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Freitag, 13. November 2015

10 Dinge, die ich in der letzten Saison gelernt habe...

      1.  Rennvorbereitung: Vorbelastung

Der Sinn einer Vorbelastung erschließt sich vielleicht nicht jedem direkt auf den ersten Blick. Wieso sollte man auch am Tag vor dem wichtigen Wettkampf seine Energie in eine Trainingseinheit stecken? Würde man nicht genau diese gesparte Energie aus dem Vortag im Wettkampf brauchen? Ich vertraute also darauf, dass die Pause am Vortag mich mit guten Beinen ins Rennen schicken würde und beschränkte meine sportliche Aktivität auf das Packen für den Renntag.
Da mein Trainingsplan leider sehr eng mit meinen Verpflichtungen in der Uni zusammenhängt, ist es häufiger vorgekommen, dass schon am nächsten Tag eine weitere Radeinheit angesetzt war. Aber statt mich mit schweren Beinen zu quälen, stellte ich fest: Meine Beine waren deutlich besser als am vorrangegangenen Wettkampftag. Wie konnte das sein? Ich hatte doch alles gegeben!
Dies veranlasste mich dann doch dazu, es doch einmal mit einer leichten Vorbelastung im Bereich der Grundlagenausdauer zu versuchen und Tatsache – mein Körper ist optimal auf den Wettkampf vorbereitet.

2.  Rennvorbereitung: Warmfahren

Auch das Warmfahren blieb vor meinen Vorurteilen nicht verschont und zwar aus dem selben oberflächlichen Grund wie die Vorbelastung: es wird keine Energie vor dem Wettkampf verschenkt!
Da es dazu, ebenso wie zur Vorbelastung, viele sehr unterschiedliche persönliche Meinungen und Ansätze gibt, musste ich mich also selber mit diesem Thema befassen. Da ich grundsätzlich (nur so vorsichtshalber, falls ich im Stau stehe, etwas vergesse, keinen Parkplatz finde... ) immer zwei Stunde vor Rennstart am Wettkampfort bin, hätte ich eigentlich massenhaft Zeit ein paar Runden zu drehen. Bisher habe ich mich hier und da von Freunden oder Teamkollegen angeschlossen, wenn es zum gemeinsamen Einrollen ging, aber über den letztendlichen Effekt im Renngeschehen bin ich mir immer noch nicht ganz schlüssig. Trotzdem verbringe ich vor der Startaufstellung immer etwas Zeit auf dem Bike, teste noch einmal alle wichtigen Funktionen und schalte mich einmal durch alle Gänge. Schließlich kann man sich ja auch warm quatschen, richtig Vanessa ;)?

      3. Rennvorbereitung: Startaufstellung

Dann geht es auch schon in die Startaufstellung. In meiner ersten Saison habe ich mich grundsätzlich freiwillig in den hinteren Bereich des Startblocks eingeordnet, denn das Gedränge im vorderen Bereich, die Anwesenheit der (größtenteils männlichen) „Profis“ und die vermeintlich abschätzigen Blicke der Konkurrenz haben mich einfach eingeschüchtert. Außerdem kann man das Feld ja auch von hinten aufräumen. Zumindest theoretisch.
Aber an desto mehr Rennen ich teilnahm und desto größer das Starterfeld wurde, desto mehr stellte ich fest: Du musst genau diese Meter erst einmal wieder aufholen, um Plätze nach vorne gut zu machen. Also auf geht’s in den vorderen Startbereich! Und überraschenderweise wurde ich weder umgefahren, noch angepöbelt, noch schief angeschaut. Und obwohl dass das Gedränge im vorderen Startblock meist größer ist, der Start verläuft meist schneller und flüssiger als in hinteren Bereichen. Und ein guter Start ist die halbe Miete!

