We are specialized!

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Dienstag, 29. September 2015

Dünsberg-Marathon, Rodheim-Bieber: Saisonfinale und die magische 20-Kilometer-Grenze!

Zum Abschluss meiner diesjährigen Saison stand mit dem Dünsberg-Marathon in Rodheim-Bieber einer meiner Lieblingswettkämpfe im Rennkalender. Bei frostigen 1 Grad und dickem Nebel ging es in den frühen Morgenstunden Richtung Dünsberg. Auf der Fahrt warnte mich mein Auto wiederholt vor drohender Glättegefahr und ich überlegte daraufhin schon, ob ich überhaupt die angemessene Kleidung in meine drei bis vier handlichen Reisetaschen eingepackt hatte. Doch zu früh gesorgt, denn je näher wir an den Austragungsort kamen, desto lichter wurde der Nebel und auch die Temperaturen kletterten langsam aus dem Frostbereich hinaus. In Rodheim-Bieber begrüßte uns
Radsportler dann bereits strahlender Sonnenschein.
Bestes Wettkampfwetter also.
 
Der Dünsberg-Marathon steht für abwechslungsreiche, traillastige Strecken, eine tolle Organisation und ein super Ambiente - deswegen zieht er Jahr für Jahr auch sehr, sehr viele Radsportler an. Und wer einmal dort war, kommt im nächsten Jahr sicher wieder. So war es auch bei mir, denn am Wochenende startete ich dort bereits zum fünften Mal.
Um zehn Uhr fiel dann schließlich der Startschuss und ich erwischte einen recht guten Start über die ansteigende Teerstraße hinauf. Doch wahrscheinlich war mein Start doch etwas zu aggressiv, denn es dauerte nicht allzu lange und ich konnte das Tempo der Dame, an deren Hinterrad ich mich hängen wollte, nicht mehr halten. In den „Rennmodus“, den ich schon den ganzen Morgen verzweifelt suchte, fand ich heute mal wieder nicht. Nachdem ich die andere Dame ziehen lassen musste, konnte ich mich auch nicht mehr fokussieren und gab den Kampf im Kopf schon auf. Bis Kilometer 20 fuhr ich zwar zügig in einer Männergruppe mit, spürte jedoch nicht die Leichtigkeit und den Fahrspaß wie bei anderen Rennen. Ich war unzufrieden mit meiner Leistung, weil ich einfach nicht das umsetzen konnte, was im Training sonst möglich ist. Doch dann - genau wie beim letzten Rennen in Medebach-Titmaringhausen - kam kurz nach Kilometer 20 der Umschwung und ich konnte das Tempo noch einmal anziehen. Die daraus logische Konsequenz, mich nächste Saison einfach 20 Kilometer im Wettkampftempo warm zu fahren, werde ich über die Wintermonate noch einmal durchdenken. Vielleicht sollte ich auch nur noch die Ultra-Langstrecken in Angriff nehmen…
 
 
Leider war dieses Rennen dann bereits nach 27 Kilometern zu Ende, so dass ich nicht mehr viel Zeit gut machen konnte. Hinzu kam, dass meine Gruppe den Abzweig zu einem Trail verpasste und vorbeifuhr - ich hatte nicht richtig aufgepasst und folgte. Obwohl ich ja bereits einige Male hier gestartet war, kommt mir die Streckenführung mangels Orientierungssinn jedes Jahr aufs Neue fremd vor. Wir mussten also zurück, was auch wieder Zeit kostete. Kurz vor dem Ziel hatte ich aber noch Restenergie für einen Sprint und überholte noch ein paar Fahrer. Letztlich passierte ich die Ziellinie mit knapp zwei Minuten Rückstand
als zweite der Alterklasse Damen.

Keep on riding,
Vanessa
 
 
 Zitate des Tages:
„Wie Saisonfinale?? Das entscheidet der Trainer.“
„Bitte keine Räder mit in die Halle nehmen!“ „Bin gleich wieder da, haben sie kurz ein Auge drauf?“
„Bei mir wirkt Koffein nicht mehr, sollte vielleicht mal einen Entzug machen.“
"Ich hatte schon nach 26 km Krämpfe bekommen, von da an war es noch 1 km bis ins Ziel."
 





