We are specialized!

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Montag, 30. Mai 2016

Bike-Festival Willingen: Love the ride (von Vanessa)

Es ist Samstagmorgen. Naja man könnte es fast noch als Nacht bezeichnen. Der Wecker zeigt 4 Uhr und drängt laut zum Aufstehen. Was ist los? Ach ja Racetime! Das mag für Nicht-Radsportler völlig verrückt klingen. Doch was treibt uns an? Ganz klar: Die Liebe zum Sport. Die Reise führt an diesem Wochenende ins Sauerland. Genauer gesagt zur größten Mountainbike-Veranstaltung Deutschlands, dem Bike-Festival in Willingen. Dort finden sich in jedem Jahr über 2000 gleichgesinnte Frühaufsteher zusammen, um gemeinsam den Mountainbike-Sport zu (er-)leben.
 
Zunächst aber zur Vorgeschichte: Im letzten Jahr konnte ich verletzungsbedingt leider nur als Zuschauerin und Betreuerin in Willingen dabei sein, war jedoch begeistert von dieser riesen Veranstaltung. Das Vorhaben stand somit fest: Nächstes Jahr bin ich selber als Fahrerin am Start. Trotz dessen haderte ich im Vorfeld immer wieder mit der endgültigen Anmeldung, da ich vor der Distanz der „Kurz“-Strecke mit 53 Kilometern und über 1500 Höhenmetern doch Respekt hatte. Solche Distanzen hatte ich in dieser Saison im Prinzip noch gar nicht speziell  trainiert, da ich mich eher auf die Kurzstrecke konzentriere. Letztlich ließ ich mich dann doch zur Anmeldung hinreißen. Mein zögerliches Verhalten führte dann jedoch dazu, dass ich mich der späten Anmeldung geschuldet, im allerletzten Startblock D wiederfand. Es dauerte einige Tage und intensive Recherchen bis wir ergründet hatten, dass bei den Startblöcken B bis D die Nettostartzeiten gewertet werden und die Zeit somit beim Überfahren der Start- und Ziellinie mittels Transponder ausgelöst wird. Somit hätte ich also rein theoretisch auch aus dem letzten Startblock, der eine halbe Stunde nach dem ersten Startblock auf die Strecke ging, eine vordere Platzierung erreichen können. Mit diesem Wissen konnte ich mich letztlich dann doch mit meiner schlechten Ausgangsposition abfinden und arrangieren. Ich ging die ganze Geschichte erstaunlicherweise recht gelassen an, da ich mir nach dem Blick auf das stark besetzte Damenfeld keine gute Platzierung ausrechnete. So war ich auch relativ ruhig und entspannt, als ich mich um 7:15 Uhr im Startblock einfand. Das Warmfahren sparte ich mir diesmal, da der Effekt nach 45 Minuten Wartezeit bis zum Start ohnehin verpufft wäre. Ich ließ meinen Blick schweifen: Vorne, hinten, seitlich – überall Radfahrer! Das Feld war so groß, dass man es mit dem bloßen Auge gar nicht komplett erfassen konnte.
 
