hätten ja die 38 Kilometer auch gereicht und die Strecke fand ich auch okay, aber mich hatte leider niemand nach meiner Meinung gefragt.

Als der Startschuss schließlich gefallen war begann für mich das gefühlt härteste Rennen in meiner mittlerweile dreijährigen Rennkarriere. Hatte ich bereits im vorherigen Rennen bemerkt, dass mein Körper nicht auf 100% lief, so fühlte ich mich heute völlig kraftlos. Bereits in den ersten Anstiegen pochte das Laktat in meinen Beinen, der Puls war astronomisch hoch und ich klang vermutlich wie Darth Vader beim Joggen. Von meinem eigentlich Lenkproblem merkte ich im Eifer des Gefechts nicht mehr viel. Ich hatte ganz andere Probleme. Die Strecke verlief gelinde gesagt wellig, um nicht zu sagen sehr bergig. Die Anstiege zogen sich meistens über mehrere Kilometer hin, es folgten knackige, anspruchsvolle Bergab-Passagen gefolgt von dem nächsten Berg. Normalerweise sage ich über mich selbst, dass mir die Anstiege liegen und ich meine Stärken am Berg sehe. Ich hoffe niemand, zu dem ich das jemals gesagt habe, hat mich an diesem Sonntag fahren sehen.

Trotzdem hatte ich länger die einzige Frau vor mir im Blick und war mal näher, mal weiter von ihr weg. Doch bei Kilometer 20 ist dann alles vorbei: Mir ist schwindelig und ich drohe zu kollabieren. Als ich dann auch noch keine Luft mehr bekomme, muss ich absteigen und mich erst einmal hinsetzten. Zwei Fahrer begleiten mich zu den nahen Streckenposten, die praktischerweise das Rote Kreuz stellt, und übergeben mich den Sanitätern.

Nach 15 Minuten und 2 Litern Wasser geht es mir besser. Und obwohl ich weiß, dass bei mir heute nichts mehr zu machen ist, will ich weiter fahren. Also fahre ich wieder los, irgendwo im allerhintersten Teil des Feldes. Der Vorteil dort ist übrigens, dass das Tempo sehr viel angenehmer ist. Doch auch langsam sind die Berge steil, die Abfahrten kraftraubend und der Kampfgeist dahin.

Und irgendwann kommt dann doch tatsächlich das Ziel in Sicht. Ich bin zufrieden, dass ich es ins Ziel geschafft hab. Ich bin schockiert über meinen Kollaps. Und ich bin total am Ende. Doch auch das legt sich nach zwei Litern Zuckern und Coffein, sowie einigen Umarmungen. Als die Ergebnislisten ausgehängt werden bin ich überrascht, das ich nicht nur nicht letzte Dame geworden bin, sondern noch den 3. Platz bei den Damen herausgefahren habe.



Man sagt ja, bei den härtesten Rennen lernt man am meisten. Wenn das so ist, dann habe ich vermutlich jetzt meinen Doktor gemacht.

Trotzdem ist dieses Rennen für mich nicht ohne Konsequenzen geblieben. Ein Arztbesuch bestätigt mir, dass es nicht am Training oder an der Motivation liegt, sondern an einem Virus, der meinen Körper schwächt. Im Klartext heißt das: mindestens 6 Wochen schonen.

Und danach werde ich mit dem Doktor in Motivationslehre wieder durchstarten!

 Keep on riding,

Evelyn








Montag, 18. Juli 2016

Keiler-Marathon in Wombach: Auf Wildschweinjagd in Bayern

Da der Austragungsort des Keiler-Marathons geographisch einige Stunden Fahrtzeit von der Heimat entfernt lag, beschlossen wir, bereits entspannt am Vortag anzureisen. Der Anreisetag fiel ungünstiger Weise auf den hessischen Ferienbeginn, weshalb wir uns die Autobahn mit vielen Reiselustigen teilen mussten. Die Ferien dauern 6 (!) lange Wochen – wieso starten alle Menschen schon direkt am letzten Schultag in den Urlaub?! Es trug sich also zu, dass sich die Fahrtzeit insgesamt etwas ausdehnte. Diese Zeit konnte aber gut für weitere Rennplanungen, taktische Abläufe und diverse organisatorische Konzeptionen genutzt werden. Je näher wir dem Zielort kamen, desto bayrischer wurde es. Als uns dann ein grüner Streifenwagen der Polizei begegnete, waren wir uns sicher: Wir haben die Landesgrenze zu Bayern überschritten. Den restlichen Abend nutzten wir zur Erkundung der Stadt, der Suche nach dem Main, zum Auffüllen der Kohlenhydratspeicher und zum kulturellen Austausch.
 
