We are specialized!

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Donnerstag, 29. Oktober 2015

Saisonrückblick von Vanessa: Das war 2015!

 
"Es ist unbedeutend, wie weit du es letztlich nach oben geschafft hast! Alles was zählt, ist wie viel Leidenschaft du hineingesteckt hast. Und die Selbstverständlichkeit kompromisslos dafür zu leben, was du liebst."
 
 

Die Saison 2015 ist nun schon seit einigen Wochen Geschichte, die letzten Wettkämpfe sind bestritten - Zeit zurückzublicken. Um es kurz und knapp auf den Punkt zu bringen, hatte meine Saison wenige Höhen, sondern war leider durch einen extremen Tiefschlag bestimmt. Ich musste schmerzlich erfahren, dass das Leben leider nicht immer „Freund ist“ und der Mountainbikesport ein hohes Verletzungsrisiko birgt. Bin ich in der Vergangenheit von Verletzungen verschont geblieben, traf es mich bei meinem ersten richtig schweren Sturz gleich extrem heftig. Nach einer sehr guten Vorbereitung und einem gelungenen Auftakt war für mich Anfang Mai erst einmal Schluss. Mit zwei gebrochenen Handgelenken und der Prognose des Arztes „Sie werden in diesem Jahr definitiv nicht mehr auf dem Rad sitzen können“ brach meine Radsportlerwelt kurz zusammen. Doch im wahrsten Sinne des Wortes nur kurz, denn ich wollte der Prognose des Arztes nicht wirklich Glauben schenken. So entschied ich mich für eine Operation und gegen eine konventionelle Behandlung, um den Heilungsverlauf zu beschleunigen. Zwei Tage nach der Operation stieg ich mit einem Rehabilitation-Trainingsplan schon wieder mit Lauftraining ein. Was dann folgte waren unzählige Stunden Rollentraining. Die Frage „Warum mache ich das überhaupt?“ schwirrte dabei häufig im Kopf herum. War doch zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, ob ich überhaupt jemals wieder Radfahren könnte. Und es ist schwierig sich zu motivieren, wenn man sich in dieser Ungewissheit befindet. Doch nach kurzen Zweiflern und Motivationsproblemen kam dann doch immer wieder der alte Kämpferwille des Sportlers durch.
Ich merkte in dieser Zeit, wie wichtig mir der Sport ist und welchen Stellenwert er in meinem Leben einnimmt. Und das es sich deswegen lohnt, dafür zu kämpfen! Die Heilung verlief dann entgegen der Prognosen gut, sodass ich recht zeitnah mit langsamer Belastung der Handgelenke beginnen konnte oder besser einfach begann. Jedoch hatte ich lange die Befürchtung, dass meine Handgelenke niemals wieder die Belastungen des Mountainbikens aushalten werden.

Am 18. Juli war dann schließlich der „Tag der Rückkehr“ - eigentlich noch zu früh und auch mit Schmerzen - aber so ein kurzes Zeitfahren war schon wieder machbar. Darauf folgte ein Trainingslager zur weiteren Formoptimierung, bevor ich dann am 8. August den ersten Marathon bestritt. Hier merkte ich dann aber sehr deutlich, dass mir die Berge noch sehr große Probleme bereiteten, weil mir das Bergtraining und die Höhenmeter in den Beinen fehlten. So war der erste Marathon eine große Qual. Der Spaß, die Freude und Leichtigkeit am Fahren blieben im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Dies hielt mich - zwar nach kurzen Zweiflern und Überlegungen es für diese Saison einfach aufzugeben - nicht davon ab, eine Woche später in Zierenberg zu starten. Und im Nachhinein kann ich nur sagen „gut, dass ich gestartet bin“, denn dies war für mich definitiv ein Race to remember mit einer guten Zeit und einem Podestplatz. Ich hatte das Gefühl, zu mir selbst und meiner alten Fahrfreude zurückgefunden zu haben.

Es folgten daraufhin noch weitere Rennen, insgesamt fehlte mir aber die Konstanz, die Leistungen schwankten von Woche zu Woche und so richtig gut lief es dann nur noch einmal bei der Spessart-Challenge in Bad Orb, wo ich den ersten und einzigen Sieg der Saison einfuhr.