Montag, 14. September 2015

3 Täler Marathon Titmaringhausen - Broken Wings

Am Samstag stand für mich der 3-Täler-Marathon in Titmaringhausen auf dem Programm. Nachdem ich im letzten Jahr dort mein bestes Rennen der  vergangenen Saison zeigen konnte, freute ich mich auf die abwechslungsreiche und anspruchsvolle Strecke, zudem auch Vanessa ihr Kommen angekündigt hatte.

So machen meine Schwester Caro und ich uns bei kühlen sechs Grad am Samstagmorgen auf den Weg ins Sauerland. Heute ist schon die Hinfahrt ein Erlebnis, denn die Straßen im Sauerland sind kurvig und schmal, außerdem verdeckt der Nebel die Aussicht auf die bergige Landschaft. Als wir schließlich den kleinen Ort erreichen, der zumindest auf den ersten Blick nur aus fünf Bauernhöfen besteht, bekommen wir einen Parkplatz auf einer großen Wiese zugewiesen. Nachdem wir uns noch etwas wärmer angezogen haben, machen wir uns auf den Weg zur Registration. Ich bekomme mein Starterpaket, inklusive eines leckeren Müslibrötchens, und meine Schwester einen Tee, und so starten wir einen Rundgang über das etwas verwinkelte Gelände. Wir finden die Markierungen für die Startblöcke und ich stelle erleichtert fest, dass ich im ersten regulären Block starten darf. Wir passieren den Zielbogen und wandern dann zurück zum Parkplatz, vorbei an kleinen Kälbchen und süßen Kätzchen. Dabei treffen wir auf Vanessa, die auf dem Weg zur Nennstelle ist. Die ersten Neuigkeiten werden ausgetauscht: wen haben wir heute schon gesehen, wer wir heute die Konkurrenz sein und was ziehen wir denn an? Es gibt viel zu besprechen.

Trotz dass es immer noch empfindlich kalt ist entscheide ich mich für mein kurzes Eulentrikot, mein Bike wird von uns mit Startnummer, Luftpumpe und Reperaturset präpariert und ich bin gerade fertig, als Vanessa mich zum Warmfahren abholt. Gemeinsam stellen wir fest, dass wir heute mit starker Konkurrenz konfrontiert sind und ein schweres Rennen vor uns haben. Nachdem die Startschüsse für die Lang- und Mittelstrecke gefallen sind, drängen alle Fahrer in die Startaufstellung für die 37 Kilometer lange Kurzstrecke. Der Start erfolgt auf einer schmalen, leicht ansteigenden Straße, sodass das Gedränge immens ist und wir uns trotz pünktlicher Ankunft eher im Mittelfeld wiederfinden. Nach den Erfahrungen hier im letzten Jahr wissen wir, dass es nun zuerst in eine sechs Kilometer lange Einführungsrunde geht, in der es im vergangen Jahr immer wieder zu Staus auf der engen Strecke gekommen war. Also ist heute ein zügiger Start gefragt!

Und fünf, vier, drei, zwei, eins und los. Mit Vollgas starten ist hier allerdings nicht möglich, stattdessen ist an dieser Stelle Koordination und Konzentration gefordert, ansonsten kommt man schnell zu Fall. Ich erwische den Anschluss an einen Fahrer, der das Feld außen überholt und schließe mich an. An der ersten Kurve bin ich schließlich aus dem größten Gedränge raus und kann meinen Rhythmus finden. Die Strecke führt nun steil bergauf und ich arbeite mich an zwei Frauen ran, die weiter vorne im Startblock gestartet sind. Als der Berg noch steiler wird, kann ich beide überholen und mich ein Stück absetzten, bevor es in die erste Abfahrt geht. Jetzt habe ich nur noch eine Frau vor mir, die allerdings bereits jetzt einen guten Vorsprung aufgebaut hat. Also auf geht’s, der Start ist geglückt und ich bin auf Kurs. Eine junge Frau auf einem schneidigen, pinken Bike überholt mich und ich lasse mich von ihr mitziehen. Gemeinsam schließen wir im Zielbereich die Einführungsrunde ab und gehen auf die Hauptrunde. Wir passieren einen Bach und im zügigen Tempo mehrere lange, leicht ansteigende Trails. Erleichtert stelle ich fest, dass wir eine sehr ähnliche Fahrweise und das gleiche Fahrtempo haben, was uns beiden entgegen kommt. An der nächsten längeren Steigung überhole ich sie, damit sie sich nun ziehen lassen kann, doch als ich auf der nächsten flachen Passage ankomme stelle ich fest, dass sie deutlich zurück gefallen ist. Dafür habe auch ich offensichtlich den Anschluss an die momentan führende Frau verloren, zumindest ist sie aus meinem Sichtfeld verschwunden. Ich bin nun in einer größeren Fahrergruppe unterwegs und komme gut voran. Wie immer im Sauerland hat man das Gefühl, dass es ständig nur bergauf und nie bergab geht, doch die Beine sind gut und ich bester Dinge.