„Noch 30 Sekunden bis zum Start“ – den akustischen Startschuss konnte man jedoch so weit hinten nicht hören. Dann wurde das Absperrband geöffnet und das Feld aus Startblock D rollte los. Es waren allerdings noch ein paar hundert Meter, bis der luftgefüllte Startbogen überhaupt in Sichtweite kam. Der Start erfolgte dann überraschend ohne weiteres Stoppen so fließend, dass ich gerade noch rechtzeitig mein Garmin aktivieren konnte. Am ersten leichten Anstieg fuhren wir dann bereits auf Startblock C auf und es wurde direkt eng. Es ging aufgrund des großen Fahrerfeldes so langsam vorwärts, dass ich es noch gar nicht richtig als Rennen wahrnahm. Was also tun? Am besten direkt links vorbei und überholen. Das fanden nicht alle Fahrer so lustig, doch ich wollte für den nächsten langen Anstieg (2,3 km mit 250 Höhenmetern) auf den „hohen Eimberg“ eine gute Ausgangsposition erarbeiten, um den Stau am Berg zu umgehen. Da ich ohnehin kein Fan von aggressiven Starts bin, die einen bereits nach wenigen Metern in die Laktathölle befördern, kam mir der gemütliche Beginn eigentlich sehr gelegen. Am Gipfel des Eimberges hatte ich dann aber durch taktisches Überholen in Lücken, die es eigentlich gar nicht gab (gerne auch mal durch die Mitte, links und rechts), einen Großteil der Startblöcke C und D hinter mir gelassen. Die erste knifflige Abfahrt forderte dann volle Konzentration, um Verwicklungen in Stürze zu vermeiden. Ich kam gut durch und erhöhte im darauf folgenden Anstieg das Tempo, um mich weiter nach vorne zu arbeiten. Mein Blick scannte dabei immer mal wieder die Startnummern der Fahrer(innen) ab, die ich überholte: Denn unten ganz klein und unscheinbar in der Ecke war der Startblock vermerkt. Und tatsächlich fand sich nun vermehrt schon die Kennzeichnung „B“ darauf.
 
Ich war doch überrascht, wie gut die Beine heute waren und wie flüssig das Rennen lief. Bei Kilometer 26 läutete die Verpflegungsstation am tiefsten Punkt der Strecke die Halbzeit ein. Ich hoffe, dass kein Einbruch kam und ich auch die nächsten 26 Kilometer durchziehen konnte. Jedoch schien mein akribisch ausgearbeitetes Verpflegungskonzept aufzugehen, denn die Leistungsfähigkeit ließ auch im folgenden 6,6 kilometerlangen Anstieg nicht nach. Die letzte Schlüsselstelle war ein anspruchsvoller Wurzeltrail, der sich mäßig bergauf zog und keinerlei Überholmöglichkeiten bot. Die restliche Strecke war schließlich auf Tempo ausgelegt und der Zielort Willingen kam - vorbei an der Mühlenkopfschanze und dem Wildpark - langsam in Sichtweite. Die letzten 2 Kilometer zogen sich dann noch einmal bergauf, bevor es unter der Downhillstrecke und einem kleinen Pfad hinunter ins Ziel ging.
Mit einer Zeit von 2 Stunden und 57 Minuten (mein persönliches Ziel unter 3 Stunden zu bleiben, knapp erfüllt) erreichte ich als erste Frau aus den Startblöcken C und D das Ziel. Da die anderen Startblöcke durch einen früheren Start bereits im Ziel waren, dauerte die Auswertung etwas länger. Doch dann stand fest: 11. meiner Altersklasse und 16. Frau gesamt. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden, da ich mit einer so guten Platzierung nicht gerechnet hatte.
Das Rennen hat von Kilometer 1 bis Kilometer 53 Spaß gemacht. Love the ride.
 
Keep on riding,
Vanessa
Zitate des Tages:
„Wie viel bar hast du denn jetzt da reingepumpt?“
      „Ist schon okay, ich lasse vorher immer die ganze Luft ab und mache frische rein.“
„Warte – ich muss mich erstmal sammeln.“
 „Und die kaut hier bei 14 % Steigung noch seelenruhig ihren Riegel – ich kann hier kaum noch atmen.“
 „Du siehst gar nicht fertig aus, bist du überhaupt gefahren?“

 
 

Montag, 23. Mai 2016

Schinder(hannes) Marathon, Emmelshausen: Race to remember!