So erfuhren wir beim Abendessen, dass man die Einwohner keinesfalls als Bayern, sondern als Unterfranken zu bezeichnen hat. Man lernt nie aus. J Eines fiel bereits auf: Von jedem Sonnenschirm, an jedem Gasthaus und einfach überall blickte man in das Gesicht eines fröhlichen Keilers. Doch dazu später mehr…
 
 
Am nächsten Morgen hieß es dann endlich: Raceday! Die Sonne strahlte bereits vom wolkenlosen Himmel und die Temperaturen erfreuten mit sommerlicher Wärme. Am ausgewiesenen Parkplatz angekommen, stellten wir fest, dass von dort einige Kilometer Fußmarsch bis zur Anmeldung sowie dem Start-Ziel-Bereich zurückzulegen wären.
Eine andere Lösung musste also her, die einige leicht dramatische Szenarien mit sich brachte.
Doch wie wir letztlich noch zu einem VIP-Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Startbogens kamen, soll an dieser Stelle nicht genauer erläutert werden. J
 
Beim Abholen der Startunterlagen holte mich dann der Anblick des Keilers wieder ein. Hatte sich doch eine ganze Wildschweinfamilie (aus Plüsch natürlich) auf dem Siegertreppchen drapiert. Der Hauptsponsor der Veranstaltung, die Keiler-Brauerei in Lohr stellte die plüschigen Zeitgenossen als Gewinn für die schnellsten Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung. Mein Ziel war gesetzt: Ich will unbedingt so einen Keiler. Dies setzte natürlich voraus, dass ich ein „sau“-gutes und „sau“-schnelles Rennen abliefern muss.
Motiviert stellte ich mich in der Startaufstellung schon einmal in die vordere Reihe, um die Jagd auf das Wildschwein zügig beginnen zu können. Der Moderator verlas bis zum Startschuss die Favoritinnen – ich wurde nicht erwähnt. Naja gut, hier in Bayern – stopp: Unterfranken – kennt mich keiner. Das Führungsfahrzeug bildete ein Pick-Up der Keiler-Brauerei mit der Aufschrift „Sau on Tour“, welcher bis kurz vor dem ersten lange Anstieg das Feld neutralisierte. Der erste Anstieg hatte es sogleich in sich und ließ den Laktatspiegel in den Beinen bereits nach oben schießen. Ich verlor den Überblick im Feld und wusste nicht an welcher Position ich mich befand. Der Streckenposten bei Kilometer 8 rief mir zu, dass ich die erste Frau sei und ich war überrascht. So war ich mal wieder die Gejagte – also kein Blick zurück und das Tempo hoch halten.
 
Die Strecke war schön und anspruchsvoll oder auch schön anspruchsvoll. Es gab steinige Trails gespickt mit vielen Wurzeln, die die Fahrtechnik ordentlich forderten. Das Rennen verlief bei mir wie im Flow – ich hatte zwar ständig das Gefühl, dass sich eine andere Dame von hinten näherte, drehte mich aber nicht um. Die Führung wollte ich mir ungern nehmen lassen und so kämpfte ich mich die Anstiege zügig hinauf und die Trails hinunter. Schneller als erwartet kam dann schon das Ziel in Sichtweite. Beim finalen Zielanstieg ging es bereits an vielen Zuschauern vorbei und ich wurde als Gesamtsiegern angekündigt. Ein unbeschreiblich tolles Gefühl! Es war ein sehr flüssiges Rennen für mich und ich habe es sehr genießen können. Definitiv ein „Race to remember“. Bei der Siegerehrung konnte ich dann den Keiler in Empfang nehmen - ein origineller und schöner Preis, der mich nun immer an diesen Tag erinnern wird.
 
 
Liebe Veranstalter: Der Keiler-Marathon ist super Event mit toller Strecke. Eine der schönsten Marathonstrecken, die ich je gefahren bin. So hoffe ich doch, dass es im nächsten Jahr einen 21. Keiler-Marathon gibt! Schließlich möchte ich meine plüschige Wildschweinfamilie noch vergrößern. J
 
 
 
Ein großes Dankeschön an die Person, die nicht nur mein Lieblingsmensch, sondern auch mein Co-Trainer, Mechniker, Physiotherapeut, Betreuer und Fotograf ist - ohne dich würde das alles nicht so gut laufen und auch nur halb so viel Freude machen. 
 