Wir passieren eine Hochebene und nun geht es in eine längere Abfahrt. Ich habe einen Fahrer vor mir und drei Fahrer hinter mir, ein kurzer Blick auf den Tacho, 58 km/h. Der Fahrer vor mir ruft noch eine Warnung, nachdem er plötzlich extrem in Schräglage gekommen ist, aber es ist für mich zu spät. Vor mir taucht eine tiefe Spurrille auf und bevor ich weiß, wie mir geschieht, habe ich keinen Lenker mehr vor mir und befinde mich im Sturzflug. Instinktiv schlage ich die Arme vors Gesicht und schlittere ein Stück über den Schotter. Ich höre hinter mir die Scheibenbremsen quietschen und halte es für die beste Entscheidung, erst einmal liegen zu bleiben, bevor ich noch jemanden zu Fall bringe. Irgendeiner der anderen Fahrer hilft mir auf und redet dabei auf mich ein, ein weiterer ist auf dem Weg zum Streckenposten und mein Bike wurde bereits von der Strecke gezogen. Das Alles fällt mir aber kaum auf, der Sturz auf die Rippen hat mir buchstäblich den Atem verschlagen und ich versuche trotz Schnappatmung den anderen Fahrern mitzuteilen, dass ich okay bin. Trotzdem warten alle drei, bis der Streckenposten mich erreicht hat, bevor sie ihre Fahrt fortsetzten. Auch die Fahrerin mit dem pinken Bike fährt vorbei, allerdings erkundigt auch sie sich sofort nach meinem Befinden. Als ich wieder normal Luft bekomme, versuche ich herauszufinden, was mir eigentlich genau weh tut. Meine Oberschenkel sind verschrammt, an meinen Armen läuft das Blut vom Ellenbogen hinunter, die Hüfte tut weh und die Schulter krampft. Als ich mich aufrichte, um mein Bike in Augenschein zu nehmen, fragt der Streckenposten mich überrascht, ob ich weiter fahren werde. Ich nicke und muss ihm ein weiteres Mal versichern, dass ich auch wirklich fahrtauglich bin. Nachdem der Streckenposten meinen Lenker so gut es geht gerade gezogen hat, geht es weiter für mich. 24 Kilometer sind vorbei und noch 13 zu fahren. Aua.

Ich bemerke relativ schnell, dass der immer noch etwas schiefe Lenker nicht mein Hauptproblem ist: der Sturz hat meinen Schalthebel abgerissen, sodass ich nur auf die großen Kränze wechseln kann. Na toll, wer braucht im Sauerland denn schon eine Gangschaltung? Trotzdem komme ich noch ganz gut voran, auch wenn ich mich jetzt besonders an den Steigungen doch ziemlich quäle. Bei Kilometer 30 erreiche ich das erste Mal wieder Titmaringhausen, bevor es auf der anderen Seite des Tales wieder hinauf geht. An dieser Stelle wäre die optimale Gelegenheit für mich, das Rennen zu beenden. Ich hadere kurz mit mir, entscheide mich dann aber dagegen. Ich habe schließlich nur noch sieben Kilometer vor mir und liege immer noch auf Platz drei.