Nach zwei rennfreien und sehr trainingsintensiven Wochenenden war es endlich wieder soweit: Rennwochenende! Diesmal ging die Reise an den Fuß des Hunsrücks. Genauer gesagt in das Städtchen Emmelshausen zum Schinder(hannes) Marathon.
Ich musste diese Stadt zuvor auch erst einmal bei Google Maps eingegeben, um die genaue Lokalisation herauszufinden. Während ich in den Vorjahren hauptsächlich Rennen im und um das weiträumige Sauerland bestritt, weite ich meinen Radius zurzeit auch in Richtung Westen der Republik aus. So war es für mich der erste Start beim Schinder(hannes) Marathon, der mir als super Event empfohlen wurde.
Nachdem wir den Kampf um den letzten freien Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Start-/ Zielbereiches (denn: kein Schritt zu viel) erfolgreich gegen einen Niederländer gewonnen hatten, machten wir uns auf den Weg zur Abholung der Startunterlagen. Dabei waren wir zunächst verwirrt über die lange Menschenschlange, die bis weit aus dem Gebäude der Anmeldung herausreichte. Was haben die vor und auf was warten sie? Okay, sie wollten tatsächlich alle mitfahren. Unglaublich, wie groß das Teilnehmerfeld war. Insgesamt fast 1400 Starter und alle Strecken waren komplett ausgebucht.
 
Ich wagte keinen Blick auf die Teilnehmerliste und die Konkurrentinnen, sondern konzentrierte mich ganz auf mich selbst. Beim Warmfahren erblickte ich dann allerdings eine bekannte Fahrerin, die mich vor drei Wochen in Schotten beim Bergzeitfahren auf den dritten Platz verwiesen hatte. Ein kurzer Blick auf ihre Startnummer verriet: Wir fahren die gleiche Strecke. Leichte Nervosität machte sich breit. Da ich es sonst mit dem Warmfahren nicht immer so genau nehme, hielt ich mich heute tatsächlich mal an das vorgegebene Programm. Dadurch fand ich mich dann allerdings erst 20 Minuten vor dem Start im Startblock ein und stellte verwundert fest: Alle anderen stehen schon dort. Ich reihte mich also ziemlich weit hinten ein und meine Versuche mich noch ein wenig nach vorne zu schieben, wurden mit nicht allzu freundlichen Blicken gestraft.  Somit blieb nur die Taktik: Gleich nach dem Start möglichst viele Plätze gut machen.
 
Der Startschuss ertönte. Ich dachte mir: „Jetzt gilt es, alles oder nichts.“ Im Sprint zog ich nach vorne. Zum Glück führten die ersten Meter über eine breite Teerstraße, so dass das Überholen gut funktionierte. Plötzlich merkte ich, dass ich mich sehr schnell an die Spitze des Frauenfeldes gesetzt hatte und gerade an der Spitze der Männergruppe hing. Ich wunderte mich selbst über meinen aggressiven Start, denn Starts gelingen mir in der Regel nicht so gut. Es wird doch nicht am Warmfahren nach Programm gelegen haben?! Auf jeden Fall war ich mir nicht sicher, wie lange ich dieses Tempo aufrechterhalten kann. Die Einführungsrunde war rund 7 Kilometer lang und führte wieder durch den Start-Ziel-Bereich, wo die Fahrer von vielen Zuschauern angefeuert wurden. Der Sprecher kündigte mich als erste Dame an und das war ein schönes, motivierendes Gefühl. Mir wurde klar, dass ich das Rennen nun in der Hand hatte und ich wollte meine Führung nicht wieder hergeben. Noch nie hatte ich mich direkt nach dem Start so weit nach vorne absetzen können. Scheinbar beflügelte mich dieses Gefühl, denn ich musste das Tempo auch im weiteren Verlauf kaum rausnehmen. Zudem war ich auch völlig fokussiert, was auch leider nicht immer so ist. Jedoch traute ich mich nicht, mich umzudrehen, weil ich das Gefühl hatte, dass die anderen Damen sicher dicht hinter mir waren. Ich vermutete eine Gruppenbildung, die mich sicher bald einholen würde. Jäger oder Gejagte? Die allseits beliebte Frage, was wohl besser ist. Bei Kilometer 12 überholte mich dann auf einem holprigen Wiesenstück eine andere Fahrerin, ich ordnete sie jedoch sofort einer älteren Klasse zu. Ich war über das plötzliche Überholen so erstaunt, dass ich völlig versäumte, mich an sie dran zu hängen. Naja ärgerlich, die Gesamtführung war weg. Aber wenigstens die Damenwertung wollte ich verteidigen. Dies gelang mir dann schließlich auch. Mit 2 Minuten Abstand auf die Seniorenfahrerin überquerte ich die Ziellinie. Das Damenfeld folgte - doch nicht so dicht wie erwartet – erst mit weiteren 11 Minuten Abstand. Somit war ich mehr als zufrieden mit meinem Rennen. Flow und Adrenalin pur! Ein Race to remember. Heute war einfach ein perfekter Tag für mich, bei dem endlich mal alles zusammenpasste.