 
Keep on riding,
Vanessa
 
Zitate des Tages:
„Bei einem Defekt oder so – mach´ es wie Chris Froome: Lauf einfach los!“
„Sind wir jetzt in Bayern?“
„Ist ja alles richtig bayrisch auf einmal.“
„Du bist Sportler, das habe ich dir schon im Gesicht angesehen.“
„Wir sind UNTERFRANKEN! Keine Bayern.“
„Wo geht es denn zum Main?“
                „An der Kirche vorbei und dann rund 350 Meter Richtung Würzburg.“
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Dienstag, 12. Juli 2016

Doppeltes Defektpech - der seltsame Marathon in Neuhaus

Ein Sonntag wie jeder andere. Nach einer schlaflosen Nacht, dem damit einfachen Aufstehen um 6 Uhr und dem anschließenden hektischen Verpacken aller nötigen Rennutensilien mache ich mich um kurz nach halb 8 auf den Weg nach Neuhaus. Der nächste Renntag steht für mich an, ein Marathonrennen im heimischen Solling. Aus diversen Gründen bin ich für meine Verhältnisse deutlich später als Üblich am Ort des Geschehens, was alle, die mich kennen, bereits zu der Annahme veranlasst, ich würde heute wohl nicht am Start stehen. Doch trotz meiner sehr dunklen, verspiegelten Sonnenbrille werde ich schnell erkannt und in die üblichen Fachsimpelei vor dem Rennen verstrickt. Was zur Folge hat, dass sich mein Zeitproblem nicht verbessert und ich zunehmend in Hektik ausbreche. Und das dann der Reißverschluss meines Trikots streikt ist auch nicht sonderlich hilfreich. Oder dass ich erst jemanden suchen muss, der bei meinem Hinterrad noch etwas Luft nachpumpt. Oder dass ich die Heckklappe meines Wagens offen stehen lasse, als ich diesen sorgfältig abschließe. 

Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, mich ausgiebig und lange warm zu fahren. Daraus werden dann 5 Minuten, ein 3,5 minütiger Fotostop mit meinen beiden Lieblingsrennkollegen inbegriffen. Nach einem letzten, obligatorisch notwendigen Besuch der sanitären Anlagen habe ich schließlich ein echtes Problem: Der Reißverschluss meines Trikots ist kaputt, mein Trikot flatterte also offen. Was jetzt?
Und dann muss ich auch noch feststellen, dass sich der Großteil der Teilnehmer bereits im Startblock befindet und ich nun keine Chance mehr auf eine vernünftige Ausgangssitution habe. So müssen Dani und ich uns im Mittelfeld des Startblocks platzieren. So, jetzt blieb noch das Trikot Problem. Kurzerhand ziehe ich mich im Startblock um, sodass man unter meinem Trikot wenigstens nicht die Träger meiner Radhose sieht. Danach fixierte ich den Reißverschluss noch mit drei Haargummis. So machen das die Profis...

Viel zu schnell fällt der Startschuss. Das Feld brettert los und nimmt den ersten langen Anstieg in Angriff. Ich merke bereits jetzt, dass meine Beine heute lieber zuhause geblieben wären. Aber ich habe ja Dani und Tobi, die mich mitziehen. Gemeinsam erklettern wir die erste Rampe, surfen durch die Trails und ziehen uns an den Anstiege gegenseitig.

Nach gut 15 Kilometern geht es einen schlammigen Trail bergauf und ein paar Fahrer schieben sich zwischen mich und meine Motivationsgruppe. Ich quäle mich nach und nach bergauf, bis ich irgendwann nicht mehr weiter komme. Das kann doch nicht sein, so steil ist der Berg doch nicht. Ein Blick auf mein Hinterrad und der Grund ist klar: mein Reifen ist platt. Ganz ruhig, so schwer kann das ja nicht sein, immerhin habe ich das nötige Equipment parat. Ich habe gerade mein Hinterrad ausgebaut als ein Fahrer neben mir hält und mich freundlich fragt, ob ich Hilfe brauche. Und so sitze ich nach 15 Minuten wieder auf dem Bike und starte die Aufholjagd. Allerdings bin ich nun gefühlt so oder so von jedem anderen Fahrer überholt worden und muss mich jetzt wieder allein durchschlagen. Bergab, Bergauf, Schotterstraße, Trail und immer wieder lange Anstiege. Ich mache besonders am Berg einige Plätze gut und meine Motivation potenziert sich bei jedem Überholvorgang. Nach einer längeren Schotterabfahrt bemerke ich allerdings ein verräterisches Flattern am Hinterrad. Und Tatsache: der zweite Platten des Tages, nach 35 Rennkilometern. Gedanklich hake ich das Rennen bereits ab, denn einen zweiten Schlauch habe ich nicht mehr dabei und es liegen noch 10 Kilometer vor mir. Ich steige ab und überlege, wie ich denn nun am schnellsten wieder zurück zu meinem Auto komme. Ich entschließe mich der Strecke zu folgen und den nächsten Streckenposten um Hilfe zu bitten. Doch wieder hält kurz darauf ein Fahrer an und bietet mir Hilfe, und was noch besser ist, einen 26er Schlauch an. Keine 10 Minuten später sitze ich wieder auf dem Bike und starte in die letzte Passage.