4. Rennvorbereitung: Konkurrenz

Besonders im Startblock hat man noch einmal genug Zeit, sich seine Konkurrenz anzuschauen und einzuschätzen. Ich neige tendenziell dazu, meine Gegner zu „dämonisieren“, wie mir kürzlich mitgeteilt wurde. Schließlich hatten die „diese oder jene Rennen gewonnen“, ein besonders bekanntes Team oder einfach eine Profiausrüstung. Ich gebe zu, mein Augenmerk liegt immer besonders auf der Ausrüstung. Der unschlagbare Vorteil in meiner ersten Saison: auf einem Alu-MTB ohne Teamtrikot wirst du nicht ernst genommen. Und genau dieser Underdog-Status gefällt mir. Leider wurde das in der vergangenen Saison spätestens nach den ersten Rennen und mit jeder guten Platzierung schwieriger, denn im Wesentlichen trifft man meistens auf die gleichen Konkurrentinnen. Dazu das neue Bike und das Teamtrikot, und mein Underdog-Status war dahin. Was mich natürlich nicht davon abhielt, riesigen Respekt vor der Konkurrenz zu haben.
Aber letztendlich ist es doch so: Man muss erst einmal sein eigenes Rennen zu Ende fahren, bevor man sich über die Konkurrenz Sorgen machen sollte. Außerdem ist eine Ausrüstung im höheren vierstelligen Bereich keine Garantie für einen guten Rennfahrer.

5. Rennausrüstung: Die Trinkflasche

Natürlich habe ich bei einem Wettkampf, egal über welche Distanz, eine Trinkflasche dabei. Am Start zumindest. Denn erst im Laufe der Saison ist mir bewusst geworden, dass nicht jede Trinkflasche in jeden Flaschenhalter am Rad passt und dass das möglicherweise der Grund sein könnte, wieso ich ständig ohne meine Trinkflasche ins Ziel gekommen bin. Wieso ich sie allerdings auch noch auf den ersten Kilometern verlieren muss, optimalerweise am Punkt der größtmöglichen Distanz zur nächsten Verpflegungsstation und bei Temperaturen jenseits der 25 Grad, bleibt wohl ein Rätsel.
Außerdem kann es durchaus hilfreich sein, bei Menschen, die wie ich an chronischem Trinkflaschenverlust leiden, eine weitere Flasche dabei zu haben. Besonders bei Rennveranstaltungen, bei der die lokalen Radiosender bei 38 Grad Außentemperatur von sportlicher Betätigung jeglicher Art abraten.

An dieser Stelle noch einmal Danke an alle Rennfahrer, die mir in der vergangenen Saison ihre Trinkflaschen geliehen oder geschenkt haben!

6. Rennausrüstung: Flickzeug

Im Gegensatz zur Trinkflasche gehörte Flickzeug in der ersten Saisonhälfte nicht zu meiner Rennausrüstung. Wieso auch? Wozu sollte ich einen Ersatzschlauch, Flickzeug, eine Luftpumpe und weiteres Werkzeug auch mit mir rumschleppen? Schließlich war ich kaum und schon einmal gar nicht im hektischen Renngeschehen in der Lage meinen Fahrradschlauch selbstständig zu wechseln, von schwerwiegenden Reparaturen anderer Art mal völlig abgesehen. Aber je öfter ich im Renngeschehen Zeuge von Defekten oder sogar Seriendefekten verschiedenster Art wurde und selbst pannenfrei ins Ziel rollte, desto mehre machte ich mir doch ernsthaft Gedanken. Selbstverständlich ohne etwas Aktiv dagegen zu tun.
Bis mich das geballte Pannenpech von 1,5 unbeschadeten Saisons beim Rennen in Rinteln traf. Das Resultat: Drei Hinterradplatten in einem Rennen. Dass ich überhaupt nach meinem ersten Defekt wieder ins Rennen gehen konnte, verdanke ich einzig und allein meinen fantastischen Teamkollegen, die mir mit Schlauch, Pumpe und vor allem Mechanikservice ausgeholfen haben. Tausend Dank dafür!
Nach einer Krisenbesprechung mit meinem eigenen Mechaniker und einigen langen Abenden in der Fahrradwerkstatt war ich bereits ein Wochenende später in der Lage, zumindest einen Schlauchwechsel durchführen zu können. Außerdem fanden Schlauch, Pumpe und Flickzeug den Weg in meine Rennausrüstung, für alle Fälle. Trotzdem bin ich froh, dass es bei diesem einen defektgeplagtem Rennen geblieben ist.