Die Tatsache, dass jeder Finisher ein Original-Schinderhannes-Buff-Tuch erhielt, freute mich bereits vor dem Start. Denn ich liebe diese praktischen universal einsetzbaren Tücher und trage sie fast ganzjährig. Zu jedem Outfit das passende Tuch. Meine Sammlung konnte somit heute um das ca. 1000. Stück erweitert werden.
Fazit: Der Schinder(hannes) ist ein super organisierter Marathon mit tollen Strecken und einer schönen Atmosphäre. Der Termin für nächstes Jahr ist bereits fest im Rennkalender markiert.
 
 
Der Renntag klang bei einem Kaffee- und Kuchenstop direkt am Rhein aus.
Nächste Woche geht es zum Bike-Festival nach Willingen.
Keep on riding,
Vanessa
 
Zitate des Tages:
„Ich kann nämlich nicht nur Gedanken lesen. Ich kann auch in die Zukunft schauen.“
„Häng´ dich hinten dran….oder warte, ich hänge mich doch lieber an dich.“
„Leben am und über dem Limit.“
„Gib´ mir den Pokal, sonst denken sie Leute noch, du hättest gewonnen.“
 
 
  

Dienstag, 10. Mai 2016

Trainings(lager)urlaub im Dahner Felsenland: Auf ins Abenteuerland!

Das lange Himmelfahrtswochenende bot sich an, mal wieder ein neues Gebiet zu erkunden und somit einen Kurzurlaub mit einem Zwischentrainingslager zu verbinden. Unser Ziel: Das Dahner Felsenland in der Südpfalz. Nach nur rund zwei Stunden Autofahrt wurden wir schließlich im Trailparadies ausgespuckt. Dem „Disneyland für Mountainbiker“ sozusagen.


Weil ich vergangene Woche meine Trainingseinheiten noch bei leichtem Schneefall und Frost absolvieren musste, hatte ich vorsichtshalber Radbekleidung in allen Variationen eingepackt. Da das Wetter mittlerweile aber ohne irgendwelche Übergänge auskommt, war es bereits bei der Ankunft in Dahn nicht warm, sondern gleich heiß. Überrascht vom plötzlichen Hochsommer sozusagen. Von meiner dünnen Windweste und meinem geliebten Tuch (Tücher werden bei mir grundsätzlich erst ab 25 Grad ausgezogen) konnte ich mich allerdings noch nicht so ganz trennen, sodass ich zur ersten Tour etwas wärmer gekleidet aufbrach.

Doch bereits nach wenigen gefahrenen Metern nahmen die Schichten ab und wanderten in den Rucksack. Sogar das Tuch – und das will was heißen. J

Tag 1: Trails, Trails und noch mehr Trails
Raus aus dem Hotel und rein in den Trail – so lautete die Devise der nächsten Tage. Denn es gab so viele Trails, dass man wahrscheinlich 2 Wochen am Stück fahren müsste, um alles kennen zu lernen.  Am ersten Tag erkundeten wir zunächst das Gebiet rund um die Stadt Dahn. Da sich hier mehrere bekannte Wanderwege kreuzen (Felsenweg, Sagenpfad) ist der Wald komplett von kleinen, flowigen Pfädchen durchzogen. Nach einer kurzen Mittagspause zum Auffüllen der Kohlenhydratspeicher – die Hitze war mittlerweile so stark, dass wir uns tatsächlich ein Plätzchen im Schatten suchen mussten – ging es hinauf auf den höchsten Berg. 300 Höhenmeter auf 3 Kilometern und viele (für mich unfahrbare) Spitzkehren später, erreichten wir den Gipfel. Letztes Ziel des Tages war die Burgruine Neu-Dahn, von der wir einen Rundum-Blick genossen.


