We are specialized!

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Donnerstag, 28. April 2016

Marathon in Bad Harzburg - Zwischen Euphorie und Tränen, Sonne und Schnee

Sonntag Morgen, 05:00 Uhr: Aufstehen, anziehen, MTB ins Auto laden, zurück ins Haus gehen. Sich irritiert noch einmal umsehen: Schnee. Es hat geschneit. Die Autos, die Straßen, die Häuser, alles ist von einer dicken nassen Schicht Schnee bedeckt.  Trotz alledem sitzen wir um 6 Uhr im Auto und erreichen exakt zwei Stunden später den heutigen Rennveranstaltungsort, Bad Harzburg. 1,5 °C und Wind, aber wenigstens liegt hier im Moment noch kein Schnee. Die Sportler, die außer uns schon vor Ort sind, sind dick eingepackt unterwegs zur Nennstelle, frieren sichtlich oder warten im Auto auf besseres Wetter.
Nachdem ich meine Startnummer und mein Starterpaket bekommen habe und wir ganze 10 Minuten dem Wetter ausgesetzt waren, sind wir so durchgefroren, dass wir uns erst einmal zum Aufwärmen wieder ins Auto setzen. Ich trete jedoch kurz darauf mutig den Weg zu den Sanitäranlagen an, wo ich allerdings 20 Minuten in der Schlange anstehe um ins Bad zu gelangen. Aber wenigstens ist es dort angenehm warm, sodass man die Wetterkapriolen draußen kurz vergessen kann.
Als ich wieder am Parkplatz ankomme, kann ich es nicht länger hinauszögern: es ist Zeit, Mütze und Winterjacke gegen das verhältnismäßig dünne Radtrikot zu tauschen.

Wenig später reihe ich mich, eingepackt in drei bis vier Schichten Funktionskleidung, in die Masse der Fahrer ein, die sich gemächlich warm fahren. Bisher hält das Wetter, ab und an kommt sogar die Sonne zum Vorschein.
Im Startblock angekommen frieren wir dann um die Wette. Das sorgfältige Warmfahren hätten wir uns vor dem Auskühlen im Starblock eigentlich sparen können.  Ich verschaffe mir einen groben Überblick über die Konkurrenz: Viele bekannte Gesichter, viele bekannte Namen, ein starkes Starterfeld. Oha.

Dann endlich geht es los. Auf den ersten engen Metern im Start-Ziel Bereich ist wie immer Konzentration gefragt, doch da der Asphaltweg bereits jetzt bergan geht, zieht sich das Feld schnell auseinander. Und pünktlich zum Start der Mittelstrecke fängt es auch wieder an zu schneien.