     7. Rennverlauf: Defekte

Siehe Punkt 6. Aber falls man dann doch nicht mehr in der Lage sein sollte, sich selbst zu helfen: Die anderen Rennteilnehmer und auch die Streckenposten sind in der Regel sehr hilfsbereit. Also einfach nett winken, nett fragen und dabei verloren aussehen.


















8. Rennverlauf: Jäger und Gejagte 

Beim Kampf um die Platzierungen gibt es eigentlich hauptsächlich zwei Positionen: Jäger und Gejagte. Besonders bei kleineren Rennveranstaltungen mit überschaubarem Teilnehmerfeld kann man meist gut abschätzen, in welcher Position man sich gerade befindet. Welche Position nun taktisch die bessere ist, darüber kann man vermutlich ebenso streiten wie über die Thematiken Vorbelastung und Warmfahren. Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass ich lieber die Gejagte bin. Ich lasse mich lieber von der Konkurrenz im Nacken antreiben, denn das lässt mich zu Höchstform auflaufen. Man spekuliert über die Abstände zur Konkurrenz, legt noch einmal Tempo zu, fragt sich, ob sie vielleicht schon in Sichtweite sind oder vielleicht sogar an deinem Hinterrad hängen. Aber dazu gilt Regel Nummer 1: Niemals umdrehen!

Als Jäger verliere ich schnell die nötige Motivation, besonders wenn sich die Konkurrenz außer Sichtweite befindet. Je mehr Kilometer vergehen, ohne dass ich das Gefühl bekomme, eine Chance zu haben, desto mehr lässt mein Antrieb nach. Sobald die Konkurrenz aber wieder in Sichtweite ist, egal ob vor mir oder hinter mir, erwacht mein Kampfgeist wieder.

Trotzdem: Ich bin definitiv lieber die Gejagte.

       9.  Rennverlauf: Die Stimmung

Ich habe schon öfter von anderen Fahrern gehört, dass sie selbst kaum etwas mitkriegen von der Atmosphäre und Stimmung, die um sie herum herrscht, weil die Konzentration keinen anderen Gedanken zulässt. Für mich gilt das allerdings nicht. Für mich macht es einen Riesenunterschied, ob ich durch eine menschenleere Verpflegungsstation rolle oder ob ich angefeuert und lauthals motiviert wäre. Darin sehe ich einen weiteren Vorteil für größere Veranstaltungen wie das BikeFestival in Willingen: Die Stimmung ist einfach der Wahnsinn und für mich nochmal ein besonderer Antrieb.


      10. Das Ergebnis

Man könnte meinen, ein Sieg spricht für sich. Man war die Beste, die Schnellste und heute unschlagbar. Trotzdem freut man sich über einige mehr, über andere weniger. Dabei spielt die Konkurrenz sicher eine große Rolle. Bei einigen Rennveranstaltungen kommt es vor, dass man nur wenige Konkurrentinnen hat. So ein Sieg hat sicher einen anderen Stellenwert als ein Sieg, bei dem du dich gegen viele starke Konkurrentinnen behaupten konntest. Die schönsten Siege sind für mich die Unerwarteten, die hart Erkämpften und die Verdienten.
Trotzdem ist jeder Sieg nur so schön wie die Menschen, die ihn mit dir feiern und sich mit dir freuen. Danke an meine Teamkollegen, meine Freunde und meine Familie für die vielen schönen Male, als ich unter eurem Jubel das Siegerpodest erklommen habe – ohne euch hätte ich es nie geschafft!