Tag 2: Zwei-Länder-Tour
Gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück (es gab tatsächlich Chiasamen, frische Erdbeeren und Bircher Müsli – die wissen, was Sportler essen) starteten wir heute Richtung Bundenthal. Dort befindet sich die Teststrecke der Zeitschrift BIKE mit einem 6 Kilometer langen Cross-Country-Rundkurs. Die Sonne strahlte vom Himmel und ich ließ meine Weste (sehr mutig) im Hotel zurück. Bei 26 Grad hielt nun sogar ich ein luftiges Kurz-Kurz-Outfit für angemessen.

Mit der BIKE-Teststrecke war ich fahrtechnisch zunächst etwas überfordert. Manche Passagen wirkten auf mich unfahrbar, näher an der Todeszone als am Fahrspaß gelegen. Trotz der Tatsache, das mir mein Lieblingsmensch eindrucksvoll demonstrierte, dass diese Passagen durchaus zu bewältigen sind, stieg ich erstmal lieber ab und schaute mir die Schlüsselstellen in aller Ruhe an. Die Vorstellung, hier im Wettkampfmodus ein Cross-Country-Rennen zu fahren, erschien mir bereits gedanklich (leicht) gefährlich.

Die zweite Runde verlief dann schon deutlich flüssiger und ich fand langsam Gefallen an dem Kurs. Jedoch merkte ich, dass ich bei schwierigen Passagen immer noch den schweren Sturz von letztem Jahr vor Augen habe und nicht mehr so angstfrei agieren kann wie in meinen „jungen“ Jahren. So ein Sturz bleibt tatsächlich lange im Kopf und blockiert immer noch. Wir verließen Bundenthal und erkämpften uns über einen langen, steilen Trailanstieg die Aussicht der höchsten Burg in Rheinlandpfalz. Oben angekommen sprach uns – aufmerksam geworden durch die großflächige Plakatierung der Trikots mit Sponsoren und Werbung – auf das Radgeschäft unseres Vertrauens Schneider Sports in Herborn an. Er war einmal in Herborn zu Hause und habe seine Räder stets dort gekauft. Also die Trikotwerbung wirkt.


Während der Abfahrt meldete sich plötzlich mein Handy mit der Botschaft: „Willkommen in Frankreich!“ Als wir dann auch noch feststellten, dass sich die Sprache der entgegenkommenden Wanderer änderte, waren wir uns sicher, dass wir unbewusst die Landesgrenze überquert haben mussten.
                                                          


Nach einem kurzen Ausflug in einen französischen Abenteuer-Spielwald mit Einhörnern, Feen, Elfen und lustigen Hängebrücken (es musste alles ausprobiert werden, genau mein Ding), ging es zurück Richtung Dahn.




Der Tag klang dann schließlich bei einem sehr guten Essen im Steakhaus aus, in dem auch nachweislich schon Karl Platt speiste. Da uns aus sicheren internen Quellen bekannt war, dass auch der zweifache Marathon-Weltmeister Alban Lakata vor Rennen gerne eiweißreiche Steaks zu sich nimmt, fühlten wir uns gewappnet für die Tour am morgigen letzten Tag.








Tag 3: Abenteuerland
Der Tag begann mit einer Stunde Techniktraining. Anschließend folgten wir dem Sagenpfad – deutlich gekennzeichnet mit einem Geist auf blauem Untergrund – über flowige Trails. Vorbei an beeindruckenden Felsformationen und Burgruinen mit sagenhaften Ausblicken genossen wir unsere Abschlusstour.




Das tolle an dem Gebiet ist, dass hinter jeder Kurve, zwischen jedem Baum, nach jeder Weggabelung ein neuer Trail wartet. Man kann im Prinzip den ganzen Tag nur Trails fahren und dabei Forstautobahnen und Radwege auslassen. Ein Paradies.