So komme ich nach über 2,5 Stunden endlich im Ziel an. Überraschenderweise hat es dennoch zum 2. Platz in meiner Altersklasse gereicht, wie auch immer ich das noch geschafft habe.




















Am Ende war es ein seltsamer Renntag. Auch ohne die beiden Defekte, die mich insgesamt eine gute halbe Stunde gekostet haben, hätte ich es heute im stark besetzten Feld schwer gehabt. Ein Riesen-Dankeschön an die beiden Fahrer, die mir bei meinen Defekten geholfen haben! Das war nicht selbstverständlich und ganz großer Sport!

Statt mich weiter über den Rennverlauf zu ärgern fasse ich also das nächst Etappenziel ins Auge: Der Ars Natura Marathon in Neumorschen am nächsten Wochenende.

Und bis dahin,

Ride on,

Evelyn


Zitate des Tages: 

"Jetzt weiß ich auch wieso du immer so viele Haargummis dabei hast!!"

"Trägt man das jetzt so oder ist dein Trikot einfach kaputt?"

"Klar hab ich einen Schlauch dabei, ich habe sogar 4 dabei! Einen 27,5er, zwei 26er und einen 29er. Ich bin auf alles vorbereitet!"






Montag, 11. Juli 2016

Shark-Attack Marathon Saalhausen (DM XCM 2016): Den Profis ganz nah

Gezeichnet durch wochenlange Sauerland-Abstinenz war es höchste Zeit, dieser Mittelgebirgsregion mal wieder einen Besuch abzustatten. Das Stichwort „Sauerland“ weckte sofort einige Erinnerungen in mir:
 
·         Im Sauerland geht es nur bergauf
·         Höhenmeter, Höhenmeter, Höhenmeter
·         Kann locker als Ausläufer des Alpenvorlandes bezeichnet werden
·         Höhentraining
·         Die Luft wird bereits merklich dünner
·         Viele Wege führen ins Sauerland, leider keine Autobahn
 
Doch diese Tatsachen hielten mich natürlich nicht davon ab, den Start beim Shark-Attack Marathon in Saalhausen – gleichzeitig auch Austragungsort der Deutschen Meisterschaft im Marathon – in Angriff zu nehmen.
Trotz mangelnder Autobahnanbindungen erreichten wir den Ort des Geschehens am frühen Samstagmorgen nach kurzer Fahrtzeit. Das Wetter zeigte sich - endlich einmal entsprechend der tatsächlichen Jahreszeit - sommerlich mit milden Temperaturen und Sonnenschein. Sollte es heute etwa ein Rennen ohne Regen, Schlamm und Matsch geben?
 
Auf dem Weg zur Abholung der Startunterlagen erblickte ich dann direkt einen Sport- und Spielplatz mit Trampolin und weiteren lustigen Dingen. An so etwas kann ich natürlich nicht einfach vorbei gehen.
 