Nach einem guten Kilometer geht es in den ersten steilen Trail, natürlich berghoch. Hier kommt es auf der ersten Runde tendenziell immer zu Staus, denn wenn nur ein Fahrer die erste Rampe nicht schafft, muss das ganze Feld absteigen und schieben. Die Fahrer vor mir haben es alle zügig geschafft, jetzt liegt es also an mir. Wäre ich mal weiter hinten bei den etwas langsameren Fahrern gestartet. Doch auch ich schaffe die Rampe und kann mich weiter bergan kämpfen. Aus den Augenblicken bemerke ich eine Frau in Blau, die sich hinter mir den Berg hoch quält, doch wir haben Glück. Trotz des konstanten Schneefalls sind die Trails trocken, oder vielleicht gefroren? Fahren lässt es sich auf jeden Fall sehr gut, aber es geht hoch, hoch und weiter hoch.  Auf dem ersten breiteren Forstweg zieht die blaue Fahrerin an mir vorbei und bietet mir an, jetzt erst einmal eine Weile die Führung zu übernehmen.  Die blaue Fahrerin ist am Berg sehr stark und gemeinsam schaffen wir die zahlreichen Höhenmeter der ersten Runde souverän. Und wieder einmal macht es Spaß, sich parallel mit jemandem über die Quälerei unterhalten zu können. Wir erreichen die Trailpassage, die zur Abwechslung mal bergab führt und genießen die flowigen, trockenen Trails, durchqueren den Bach und erreichen die letzte Wiesenabfahrt, von wo aus man die Musik im Start-Ziel Bereich bereits hören kann. 
Und schon ist die erste Runde vorbei, die ich als Gesamt Zweite souverän beende. Wahnsinn wenn ich bedenke, wie ich im letzten Jahr auf dieser höhenmeterlastigen Strecke gelitten habe! Die blaue Fahrerin verabschiedet sich dann leider am Ende der ersten Runde und ich muss alleine in die zweite Runde starten. Also Rampe, Trail, Berg hoch, höher, noch höher. Ich habe eine Gruppe von Fahrern gefunden, die meinem Tempo entspricht und komme weiter gut vorwärts. Und schon geht es wieder trailwärts bergab und die Bachpassage liegt vor mir. Auf dem folgenden, von Löchern übersäten Waldweg gebe ich noch einmal Gas, denn weit ist es nicht mehr bis ins Ziel. Und es läuft so gut. Erst in der nächsten Kurve bemerke ich das Zittern. Mein Hinterrad läuft nicht mehr rund, irgendetwas stimmt nicht. Ich steige ab und ein Blick auf meinen Reifen genügt, um mich in Panik zu versetzten. Mein Hinterrad verliert deutlich Luft. Okay ganz ruhig, vielleicht nur ein kleines Loch. Schließlich sind es nur noch 2 Kilometer bis ins Ziel. Ich pumpe etwas Luft nach und steige wieder auf. In der Zeit, die ich für die obligatorische Reparatur gebraucht habe, hat mich eine meiner Konkurrentinnen überholt, sodass ich aktuell noch auf Platz 3 liege. Also los. Aber bereits die Wiesenabfahrt lege ich auf der Felge zurück, die Luft ist im wahrsten Sinne des Wortes raus. Ich sehe ein, dass ich meinem Rad nichts Gutes damit tue, wenn ich so weiter fahre und beginne zu joggen, was mit steifen Radschuhen mit Carbon-Sohle auch nicht unbedingt Spaß macht. Aber nur noch 500 Meter. Durchhalten. Noch 150 Meter. Als mich dann meine ehemalige Eulenkollegin so knapp vor dem Ziel noch überholt und mich die mitleidigen Blicke der Zuschauer treffen, kann ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Ich rolle durchs Ziel und bin einfach nur maßlos enttäuscht.
Das ändert in diesem Moment weder die Umarmungen meines Lieblingsmenschen, noch die Anekdoten meiner Teamkollegen zu diversen technischen Defekten, noch die aufmunterten Worte des Moderators.

Mit etwas Abstand bin ich zwar immer noch enttäuscht, aber auch sehr zufrieden mit meiner Leistung. Es hat viel Spaß gemacht, was auf dieser höhenmeterlastigen Strecke vielleicht auch nicht unbedingt die Regel ist. Am Berg läuft es für den frühen Zeitpunkt der Saison schon sehr gut und auch die Rennhärte kommt langsam zurück. All das stimmt mich zuversichtlich im Hinblick auf die kommenden Rennen, wo ich hoffentlich mit mehr Luft in den Reifen ins Ziel komme. Und es gibt schließlich immer noch ein nächstes Mal.

Evelyn 


Zitate des Tages:


„Hallo, bist du der Yeti?“

„Ist der Bach wohl zugefroren?“

„Wer seit ihr denn und wieso könnt ihr überhaupt noch gleichmäßig atmen?“






Montag, 18. April 2016

SKS-Kellerwald-Marathon Gilserberg: Traditionelles Saison-Opening

Dass das erste Rennen der Saison wie der erste Schultag nach den Ferien ist, hat Evelyn in ihrem letzten Beitrag sehr passend beschrieben. Genauso fühlte es sich auch bei mir an. Die Rennvorbereitung am Vortag verlief etwas hektisch: Denn fast traditionell taucht bei mir an diesem Tag noch ein „Renn-Vortag-Materialproblem“ auf. Diesmal rief ich es allerdings selber hervor, da ich aus Versehen (das lag aber eigentlich nur an der Hightech-Luftpumpe :D) beim Prüfen des Luftdrucks, die komplette Luft abließ. Bei Tubeless-Reifen mit Dichtmilch keine so tolle Sache. Nach einer kurze Panikattacke, Verzweiflung und dem Beobachten der immer weiter auslaufenden Dichtmilch, konnte das kleine Materialproblem aber zum Glück schnell behoben werden (DANKE Lieblingsmensch!). Mein Rad war also technisch einwandfrei und bereit für die Saisoneröffnung beim SKS-Marathon in Gilserberg.