Letztlich hat mich diese Saison viel Kraft gekostet und mich einige Mal zur Überlegung gedrängt, ob es Sinn macht den Leistungssport in dieser Form weiterzubetreiben. Doch heute weiß ich: Es geht weiter und ich habe wieder zur Freude und zum Spaß am Fahren und Trainieren zurückgefunden. Gefühlt hat mich dieser Tiefschlag eher stärker gemacht. Und ich freue mich schon auf die neue Saison.

Nun geht es in die Wintervorbereitung, in der ich mich neben dem Training auch stärker meinem Studium widmen werde. Und 2016 werden dann die verpassten Ziele und Träume von dieser Saison nachgeholt. :)

Hier noch ein kurzer Überblick der Wettkämpfe:



Was?

Wann?

Platzierung

Großer Straßenpreis der RSG Buchenau

12. April 2015
 
 
 

2. Platz AK

2. Platz Gesamt

SKS Kellerwald-Marathon, Gilserberg

19. April 2015

9. Platz (AK)

19. Platz Gesamt

SKS Marathon, Sundern

25. April 2015

2. Platz (AK)

11. Platz Gesamt

verletzungsbedingte Pause

 

 

Hessische Meisterschaften Einzelzeitfahren, Stadtallendorf

18. Juli 2015

1. Platz (AK)

1. Platz Gesamt

Marathon Nordenau (Nutrixxion Trophy)

8. August 2015

5. Platz (AK)

14. Platz Gesamt

SKS Sauerland Marathon, Schmallenberg-Grafschaft

15. August 2015

2. Platz (AK)

5. Platz Gesamt

SKS Marathon „Rund um den Zierenberg“

22. August 2015

3. Platz (AK)

3. Platz Gesamt

Spessart-Challenge,

Bad Orb

6. September 2015

1. Platz (AK)

2. Platz Gesamt

Drei-Täler-Marathon, Titmaringhausen (Nutrixxion Trophy)

12. September 2015

6. Platz (AK)

9. Platz Gesamt

Dünsberg-Marathon, Biebertal

(Rosbacher Bike Challenge)

27. September 2015

2. Platz (AK)

9. Platz Gesamt

In diesem Sinne:
Keep on riding,

Vanessa

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Die "Fischteichhölle" beim MTB-Eulenexpress in Peine - Fiiinnnaaallllleee

Das letzte Rennwochenende der Saison 2015 steht an. Die ganze Woche über bin ich aufgeregt, was vermutlich weniger an dem Wettkampfgeschehen liegt,  als an der Tatsache, dass wir, der MTB-Eulenexpress, die Gastgeber sind. Aufgrund meiner geografischen Entfernung zum Veranstaltungsort Peine habe ich mich hauptsächlich beim Anwerben von Fahrern nützlich gemacht, die ich bei jedem Rennen in diesem Jahr mit den Daten und Fakten unseres Vorhabens konfrontiert und die von meiner Schwester mit Flyern bombardiert wurden.
Da für mich auch die Teilnahme am kollektiven Streckeabstecken und Schildermontieren schwierig gewesen wäre, verbringe ich den Vortag mit dem Backen von drei bis vier Kuchen. Kuchen war schließlich immer eines meiner Hauptargumente gewesen.