Doch diese sieben Kilometer ziehen sich. Es geht steil bergauf, meine Oberschenkel krampfen, meine Rippen schmerzen bei jedem Atemzug und an einer Spitzkehre bemerke ich, dass eine weitere Dame direkt hinter mir ist. Dieser Ansporn bringt mich zunächst nochmal auf die Beine, ich passiere die Bergsprintetappe und gebe auf den Trails noch einmal alles. Trotzdem kann ich nicht verhindern, dass sie direkt hinter mir auf die Straße einbiegt, als die letzten 500 Meter bis zum Ziel liegen vor uns. Ich lege noch einmal alles in diese letzten Meter, doch kurz bevor es auf die Wiese geht, wo sich auch der Zielbogen befindet, zieht sie aus meinem Windschatten und an mir vorbei. Ich würde ja gern die Verfolgung aufnehmen, doch ich habe keine Kraft mehr übrig. Schließlich rolle ich als 4. ins Ziel und ich kann mich nicht erinnern, jemals so erschöpft im Ziel gewesen zu sein. Ich habe Tränen in den Augen, allerdings weiß ich nicht ob von Enttäuschung oder Erschöpfung.

Meine Schwester heitert mich etwas auf und gemeinsam empfangen wir kurz darauf Vanessa, die wohlbehalten als Sechste das Ziel erreicht. Gemeinsam stürmen wir die Zielverpflegung und tauschen uns hier und da noch mit den anderen Fahrern aus. Ich gratuliere den drei Damen, die sich heute das Podium erkämpft haben, bevor wir uns alle drei zurück zum Parkplatz begeben. Ich beschließe einen Abstecher bei der Bergwacht zu machen, die für heute die medizinische Versorgung übernehmen. Sie verbinden meine Wunde am Ellenbogen und empfehlen mir, mich heute noch zu duschen, um den Dreck aus den Wunden zu waschen. Danke für den Tipp!





















Als ich mich umgezogen und das leckere Müslibrötchen gegessen habe, fange ich erst an zu merken, was mir eigentlich alles weh tut.

Alles in allem kann ich mit dem vierten Platz zufrieden sein. Es wäre sicher mehr drin gewesen, die Beine waren gut und die Tagesform war optimal. Aber zum Mountainbikesport gehören Stürze genauso wie Defekte leider dazu. Ich kann mich glücklich schätzen, dass bei einem solchen Sturz bei dieser Geschwindigkeit nicht mehr passiert ist, und dessen bin ich mir auch sehr wohl bewusst. Aber je länger der Sturz zurück liegt und je mehr die Schmerzen nachlassen, desto mehr ärgere ich mich darüber, das Podium so knapp verpasst zu haben. Ich weiß aber auch, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe und dass ich alles gegeben habe.

Manchmal gewinnt man und manchmal gewinnen die anderen.

Liebe Vanessa Schmidt, auf jeden Fall danke für den schönen Tag! Es ist immer wieder schön und so lustig wie nie, wenn wir zusammen im Startblock stehen. Herzlichen Glückwunsch zu einem starken Rennen und einem guten 6. Platz! Du bist die Beste!

In der kommenden Woche heißt es jetzt für mich das Erlebte abhaken, regenerieren und bis zum Wochenende wieder fit werden. Denn am Sonntag geht es in Bad Salzdetfurth für mich um die deutsche Meisterschaft im XC.

Keep calm and bike on,

Evelyn




















Drei-Täler-Marathon, Medebach-Titmaringhausen: Von endlosen Höhenmetern, Bachdurchfahrten und 17%-Steigungen (von Vanessa)

Samstag war wieder Raceday: Im Programm stand der Drei-Täler-Marathon in Medebach-Titmaringhausen als Abschlussveranstaltung der Nutrixxion-Trophy. Um das kleine Örtchen geographisch einordnen zu können: tiefstes, tiefstes Sauerland. Viele Berge, viele Kühe, viele Bauernhöfe. Wer schon immer mal ans Ende der Welt wollte: Titmaringhausen wäre eine idyllische Möglichkeit. Der Drei-Täler-Marathon ist in der Radsportszene ein beliebtes Event und so war die riesige Wiese, die als Parkplatz diente, bereits drei Stunden vor dem Start gut gefüllt. Und kaum hatte ich den Weg zur Startnummernausgabe angetreten, traf ich auch schon auf Evelyn. Heute war wieder Specialized-Mädels-Teamtreffen angesagt. Nach einem kurzen Update bezüglich Verletzungsproblematik, technischen Details, der Kleiderwahl und den bevorstehenden Höhenmetern, holte ich meine Startunterlagen ab.