Fazit:
Das Dahner Felsenland ist ein super Revier für Mountainbiker. Alle Wege (auch die Wanderwege) sind für Mountainbiker freigegeben. Die meisten Wanderer begegneten uns sehr freundlich und machten gerne Platz. Hier wird die gegenseitige Toleranz tatsächlich erfahrbar. Die vielen Trails sind eine große Spielwiese, ein Abenteuerland und zaubern ein Lächeln ins Gesicht. Vom Anspruch an die Fahrtechnik ist bei den Trails in allen Schwierigkeitsstufen etwas geboten. Alles in allem: Wir kommen wieder! Denn wir haben lange noch nicht alles erkundet.

Keep on riding,

Vanessa







Zitate:

Genervte Wanderer (es waren die Einzigen, die unfreundlich waren): „Ist das hier ein Radweg?“

           „Ist das hier eine Fußgängerzone?!“

„Pass´ auf, der Wanderer läuft gleich sein nächstes Intervall.“

„Ich kann nicht mehr anfahren, der Boden ist einfach viel zu trocken hier.“

„Gefangen auf dem großen Kettenblatt.“

"Hier musst du hinter Kurven aufpassen, da ist man ganz schnell mal weg.“

„Lass´ für das Foto mal den Baum los.“

    „Dann falle ich aber um.“

 
Er ist die Trail-Passage gerade erfolgreich gefahren – sie: „Das ist UNFAHRBAR!!!!“

"Ich mag Trails, aber welche ohne Todeszone.“

„Du bist wie Pippi Langstrumpf – wirst einfach nie erwachsen.“
 
 
 

 
 

Sonntag, 8. Mai 2016

Zollstockrennen und Maifeiertag - Bergzeitfahren in Kaufungen

Wieder einmal stand der Maifeiertag vor der Tür und ich suchte mal wieder krampfhaft eine Ausrede, mich als Antialkoholikerin aus dem alljährlichen alkohollastigen „Wandern“ raus zu halten. Meine Ausrede erreichte mich in Form einer Wettkampfausschreibung, dem sogenannten Zollstockrennen. Dabei handelt es sich um ein Bergzeitfahrrennen im hessischen Kaufungen. In dieser Disziplin hatte ich bisher noch keine Wettkampferfahrungen gesammelt, was meinen Ehrgeiz natürlich zusätzlich anstachelte.
Also geht es am Sonntag Vormittag, für einen Wettkampftag relativ spät, los in den Kaufunger Wald. Völlig überraschend bin ich mal wieder viel zu früh vor Ort, sodass ich mich beim örtlichen Bäcker zunächst mit Cappucino und Müslibrötchen eindecken kann. Vorbereitung ist schließlich alles. Als ich mich angemeldet und meine Startnummer bekommen habe, wird der kleine Parkplatz nach und nach etwas voller. Aber nicht nur Mountainbikes in jeder Form werden aus den Kombis geladen, auch EBikes, Crosser und Fahrradanhänger werden mit Startnummern versehen. Das familiäre Rennen sieht eine differenzierte Wertung von den verschiedensten Sportgeräten vor, die alle den Berg erklimmen wollen. Der Wettkampfmodus beim Bergzeitfahren ist etwas anders als bei meinen bisherigen Marathonwettkämpfen: jeder Fahrer startet einzeln, der nächste Fahrer eine Minute nach dem vorherigen. Wer am Ende die 6 Kilometer und 300 Höhenmeter am schnellsten bewältigt hat, hat gewonnen.
Die erfahreneren Rennradfahrer, für die Bergzeitfahren eine alltägliche Sachen ist, haben mir geraten, mich ordentlich warm zu fahren, da sich die vermeintlich kurze Distanz sonst ordentlich ziehen kann.

Dank der guten Beschilderung, dem guten Wetter und der guten Motivation stand ich um kurz vor 11 mit 15 Warm-Fahr-Kilometern in den Beinen in der Reihe der wartenden Starter. Ich bin gerade noch rechtzeitig im Startbereiche eingetroffen, um eine dickere Jacke in das Begleitfahrzeug zu werfen und um mit anzusehen, wie ein Kombi-Fahrer einen BMW beim Ausparken am Berg zermatscht.