In der Nacht zum Sonntag ist es dann schließlich soweit und meine Schwester und ich machen uns auf den Weg nach Peine. Wenn der Wecker um 04:10  Uhr klingelt kann man denke ich getrost noch von „Nacht“ sprechen.  Nach über zwei Stunden Fahrt erreichen wir schließlich um halb acht den ausgewiesenen Parkplatz in der Ortschaft Groß-Bülten, einem kleinen Ort in der unmittelbaren Nachbarschaft von Peine, wo bereits die ersten Sportler ankommen. Ich lasse mein Bike und meine komplette Ausrüstung im Auto und bewaffne mich stattdessen mit all meinen Backwaren. Während eines kurzem zweistündigen Fußmarsch (okay, 700 Meter, aber die ziehen sich!) haben wir die Gelegenheit, den kühlen Morgen noch in aller Ruhe zu genießen. Der Weg ist von zwei kleineren Seen gesäumt, der Nebel hebt sich über dem Wasser und die ersten Wasservögel heben ab. Was für eine Kulisse. 
Als wir dann aber das Veranstaltungsgelände erreichen, ist es vorbei mit der Ruhe. Nachdem wir alle Freunde und Bekannte einmal umarmt haben, lassen wir unsere Kuchen in einer größeren Scheune, wo Pokalen, Bikes, Kuchen und weiteres gelagert wird. Mein Blick fällt auf die handgemachten Eulentrophäen, die die heuigen Sieger mit nach Hause nehmen dürfen. Ich will unbedingt so eine Eule. Vor der Scheune ist bereits das riesige Kuchenbuffett und die Tombola aufgebaut, alle sind aufgekratzt und können es kaum erwarten, bis es los geht.
Direkt nebenan gibt es noch ein kleineres Gebäude, wo heute die Organisation der Zeitnahme und der Nennungen erfolgt. Wir schauen dort kurz vorbei und ich melde mich für das Kurzstreckenrennen am Nachmittag an, damit ich beim Rennen der Lang- und Mittelstrecke helfen kann. Nach kurzer Absprache mit Frank wird uns die Verpflegungsstation, die unterhalb des Start- und Zielbereiches direkt am Ufer des Sees liegt, übergeben. Wir machen uns mit unserem Arbeitsmaterial, was aus Bananen, Äpfeln, Gels, Iso, Wasser und sogar Kuchen besteht vertraut und sehen den ersten Fahrern beim Warmfahren zu.

Um kurz vor 9 stehen alle Fahrer im Startblock bereit und die Anspannung ist mit Händen greifbar. Und 5, 4, 3, 2, 1... Das Rennen ist gestartet. Nun heißt es für uns erst einmal warten. Die Wettkampfrunde ist insgesamt 10 Kilometer lang und wird von den Mittelstreckenfahrern 5 Mal, von den Langstreckenfahrern 8 Mal bewältigt. Vom zentralen Start-/Ziel-Bereich, indem sich bereits jetzt viele Zuschauer aufhalten, ist das ganze Gebiet um den großen See zu überblicken. Die Strecke führt am Uferbereich entlang, sodass die Zuschauer die Fahrer gut beobachten können. So starren nun alle gebannt auf die erste Kurve am gegenüberliegenden Ufer, wo nach zehn Minuten bereits die Spitzengruppe zu sehen ist. Moderator Frank steht mit den Streckenposten in Kontakt, sodass die Zuschauer immer top informiert sind. Carolin, Marie und ich bewaffnen uns mit Wasser- und Iso-Bechern und erwarten die ersten Fahrer. Als die Spitzengruppe nach 23 Minuten das erste Mal die Zeitnahme überquert und die Verpflegungszone passiert, kennt der Jubel keine Grenzen. Von nun an geht es Schlag auf Schlag, besonders im vorderen Teil des Starterfeldes sind die Fahrer in größeren Verfolgergruppen unterwegs. Nachdem alle Fahrer die erste Runde geschafft haben, können auch wir uns erst einmal wieder fangen. Obwohl nicht viele Fahrer bereits nach der ersten Runde auf unsere Verpflegung zurückgegriffen haben, auch Anschreien ist anstrengend. Als die ersten Fahrer in die dritte Runde gehen, hat es bereits die ersten Überrundungen gegeben und die Abstände zwischen den ankommenden Fahrern werden größer, denn das Feld hat sich entschieden auseinander gezogen. Besonders die etwas langsameren Fahrer nutzen nun die Verpflegung und wir haben gut zu tun. Jeder findet nach und nach die persönliche perfekte Technik zum Angeben der Becher, damit nicht mehr 80 Prozent des Inhalts auf unseren Jackenärmeln landet. Auch das Anfeuern und Motivieren optimieren wir soweit, dass wirklich jeder topfit in die nächste Runde geht. Nach den ersten zwei Stunden haben wir fast keine Stimme mehr, eiskalte Hände und sehr viel Spaß. Einigen Fahrern ist die Anstrengung ins Gesicht geschrieben, andere haben auch in Runde vier noch genug Energie zum Jubeln und wieder andere haben sogar noch Zeit zu quatschen. Es werden Flaschen getauscht, Flaschen nachgefüllt und mit Flaschen geworfen.  Besonders die Fahrer der Langstrecke kämpfen gegen das Time-Out, denn es muss ein Schnitt von fast 20km/h gehalten werden, was auf unserer Strecke alles andere als geschenkt ist.