Da sich die diversen Wetter-Apps für die Wetteraussichten am Renntag nicht einig waren, packte ich vorsichtshalber sämtliche Kleidung ein, die Temperaturschwankungen von -20 bis +20 Grad Celsius locker abdeckte. Wind, Regen, Schnee, Eis, Sonne – egal, ich war vorbereitet. Da sich der BDR manchmal lustige Sachen ausdenkt, war die Wahl der Rennkleidung allerdings leicht eingeschränkt. Mein genehmigtes Trikot befindet sich noch auf dem Postweg irgendwo im nirgendwo, weshalb ich schon tiefer im Schrank kramen musste, um ein Trikot mit ohne aufgedruckter Werbung zu finden. Das vorgeschlagene Abkleben der Sponsoren lehnte ich aufgrund eventuell auftretender aerodynamischer Nachteile ab. Jedoch hätte ich mir darum gar keine Sorgen machen müssen, denn bereits nach 2 Kilometern Fahrt auf der Strecke waren die Trikots ohnehin komplett mit Matsch bedeckt und keinerlei Stoff/Werbung/Sponsoren und ähnliche Störfaktoren sichtbar.

Matsch ist ein gutes Stichwort. Ein prägender Rennfaktor. Die Strecke war durch sinnflutartige Regenfälle der Vortage gezeichnet. Tiefe Matschrinnen durchzogen die Trails und forderten die Fahrtechnik ordentlich heraus. In den schlammigen Abfahrten merkte ich, dass ich über den Winter zu viel Zeit auf dem Rennrad verbracht und zu wenig Zeit in die Aufrechterhaltung der Fahrtechnik investiert hatte. So musste ich viel Tempo rausnehmen und hatte einige Probleme die Passagen flüssig zu durchfahren. Die verlorene Zeit konnte ich dann jedoch bergauf wieder ganz gut aufholen. Da der Schlamm die Sicht leicht behinderte, übersah ich leider zweimal die Wegmarkierung und musste umkehren. Trotz viel Schlamm und leichten Orientierungsproblemen erreichte ich das Ziel am Ende ohne Stürze oder Defekte als Zweite meiner Altersklasse und Zweite der Damen Gesamt.

 

 
 

Alles in allem war es ein super Gefühl endlich wieder Rennwochenende! Rennen fahren ist wie Urlaub für den Kopf. Denn man denkt zwischen Start und Ziel nur an eins: Fahren, Fahren, Fahren. Dazu dann Wald, Natur und das geliebte Rad. Für dieses Erlebnis nimmt man dann auch gerne mal etwas Schlamm und Matsch in Kauf.

Der Kellerwald-Marathon bietet eine super Atmosphäre für den Saisonauftakt. Tolle Organisation, schöne Strecken und vor allem eine gute Stimmung.

Nächstes Wochenende reise ich zum SKS-Marathon nach Sundern, wo ich glücklicherweise einen der heiß begehrten 1600 Startplätze ergattern konnte. Ich freue mich darauf.

In diesem Sinne:

Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:

„Das Rad wirst du nie mehr sauber kriegen. Denke, du kaufst dir am besten gleich ein Neues.“
"Hoffentlich gewinne ich so ein Brot, das sichert uns doch dann wieder eine Woche das Essen.“
„Wo geht es lang? Links, rechts, gerade aus?!“

   „Nee, zurück!“

Freitag, 15. April 2016

Saisonstart 2016: Der Warm-Up Marathon in Hellental



Der erste Renntag in einer neuen Saison ist ein bisschen wie der erste Schultag nach den Ferien. Theoretisch weiß man ziemlich genau was auf einen wartet. Und auf der anderen Seite hat man keine Ahnung. Nach fast 200 Tagen ohne Rennen stand für mich am Sonntag der „Warm-Up“ Marathon in Hellental an, wo ich nun schon zum dritten Mal in Folge meine Rennsaison startete.
Am Vorabend hieß es also wieder: Taschen packen, Nudeln essen, Bike vorbereiten. Morgens früh aufstehen, frühstücken und ab ins Auto. Eigentlich alles Routine, aber trotzdem jedes Mal sehr aufregend, besonders an diesem kühlen Aprilmorgen.
Dank meiner minutiösen Tagesplanung sind wir exakt zwei Stunden vor dem Startschuss vor Ort und keine Viertelstunde später halte ich meine erste Startnummer als Lizenzfahrerin in den Händen.  
Okay, wir sind schon etwas früh dran. So habe ich aber wenigstens noch genug Zeit, mich ausgiebig verrückt zu machen. Mein Lieblingsmensch tut allerdings sein Bestes, um mich ausgiebig zu beruhigen und zu motivieren. Nach und nach trifft auch der Rest meines neuen Teams ein, die ich zum Großteil leider noch nicht kenne. Aber das wird sich im Laufe der Saison hoffentlich schnell ändern. Immer mehr bekannte Gesichter tauchen auf, Umarmungen werden ausgetauscht, neue Bikes besichtigt und Teamtrikots begutachtet. Dank meines Teamkollegen halte auch ich kurz darauf mein neues Teamtrikot in den Händen und kann eine Stunde vor Start mit dem Aufwärmen loslegen.
Um kurz vor 10 finde ich mich schließlich im vorderen Teil des Startblocks wieder und als der Startschuss fällt komme ich erstaunlich gut weg. Die nun folgenden Kilometer sind allerdings der Horror. Ich lasse mich von den schnelleren Fahrern dazu verleiten, die steile Straße bergauf viel zu schnell anzugehen. Als ich den ersten Berg hinter mir habe, bin ich völlig am Ende. Mein Puls ist viel zu hoch, meine Beine brennen und es geht nichts mehr. Auf den nun folgenden flachen, schnelleren Kilometer auf den breiten Forstwegen des Sollings komme ich etwas zur Ruhe, doch ich bin nach wie vor völlig aus dem Rhythmus und werde weiter im Startfeld nach hinten durchgereicht. Mit jedem Fahrer der mich überholt wachsen meine Zweifel an meiner Form. Vielleicht bin ich ja einfach noch nicht wieder so weit. Vielleicht habe ich im Winter doch nicht so effektiv trainiert. Vielleicht sollte ich lieber aufhören.
 