Leider sind die beiden Fahrer vor mir wohl beim Warmfahren verloren gegangen, sodass sich mein Start um 10 Minuten nach hinten verschiebt. Geduldig warten war noch nie meine Stärke, zudem sinken damit meine Chancen, meinen Vordermann einzuholen und mich ziehen lassen zu können. Dann wird meine Startnummer aufgerufen. Noch 20 Sekunden. Noch 10. Und los!

Auf geht’s. Es ist schon extrem komisch, wenn man allein in ein Rennen startet. Der Forstweg ist erst asphaltiert, dann geschottert und nicht so steil wie erwartet. Ich komme gut voran und dank meiner vorgewärmten Beine ist die Steigung gut zu bewältigen. Als ich das erste Schild entdecke, dass mich darauf hinweist, dass ich bereits 2/3 der Strecke hinter mir habe, bin ich doch etwas überrascht. Aber nach wie vor habe ich keinen Fahrer in Sichtweite vor mir, sodass ich mich immer wieder ermahnen muss, nicht allzu sehr zu bummeln. Aber genau darauf läuft es dann leider doch hinaus, sodass ich mit einem 160 Puls durch den Zielbogen mit Zeitnahme rolle. Mist, da wären wohl ein paar Sekunden weniger drin gewesen.

Danach heißt es warten. Und warten. Ein paar bekannte Fahrer nehmen mich dann mit auf eine kurze Trailrundfahrt, damit wir die 1,5 Stunden bis zur Siegerehrung überbrücken können. Zurück im Zielbereich ist mittlerweile ein bunter Haufen Sportler erfolgreich angekommen. Läufer, Fatbike-Fahrer, Gespann-Fahrer, Cyclocrosser, alle haben es hier hinauf geschafft.

Als dann die Siegerehrung beginnt, bin ich gespannt, wie es für mich letztendlich gelaufen ist. Ich werde schließlich als 2. In der Frauengesamtwertung aufgerufen und bekomme einen silbernen Zollstock überreicht. Leider habe ich den Sieg um nur 20 Sekunden verpasst, was ich wohl meiner Bummelei zu verdanken habe.
Ein Bergzeitfahren war auf jeden Fall einmal eine interessante Erfahrung, auch wenn es vermutlich nicht meine Lieblingsdisziplin wird. Mir fehlt dabei einfach das Wettkampfgefühl, der direkte Vergleich, der sich im Massenstartrennen eben ergibt. Nur wenn ich gejagt werde und die Konkurrenz quasi an meinem Hinterrad klebt, gebe ich wirklich alles. Spaß gemacht hat es auf jeden Fall!

In den nächsten Wochen heißt es für mich: Training, Training, Training, bevor es dann am 28.05. beim Bikefestival in Willingen um die begehrten Plätze in der TopTenWertung geht.

Keep on riding,

Evelyn
















Zitate des Tages:

"Weiß jemand wem der BMW da gehört?"

"Ich habe mich so angestrengt, aber mein Kind ist schon nach 2 Kilometer im Fahrradanhänger eingeschlafen"

Montag, 2. Mai 2016

„Sturm auf den Vulkan“ – Bergzeitfahren in Schotten

Start um 15 Uhr? Das Bergzeitfahren am vergangenen Wochenende in Schotten war das erste Rennen meines Lebens, bei dem der Start nicht in den frühen Morgenstunden lag. Das hieß also: Ausschlafen, in aller Ruhe Sachen packen und das Rad rennfertig machen. Dennoch brachte so ein Start am Nachmittag die gewohnte Rennen-Essen-Vorbereitungsroutine durcheinander und erforderte somit einige Änderungen und Flexibilität im Ablauf.