Als der Großteil der Mittelstreckenfahrer im Ziel ist, kommt meine Ablösung vorbei und ich kann mich auf meinen eigenen Start vorbereiten. Die Stimmung im Zielbereich ist super, die Fahrer sind zufrieden, die Strecke scheint gut angekommen zu sein. Ich hole noch ein paar Insiderinformationen ein und lasse mir ein paar Tipps geben, denn auch ich kenne die Strecke eigentlich nicht. Also ein letztes Mal Bike ausladen, Startnummer anbringen und das Wettkampftrikot überwerfen.  

Ich nutze meine verbliebene Zeit für einen kurzen Abstecher auf die Strecke und fahre mich immerhin 15 Minuten lang warm. Aber schließlich mache ich mich doch bei Zeiten auf den Weg zum Start, denn der Startbereich ist eng und ein schneller Start ist nur aus den vorderen Reihen möglich. Doch ich habe Glück und kann mich genau dort mit zwei weiteren Eulenfahrern platzieren. Ein Blick auf die Startliste hat mir verraten, dass ich mit sechs weiteren Frauen heute durchaus Konkurrenz um die begehrte Eule habe, aber mit der Aufregung im Startblock meldet sich auch mein kurzzeitig vermisster Rennmodus wieder.
 Und 10,9,8... Ich zähle für mich leise mit und klicke genau in dem Moment ein, indem sich das Feld in Bewegung setzt. Ich komme gut durch den engen Startbereich und um die etwas sandige Kurve, dann liegt der erste breite Waldweg vor uns. Vollgas! Der Weg macht eine 90 Grad Kurve und mit Vollgas erreichen wir die Asphaltstraße am Waldrand. Ich halte mich im Windschatten von einem Rapiro-Fahrer und lasse mich von ihm auch auf den verwinkelten Trails im anschließenden Waldabschnitt ziehen. Der Wald lichtet sich wieder und nach einem weiteren kurzen Asphaltstück erreichen wir die „Kiesgrube des Grauens“. Hier muss man das erste Mal zwischen einem schweren, aber schnelleren Teilstück, dem „Heroes-Way“ und dem leichteren, etwas zeitintensiverem Teilstück, dem „Chicken-Way“ wählen. Tja, diese Entscheidung wäre mir wohl leichter gefallen wenn ich die Strecke vorher einmal komplett abgefahren wäre. Aber da sich das Feld immer noch nicht ganz auseinandergezogen hat, sehe ich, dass es bereits Stau am „Heroes-Way“ gibt, weshalb ich mich direkt für den „Chicken-Way“ entscheide. Nun heißt es Schwung mitnehmen, die Kante hochkommen und dann direkt auf der anderen Seite des Hügels wieder runter. Unten treffen sich die beiden Wege wieder und im tiefen Sand sind die folgenden Kurven, Schlenker und kurzen Aufstiege anstrengend und werden für den ein oder anderen zu Sturzfallen. Aber alle sind wohlauf, fluchen über den Sand oder lachen über die Herausforderung. Ich komme gut über die sandigen Höhen und Tiefen und komme unbeschadet aus der „Kiesgrube des Grauens“ heraus. Sobald ich wieder festen Boden unter den Reifen habe, ziehe ich das Tempo an und erreiche nach einem kurzen Sprint das erste Mal den See. Es geht nun steil die Uferböschung hinunter, direkt auf das Wasser zu. Am Ufer steht ein Eulenfahrer und lotst uns direkt um die Ecke. Hier hat man wirklich keinen Spielraum für Fahrfehler, denn der Abstand zum Wasser ist kaum eine Radlänge. Ich lasse es langsam angehen und komme gut in die nächste Trailpassage, die nun direkt in der Uferböschung verläuft. Immer wieder geht es kurz  hoch auf die Straße, bevor es wieder Richtung Wasser geht. Ich erreiche eine Sandbank, die weit in den See hineinragt und von weitem dem Eindruck erweckt, die Strecke würde durch den See führen, was auch teilweise stimmt, denn nachdem ich durch zwei größere Wassereinbuchtungen gefahren bin auf einmal tieferes Wasser vor mir. Hä? Und jetzt? Ich brauche einen Augenblick, bis ich verstehe, dass die Strecke nun auf der gleichen Sandbank auf der anderen Seite wieder zurück führt. Puh, noch einmal Glück gehabt, die Schwimmstunde fällt heute aus. Nach ein paar weiteren Trails auf Sand ist die Seepassage geschafft und der Wald hat uns wieder. 
Die letzten 3 Kilometer bis zum Ziel sind schnelle Trails, nur die Bäume bremsen auf dem engen Streckenverlauf. Als ich das erste Mal den Zielbereich erreiche, bin ich total überrascht, dass die erste Runde schon vorbei ist. Durch die schnelle und technische Streckenführung ist man gezwungen, immer auf Vollgas zu fahren, Erholung ist nirgendwo vorgesehen. 
Der Pfad der 1000 Blicke
Nun passiert man das letzte Teilstück am Ufer des Sees, welches den treffenden Namen „Pfad der 1000 Blicke“ trägt. Jetzt heißt es konzentrieren und bloß keine Fehler machen, denn hier stehen soviele Zuschauer, wie ich selten an einer Strecke erlebt habe. Aber meine Sorge, von 1000 Blicken verfolgt in den See zu fallen, ist unbegründet. Ich passiere die Verpflegungsstation, wo Marie mir Motivation und die Information, dass ich momentan bei den Frauen führe, zukommen lässt. Also Vollgas, nicht nachlassen! Als nach der Waldpassage die Kiesgrube wieder in Sicht kommt, muss ich mich wieder für einen Weg entscheiden. Streckenposten Marko allerdings winkt mich direkt auf den Heroes-Way, den ich ohne Probleme hinter mich bringe. Interessanterweise habe ich mit dem tiefen Sand kaum Schwierigkeiten, sodass ich mich von meiner Gruppe deutlich absetzten kann. Meinen Vorsprung nutze ich bei den Passagen am See für eine durchdachte und konzentrierte Fahrweise ohne größeres Risiko, sodass ich ohne Wasserkontakt das letzte Waldstück erreiche.