 Eine längere, flowige Trailpassage bringt mich wieder auf Kurs. Trotz der vielen Grundlagenkilometer fühle ich mich völlig sicher auf den technischen Passagen und mittlerweile deutlich besser. Trotzdem werde ich von einer Gruppe eingeholt, die von zwei Fahrerinnen und einem Fahrer gebildet wird. Ich werde freundlich eingeladen, mich der Gruppe anzuschließen und auf der nun folgenden langen Gerade den Windschatten und das Tempo mitzunehmen, wozu ich mich auch ohne weitere Überlegungen entschließe. Gemeinsam passieren wir zum ersten Mal den Zielbereich, dann die (trockene) Bachpassage und kämpfen uns nun den zweiten berüchtigten Berg im Hellentaler Marathon hoch. Dabei wird unsere, bis dahin sehr harmonische Gruppe dann doch auseinander gerissen, sodass ich und Dani vorerst allein die letzten flowigen Kilometer unter die Stollen nehmen. Die erste Runde ist geschafft und wir passieren das erste Mal den Start-Ziel-Bereich. Als wir uns gerade zum zweiten Mal den Berg hinauf kämpfen, fällt uns einer meiner Teamkollegen ins Auge, der sein Rennen eigentlich schon beendet hat. Wir laden ihn allerdings ein, doch noch eine Runde mit uns zu absolvieren, was er, ohne große Einwände, dann auch wirklich tut. Tobi motiviert uns am Berg, scheucht uns vorwärts, schreit uns quasi dem Ziel entgegen, während wir Trainingslagererfahrungen austauschen, über Urlaubsziele und weitere wichtige Themen reden. So mancher Fahrer, der uns zuhört, wirkt leicht verwirrt im Hinblick auf unseren Smalltalk. 
 













 Aber wir sind schnell. Sehr schnell. Gemeinsam ziehen wir das Rennen bis zum Ende durch, kämpfen uns die Berge hoch, geben auf den flachen Passagen Gas und genießen die Abfahrten. Und als wir schließlich ins Ziel kommen, fallen wir uns einfach lachend in die Arme. Was für ein Rennen!

 Wo ich allerdings im Gesamtfeld platziert bin, geschweige denn in meiner Leistungsklasse, kann ich überhaupt nicht einschätzen. Als die Ergebnisliste allerdings ausgehängt wird, bin ich noch aufgeregter als am Start. Ich habe gewonnen! Das erste Rennen als Lizenzfahrerin für mein neues Team! Ich freue mich riesig und kann es auch eine Woche danach kaum fassen. Dieses super Ergebnisse habe ich neben meinem Lieblingsmenschen, der mich immer motivieren kann, vor allem Dani und Tobi zu verdanken, ohne die es auch nur halb so viel Spaß gemacht hätte.
Trotzdem habe ich noch einen weiten Weg vor mir, bis die Routine dann doch wieder zur Routine wird. Aber die Saison geht schließlich gerade erst los und ich freue mich auf viele unvergessliche Rennmomente mit meinem Team, meinen Lieblingsmenschen und meinen Mitfahrern und Mitfahrerinnen. 
Saison 2016: Es kann los gehen, ich bin bereit!