Mein Lieblingsmensch holte mich schließlich auf den Boden der Tatsachen zurück und erinnerte mich dezent an meine eigentliche Mission.
Dadurch, dass der Marathon ganz im Zeichen der Deutschen Meisterschaften stand, waren viele Deutsche Profis und Stars der Szene vertreten. Es war dementsprechend aufregend, sich unter die Profis zu mischen und das besondere Rennfeeling eines solch großen Events zu erleben. Nach einem kurzen Schlenker durch das Fahrerlager mit Blick auf die Reifenwahl der Profis („Karl fährt auch Rocket Ron – du machst alles richtig!“) ging es für mich in die finale Rennvorbereitung. Letzte Nahrungsaufnahme, Warmfahren und ab in den Startblock.
Der Start erfolgte überraschenderweise als Massenstart und somit ohne Übergänge zwischen den einzelnen Distanzen. Aus Saalhausen heraus ging es direkt in einen langen, zähen Anstieg über eine Teerstraße. Mir gelang ein schneller Start und ich konnte mich direkt nach vorne absetzen. Wenn gleich mich dieser schnelle Start bereits viele Kräfte kostete, hoffte ich, dieses Tempo durchziehen zu können. In der ersten Abfahrt, die durch groben Schotter gesäumt war, stürzte vor mir ein Fahrer schwer und ich konnte gerade noch ausweichen. Im Anbetracht dieses Schreckens nahm ich etwas Tempo raus, um keinen Sturz zu riskieren. Leider kostete mich die Temporeduzierung dann die Führung, denn eine andere Dame fuhr an mir vorbei. Obwohl ich noch viele Kilometer Sichtkontakt hatte, gelang es mir trotz intensiver Arbeit nach vorne nicht mehr, die Lücke zuzufahren. So galt es nun also, meinen zweiten Platz zu halten. Die Strecke war witterungsbedingt staubtrocken und dementsprechend sehr schnell. Die Anstiege waren steil und kräftezehrend, die Abfahrten erforderten volle Konzentration. Der Bereich um das Start-/Zielgelände hielt abschließend eine Passage im Stil eines Cross-Country-Rennens bereit. Den Zielbogen vor Augen lieferte ich mir mit einem Fahrer noch einen Zielsprint, den ich knapp für mich entschied. Der Moderator wies die Zuschauer daraufhin, dass ein solches Rennen eigentlich nicht auf den letzten Metern entschieden werden sollte, um dann zu bemerken, dass die beiden Finisher gar nicht eine Altersklasse, ach je noch nicht mal das gleiche Geschlecht hatten. Ja egal, aber es hat doch trotzdem Spaß gemacht. J
 
Am Ende konnte ich mich über den zweiten Platz in meiner Altersklasse und den zweiten Platz Gesamt freuen. Insgesamt war es für mich ein gutes und flüssiges Rennen, welches ich sehr genießen konnte. Love the ride!
 
 
 
Der Renntag klang bei Kaffee und Kuchen sowie mit einem kurzen Abstecher zu Regeneration in den kühlen Fluss „Lenne“ aus.
                        
 
 
 
Zum guten Schluss: Einen riesengroßen Dank an meinen Lieblingsmenschen für den professionellen Support!!! Ich musste wirklich nichts machen, außer auf das Rad zu steigen und zu fahren. Ohne dich hätte ich stets zu wenig Bar im Reifen, zu wenige Öl auf der Kette…und da gibt es noch so viel mehr. Danke!!
 
Nächste Woche steht der Keiler Marathon in Wombach im Rennkalender, auf den ich mich schon sehr freue.
Bis dahin: Keep on riding,
Vanessa
 
Zitate des Tages:
“Es gibt wirklich süße Kinder, aber dieses gehört definitiv nicht dazu!”
„Waren wir hier eben nicht schon mal?“
                               „Ja irgendwo müssen die Kilometer ja herkommen.“
 „Haben schon über 1000 Höhenmeter – viel kann nicht mehr passieren.“
 „Da steht ja ein Reh!!“
                „Nee, das ist ein Hund, aber eine gewisse Ähnlichkeit besteht.“
 
 
 
 
 
 
 
 

Dienstag, 5. Juli 2016

Hessische Meisterschaften Marathon in Wiesbaden: Saisonhöhepunkt – oder lieber doch nicht?!

Am vergangenen Wochenende standen die Hessischen Meisterschaften im Marathon in der Landeshauptstadt Wiesbaden im Rennkalender. Die Ausschreibung der Meisterschaften erfolgte relativ spät, sodass ich mich mental und emotional kaum vorbereiten konnte. Dennoch erkor ich dieses Event als mein persönliches Saisonhighlight aus – im Nachhinein überlege ich mir nun aber schon, ob sich vielleicht noch einen anderer Saisonhöhepunkt findet.