Jetzt durchziehen! Die Trails sind trocken aber griffig, die Strecke ist schnell aber anspruchsvoll und ich genieße jeden Kilometer, trotz dass ich Vollgas gebe. Ich knalle buchstäblich in den Zielbereich und überquere die Zeitnahme. Schluss! Sieg! Was für ein Rennen! Ich brauche einen Moment um zu Atem zu kommen, da kommt auch schon der Moderator Axel für ein Interview vorbei und verkündet meinen Sieg. Ich bin überglücklich, überwältigt und über alle Maße erleichtert. Ich verlasse den Zielbereich und lasse mich von allerhand Menschen, die sich offensichtlich genauso freuen wie ich, umarmen und beglückwünschen.

Ich genieße noch einen Moment den Trubel bevor ich mich zum Umziehen zurückziehe, schließlich stehen noch die Nachwuchsrennen an. Als ich kurz darauf zurückkomme werde ich direkt abgefangen und gebeten, die Waldpassage der Strecke abzusuchen. Eine letzte Fahrerin wird noch vermisst und für das Kinderrennen muss die Strecke schließlich fertig sein. Also jogge ich mir die Beine etwas locker und kann kurz darauf an Organisator Frank Entwarnung melden: die Strecke ist frei!
Zurück im Start/Ziel-Bereich machen wir endlich gemeinschaftlich Gebrauch von unserem Helferbändchen, was uns kostenloses Essen und Trinken über den ganzen Tag sichert. Gut gestärkt verfolgen wir schließlich die Kinder- und Jugendrennen, die mich immer wieder umhauen. Die jüngste Teilnehmerin ist gerade 3 Jahre alt, unfassbar.