Am frühen Nachmittag fanden wir uns dann am Ort des Geschehens mitten im Vogelsberg ein. Der Berg, den es heute zu erstürmen galt, war der Hoherodskopf – mir bereits durch diverse Starts beim Vulkan-Marathon bekannt und ein wenig gefürchtet. Denn auch wenn er nur unscheinbar hervorragt, sammelt man beim Aufstieg viele, viele Höhenmeter.
Beim Abholen der Startunterlagen schnappte ich im Vorübergehen einige Male die Worte „Oben liegt noch Schnee!“ auf und machte mir sogleich Gedanken darüber, ob ich mich heute tatsächlich in Kurz-Kurz wagen konnte. Doch eigentlich gab es daran keine Zweifel, denn endlich war mein genehmigtes Rennoutfit komplett und musste nun – egal bei welcher Witterung – getragen werden.
Da Start und Ziel an verschiedenen Orten lagen, entschied ich mich, den angebotenen Gepäcktransfer zu nutzen, um mich dann wenigstens nach der Zieleinfahrt in wärmere Kleidung hüllen zu können.

Da die Disziplin des Bergzeitfahrens für mich ein neues Gebiet war, plante ich mir vorab natürlich eine strukturierte Taktik zum Rennverlauf zurecht. Zunächst etwas gemäßigter starten, denn 13 Kilometer und 500 Höhenmeter können zäh werden, damit zum Schluss noch genügend Energie vorhanden ist. Nach dem Startschuss musste ich diese Taktik allerdings schnell vergessen haben, denn das Feld knallte los und ich zog natürlich mit. Bis Kilometer 7 führte ich das Damenfeld (die Juniorinnen des TGV Schotten ausgenommen, eure Leistung – so stark!! Gut, das ihr eine noch eine andere Altersklasse fahrt.) an. Dann plagten mich plötzlich Schmerzen in der ohnehin schon durch eine Muskelzerrung lädierten Wade. Deswegen konnte ich das Tempo nicht mehr halten. Zwei Damen zogen an mir vorbei. Sie blieben allerdings in Sichtweite, jedoch schaffte ich es nicht mehr bis ganz an sie heranzufahren. Mehr denn je wünschte ich mir einen Windschattenspender herbei.

Rund 2 Kilometer vor dem Ziel begann dann im Wald eine ausgefahrene Trail-Passage mit viel Matsche und nassen Wurzeln. Hier verlor ich etwas Zeit im Kampf gegen den Schlamm. Die letzten paar hundert Meter – der Zielbogen war schon in Sichtweite – versuchte ich die noch eine letzte Attacke zu fahren. Jedoch bot sich die Zielpassage (steil, Wiese, spitze Steine) nicht unbedingt für einen Sprint an. Letztlich fehlten nur 8 Sekunden. Frustriert über den misslungenen Angriff kam ich schließlich als Dritte meiner Altersklasse ins Ziel. Nachdem ich mich dann kurz - aber heftig -  abreagiert habe (sorry nochmal dafür, dass du es ertragen musstest, Lieblingsmensch.;-)), sah die Sportlerwelt schon wieder sonniger aus. Denn was sind schon 8 Sekunden? Schließlich geht es auch nicht nur darum, ganz oben zu stehen, sondern das tun zu dürfen, was man liebt! Im Rückblick bin ich mit der gezeigten Leistung sehr zufrieden.

Den Rückweg zum Parkplatz in Schotten nutzten wir, um noch einige Trails zu rocken. Denn die Gegend um den Hoherodskopf ist ein super Mountainbikerevier.
Eigene Fotos existieren leider nicht, da aus „Ich-muss-Gewicht-sparen“-Gründen auf die Mitnahme des Mobiltelefons in der Trikottasche verzichtet wurde.

Mein nächstes Rennen wird der Schinderhannes-Marathon in Emmelshausen sein. Das Himmelfahrtswochenende wird für ein kurzes Zwischentrainingslager in der Pfalz genutzt.

Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

Sie zu ihm: „Bleib´ einfach so lange in meinem Windschatten, wie du kannst.“ ;-)
„Meinst du, ich kann den Fahrradschlauch gegen was zu essen eintauschen?“

„Bin ich schneller, wenn ich Überschuhe anziehe?“
         „Vielleicht eine halbe Sekunde.“

„Bisschen steiler wäre ja geiler.“