Den Ort des Geschehens zu erreichen, gestaltete sich am frühen Sonntagmorgen als eine etwas verzwickte Angelegenheit. Die E-Mail des Veranstalters enthielt lediglich die Information, dass der Start des Rennens am gleichen Ort wie im letzten Jahr lag. Okay, mit dieser Information konnten wir mangels einer Teilnahme im letzten Jahr nicht viel anfangen. Mit einem Navigationsgerät und zwei Handys versuchten wir die Adresse des Jagdschlosses Platte – lokalisiert irgendwo auf dem Hausberg Wiesbadens – ausfindig zu machen. Kurze Umwege durch die Wälder in und um Wiesbaden führten dann schließlich doch noch rechtzeitig zum Ziel.  Die Location entpuppte sich als geschichtsträchtiger Ort: Das Jagdschloss Platte lag mitten im Wald, wurde einst von Herzog Wilhelm I. errichtet, im zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört und dann wieder originalgetreu aufgebaut. So viel zum kulturellen Teil der Reise. Aber wenn sich die Anmeldung schon mal nicht in einer Turnhalle, sondern in einem solchen Gebäude befindet, sollte man die Chance nutzen, um sich ein wenig umzuschauen. J


Nachdem ich meine Tour durch das Jagdschloss inklusive weitläufigem Gewölbekeller beendet hatte, war es höchste Zeit, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Also ab ins Trikot, letzter Check des Bikes und dann das obligatorische Warmfahren. Wobei dieses heute wirklich nötig war, denn das Thermometer zeigte nur frische 11 Grad an. Der Hochsommer lässt grüßen.

 
 
Mich erwarteten zur Wertung der Hessischen Landesmeisterschaft 44 Kilometer und 1200 Höhenmeter plus harter Konkurrentinnen. Meine Recherchen des Höhenprofils und eine akribische Vorbereitung der einzelnen Passagen zeigten, dass es sich um eine schnelle Strecke mit vielen kurzen aber knackigen Anstiegen handelte. Ein ständiges Auf und Ab. Um 9:45 Uhr ertönte der Startschuss und das Feld knallte los. Nach wenigen Metern kam es bereits zu schweren Stürzen und am ersten Anstieg wurde es direkt eng. Ich konnte mir keine gute Ausgangsposition verschaffen und klebte hinter einer Gruppe fest. Bei der folgenden Abfahrt verbreiterte sich der Weg und ich schaffte es mich zu lösen und zu überholen. Der verkorkste Start kostete mich jedoch viel Zeit. Doch dann lief es flüssiger. Ich fand eine gute Gruppe, die sich mit der Führung abwechselte. Die Gruppe kam mir vor allem in den Drücker-Passagen (=flache Schotterwege auf denen es nicht rollt und man im dicksten Gang immerzu mit treten muss) zu Gute, da ich den Windschatten nutzte. Die erste Stunde verging wie im Flug und die gefahrenen Werte stimmten mich optimistisch eine gute Zeit zu absolvieren.

Die zweite Hälfte der Strecke hielt dann längere Anstiege und somit insgesamt mehr Höhenmeter bereit. Zudem waren die Trails nun ausgefahrener und verschlammter, was zusätzlich Kräfte kostete. Irgendwann kam das Jagdschloss wieder in Sichtweite – super da ist das Ziel. Doch falsch gedacht, ich wollte gerade anhalten und mich freuen im Ziel zu sein, da schickte mich der Streckenposten mit der Ansage „Es sind noch 2,5 Kilometer!“ weiter. Es ging noch einmal eine kleine Schleife durch den Wald, bevor die Strecke dann erneut im Start-Ziel-Bereich mündete.

Kaum hatte ich die Ziellinie nach knapp 2 Stunden und 20 Minuten Fahrtzeit überquert, setzte plötzlich starker Regen ein. Glück gehabt, trocken angekommen.

Insgesamt war die Strecke richtig schön und hat viel Spaß gemacht. Das Event war super organisiert und ist für nächstes Jahr bereits im Rennkalender vorgemerkt.

Mit meinem Rennen war ich im Großen und Ganzen zufrieden. Es war gut, aber eben nicht überragend. Am Ende reichte es für den 12. Platz Gesamt, den 11. Platz in der Altersklasse und den 5. Platz in der Wertung der Hessischen Meisterschaft. Wo ich die fehlenden Minuten bis zur Spitze verschenkt habe, werde ich noch ergründen. Jetzt heißt es regenerieren, denn nächste Woche geht es nach Saalhausen zu den Deutschen Meisterschaften im Marathon.

Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

„Warte ich schaue mich kurz um, dann kann ich auch sagen, dass ich mal in Wiesbaden war.“

 „Wo ist die Anmeldung?“

               „Da wo sie letztes Jahr auch war.“


„Das Wetter ist sehr stabil. Alle kommen frisch geduscht ins Ziel.“

„Das ist bestimmt ein Strava-Segment.“