Nach dem letzten Rennen geht es in den Marathon der Siegerehrungen. Ich freue mich riesig als ich als Siegerin meiner Altersklasse und als Gesamtsiegerin den selbst gebauten Eulenpokal überreicht bekomme, noch dazu beim „Heimrennen“.

Zum Abschluss des ereignisreichen Tages folgt die Siegerehrung der Rennserie „Challenge4MTB“. Insgesamt wurden in diesem Jahr sieben Rennen im Rahmen der Challenge ausgetragen, wovon die fünf besten Ergebnisse gewertet wurden. Ich habe zwar ein Rennen verpasst, dafür aber die anderen sechs gewonnen, was mich zur Gesamtsiegerin der Challenge4MTB 2015 macht. Also noch einmal aufs Podest, Urkunde, Pokal und Sieger T-Shirt abholen und Fotos machen.

Einen besseren Saisonabschluss hätte ich mir wirklich nicht vorstellen können. Es war ein toller Tag mit dem besten Verein der Welt, dem MTB-Eulenexpress, denn ihr seid die Besten. Es hat soviel Spaß gemacht heute auch einmal die andere Seite des Renngeschehens kennen zu lernen, die Organisation, die dahinter steht und das Engagement, das nötig ist um so ein Event auf die Beine zu stellen.
Und dann ein so schnelles Rennen auf einer fantastischen Strecke, was will man mehr? Nach den doch etwas schwächeren Leistungen nach dem Sturz in Titmaringhausen bin ich froh, dass ich  am Sonntag noch einmal zeigen konnte, was ich kann. Ich habe alles gegeben und bin mit meiner Leistung mehr als zufrieden, vor allem da ich die Saison jetzt mit einem schönen Sieg beenden konnte.

Danke an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben und die am Wochenende, egal in welcher Weise, dabei waren!

Ich bin immer noch sprachlos ;)

Love what you do and do what you love,

Evelyn

 Zitate des Tages:

„Sicher dass das hier der offizielle Parkplatz ist? Sieht ein bisschen wie ein verseuchtes Industriegelände aus!“

„Wo ist denn jetzt die DLRG wieder? Wir brauchen hier Rettungsringe!“

„Ich brauche hier entweder eine Ablösung oder ein Stück Schokokuchen!“

"Quäl dich, du Sohn deiner Mutter!"

















Freitag, 2. Oktober 2015

Stadtpark-Terminator Holzminden - Endspurt!

Neuer Lenker, neuer Schalthebel und mein Bike ist schon drei Tage nach dem Sturz wieder voll einsatzbereit. Auch ich bin Mitte der Woche trotz blauer Flecken, Prellungen und Schürfwunden endlich zurück im Training und konzentriere mich auf das kommende Meisterschaftswochenende in Bad Salzdetfurth. Dazu habe ich mein Training am Ende der Woche in den Veranstaltungsort, den Bikepark Bad Salzdetfurth, verlegt, um mich optimal auf die Strecke vorzubereiten. Aber als ich nach zwei Stunden Training im strömenden Regen an meinem Auto ankomme und fast wie in Zeitlupe zur Seite kippe, weil die Klickpedale völlig mit Lehm verstopft sind, ist mir klar, dass die körperlichen Wehwehchen nicht mein eigentliches Problem am Wochenende sein werden. Irgendwo zwischen sehr steilen Trails, Spitzkehren und dem frisch angelegten Rock-Garden ist mir bewusst geworden, dass ich meine Sicherheit völlig verloren habe. Der Sturz hat mich so verunsichert, dass ich es nicht schaffe, den Kopf abzuschalten, was bei einem XC-Rennen dieser Schwierigkeitsstufe und unter diesen Bedingungen die Grundvoraussetzung ist. Noch bevor der Wetterbericht ein verregnetes Wochenende verkündet und ich mich weiter in Grübelein stürzen kann ist meine Entscheidung gefallen: Ich verzichte auf die Deutschen Meisterschaften.

Ein Wochenende später allerdings mache ich mich am Samstagnachmittag wieder auf den Weg zu einem Rennen der Challenge4MTB, dem Stadtpark-Terminator in Holzminden. Im letzten Jahr war dieses Rennen für mich schneller vorbei als ich mir erhofft hatte. Nachdem mir beim Warmfahren meine quietschenden Bremsen auf die Nerven gegangen waren bot ein anderer Fahrer (Mechaniker bei einem Radladen) mir an, meine Bremsen kurz zu optimieren. Und Tatsache: Das Quietschen war vorbei. Leider das Rennen nach der ersten Runde auch für mich, da meine Hinterradbremse auf einmal gar keine Reaktion mehr zeigte. Seitdem lasse ich niemanden mehr spontan etwas an meinem Bike optimieren.

Ausnahmsweise bin ich für meine Verhältnisse wirklich spät am Veranstaltungsort, sodass ich mich beeilen muss, mich pünktlich anzumelden. Das erste Rennen läuft bereits und vom zentralen Start-Ziel-Bereich aus ist das Ende einer jeden Runde, ein steiler Downhill neben einer Treppe, gut einsehbar. Wie immer bei Rennen der Challenge ist das Teilnehmerfeld eher überschaubar, dafür kennt man zumindest alle Fahrer vom Sehen und ich halte auf meinem Rückweg zum Auto immer wieder an, um hier und da jemanden zu begrüßen, die neusten Neuigkeiten auszutauschen oder neue Bikes zu bewundern. Als ich schließlich mein Bike auslade, habe ich nur noch eine 20 Minuten bis zum Start, was zur Folge hat, dass ich mich völlig hektisch umziehe und mich auf dem Weg zum Startbereich mache, nur um dann festzustellen, dass ich die Hälfte meines Equipments im Auto liegen gelassen hab. Also wieder zurück, Luftpumpe, Brille und Handschuhe geholt und wieder zum Start. Schließlich stehe ich pünktlich, aber doch kurz vor knapp im hinteren Teil des überschaubaren Startblog. Natürlich ohne mich warmgefahren zu haben.

Der Moderator erklärt noch einmal den Rennmodus bei diesem XC-Rennen. Fünf Runden a vier Kilometer sind zu absolvieren, die Einzelzeit pro Runde wird bei der Zieldurchfahrt dokumentiert. Und dann heißt es vier, drei, zwei, eins und auf geht’s.
Das Feld setzt sich auf dem schmalen Feldweg in Bewegung und wir passieren die erste Kurve. Nun liegt eine ansteigende Wiese vor uns und ich kann einige Plätze nach vorne gut machen. Das Feld zieht sich zunehmend auseinander, die abgesteckte Strecke auf der Wiese ist schmal, sodass überholen nur begrenzt möglich ist. Ich hänge mich an das Hinterrad meines Vordermannes und lasse mich mitziehen. Als wir oben angekommen sind, mit einem Puls von fast 200, geht es in die erste Abfahrt, die allerdings kaum reicht, um Atem zu holen.
 
Wie immer muss ich bergab einigen Männern den Vortritt lassen, bevor ich auf dem ansteigenden Feldweg zwischen zwei Maisfeldern wieder aufschließen kann. Es geht über eine weitere Wiese, bevor der Weg nun am Waldrand zurück Richtung Stadtpark führt. Ich bremse kurz, als der geschotterte Weg etwas unübersichtlicher wird und konzentriere mich auf die Spurrillen, die unter dem bunten Herbstlaub leicht zu übersehen sind. Ein kurzer Trail bergab, ein Stück flach und wieder hoch. Die Strecke führt nun serpentinenähnlich durch den Wald, bevor endgültig die Trails überhand nehmen. Kurve links, Kurve rechts und auf einmal ist die Musik aus dem Startbereich zu hören. Weit kann es nicht mehr sein. Schließlich liegt der Downhill vor mir, der mir von unten betrachtet, durchaus Respekt eingeflößt hat. Aber jetzt, im Verlauf des Rennens, bringe ich ihn zügig und flüssig hinter mich. Die erste Runde ist nach gut 20 Minuten für mich vorbei. Noch vier zu fahren.

Als ich das nächste Mal die Ziellinie überquere, weiß ich, wieso ich prinzipiell eher Marathonrennen bevorzuge. Meine Beine brennen, meine Rippen pochen und ich habe meinen Rhythmus immer noch nicht gefunden. Aber ich hab ja auch noch drei Runden, vielleicht finde ich ihn irgendwo am Rand des Sollings, im Holzmindener Stadtpark.
Also wieder die Wiese hoch, den Feldweg runter, durch die Maisfelder, in den Wald. Ich versuche wirklich alles, aber meine Beine haben sich bereits in die Saisonpause verabschiedet und liegen vermutlich an irgendeinem warmen Sandstrand, während ich mich weiter durch die dritte Runde quäle.

Die letzte Runde läuft und ich habe schon seit geraumer Zeit eine weitere Eulenfahrerin im Rücken. Als ich kurz anhalten muss um meine Flasche zu retten, die bereits wieder bedenklich Schlagseite bekommen hat, zieht sie vorbei und nimmt die Serpentinen in Angriff. Trotz das ich kräftetechnisch völlig am Ende bin fühle ich mich doch in meinem Stolz verletzt und der Ehrgeiz übernimmt die Überhand. Im Wiegetritt hole ich sie ein und kann sie direkt in der ersten Kurve überholen. Dabei haben wir noch kurz Zeit, zwischen zwei knappen Atemzügen uns auszutauschen. Mit dem Ergebnis: Ich denke, dass wir in unserer letzten Runde sind, und Simone, dass wir noch eine vor uns haben. Oh nein, bitte nicht noch eine Runde! Im Augenwinkel sehe ich wie Olaf und Dirk, zwei weitere Teamkollegen, hinter uns aufgetaucht sind und uns nun bei ihrem Aufwärmprogramm anfeuern. Ich mobilisiere noch einmal alle meine Kräfte um mich nicht auf den letzten Metern noch überholen zu lassen. Ich gehe in die letzte Abfahrt und überquere die Zeitnahme zum... Ja nun zum 5. Oder zum 4. Mal? Genau diese Frage stelle ich nun, etwas atemlos, dem Moderator, der den Bildschirm mit den Zeiten vor sich stehen hat. Aber als Simone ins Ziel kommt, kann ich ihr erleichtert verkünden, dass wir wirklich fertig sind.

Da es nun doch nicht mehr so warm ist fällt die übliche Rennanalyse mit den anderen Fahrern heute eher knapp aus, stattdessen ist umziehen angesagt. Und trotz dass ich mich wirklich beeile, die Siegerehrung ist bereits im vollem Gange als ich zurück zum Startbereich komme. Ich bekomme trotzdem noch meine Urkunde und meinen Pokal für den ersten Platz in meiner Altersklasse und den zweiten Platz in der Gesamtwertung der Frauen.
 
Am Ende dieses Renntages, meines vorletztem in diesem Jahr, bin ich rund um zufrieden. Es wäre eigentlich zeitmäßig deutlich mehr drin gewesen, aber die Beine wollten nicht so wie ich. Trotzdem bin ich glücklich, ein sauberes technisches Rennen gefahren zu sein, was mein Selbstbewusstsein und meiner Sicherheit nach dem Sturz wieder etwas aufbaut.
Am kommenden Wochenende steht das letzte Rennen der Challenge4MTB an, diesmal bei uns: Die Fischteichhölle beim MTB-Eulenexpress in Peine. Okay, Peine ist jetzt nicht unbedingt für das bergige Relief bekannt, aber wir versprechen euch alles, was für ein super Rennen notwendig ist: eine technische Strecke, super Stimmung, gutes Wetter und Kuchen. Was will man mehr? Wir freuen uns auf euch und sehen uns am Sonntag!

Evelyn