Da die Wege zwischen Parkplatz, Anmeldung und Start-/Zielbereich doch recht weitläufig waren, verriet uns der Blick auf die Uhr, dass es nun höchste Zeit für das obligatorische Warmfahren (oder besser Warmquatschen) wurde. So nahmen wir schon einmal den ersten Teil der Strecke in Augenschein, durchquerten den Wildbach und fuhren die erste technische Passage - laut Beschilderung „Tepels Hohle Gasse“ - hinauf. Trotz relativ pünktlicher Ankunft im Startblock bekamen wir leider keine gute Ausgangsposition und mussten einer ganzen Reihe von Fahrerinnen und Fahrern den Vortritt lassen. Da der Start an einem sehr engen und leicht ansteigenden Weg erfolgte, bestand auch keine Chance mehr, sich elegant nach vorne durchzuarbeiten.  Als der Startschuss fiel - dieser war  wahrscheinlich auch weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus zu hören - wurde es direkt sehr eng und es dauerte einige Zeit, bis das Feld überhaupt Fahrt aufnehmen konnte. Ich erwischte einen schlechten Start, konnte nicht überholen und wurde ständig abgedrängt. Hinzu kam, dass mein Radcomputer „zu viele Signale“ verkündete und keine Messung vornahm. Somit galt meine Aufmerksamkeit zunächst der streikenden Technik und erst ein paar hundert Meter später konnte ich mich - dann zum Glück mit funktionierendem Radcomputer - dem eigentlichen Marathon widmen. Leider hatte ich schon viele Plätze verloren. Die Strecke führte in der rund 7 Kilometer langen Einführungsrunde bereits einige Höhenmeter nach oben und bot abwechselnd auch technische Passagen. Ich fand überhaupt nicht gut ins Rennen und merkte schon gleich, dass ich heute keine guten Beine habe. Als die Einführungsrunde zu Ende ging, hatte ich keinen Überblick, wo ich mich derzeit im Feld befand.

Bis Kilometer 20 hatte ich überhaupt keinen Druck auf dem Pedal und es fühlte sich eher nach einer Tourenfahrt an. Dann kam die erste Verpflegungsstation mit einem anscheinend super energiereichen Iso-Drink und plötzlich ging es vorwärts. Als dann noch das Schild „Hurra, höchster Punkt - geschafft“ - am Wegesrand auftauchte, gab es einen zusätzlichen Motivationsschub. Ich konnte noch einmal alle Kraftreserven mobilisieren und einige Plätze nach vorne gut machen. Diesmal hatte ich auch das Höhenprofil am Rahmen befestigt und konnte die Strecke somit gut einteilen. Was dann folgte war eine Teerstraße mit stellenweise 17 Prozent Steigung - „genau mein Ding“, verkündete ich noch einigen anderen Fahrern, und kurbelte dann zum „Hohen Pön“ hinauf. Hier konnte ich mich auch noch ein paar Plätze nach vorne arbeiten.

Die letzten Kilometer ging es dann auf Trails bergab und ich hatte eine andere Dame vor mir im Blick. Als ich gerade zum finalen Angriff ansetzen wollte, bemerkte ich, dass meine Bremse vorne schleifte und das Vorderrad verdächtig schwankte. Ein Blick auf den Radcomputer verriet, dass es nicht mehr weit bis in Ziel sein kann und ich entschied mich deshalb nicht anzuhalten, um das technische Problem zu beheben. Trotzdem nahm ich das Tempo vorsichtshalber raus und der finale Zielsprint blieb aus. Als 6. meiner Altersklasse erreichte ich schließlich die Ziellinie. Nach 39 Kilometern und 1028 Höhenmetern in den Beinen nahm mich Evelyn im Ziel in Empfang.

Bereits im letzten Jahr hatte ich den Drei-Täler-Marathon als eines der härtesten Rennen der Saison eingeordnet und ich bleibe bei dieser Aussage (Höhenmeter, Höhenmeter, Höhenmeter...) Dennoch war es ein echt tolles Event mit einer tollen Organisation und wir kommen natürlich im nächsten Jahr wieder.

Und an dich Evelyn: Trotz Verletzung und Sturz so ein Rennen zu fahren und durchzuziehen - das ist ganz großer Sport. Glückwunsch zum vierten Platz, jeder andere hätte aufgeben, du kannst stolz auf dich sein. Freue mich schon auf viele weitere gemeinsame Rennen, du bist die Beste.

Keep on riding,
 
Vanessa

 
Zitate des Tages:

„Und Mädels, ihr seid doch sicher noch Juniorenklasse - oder seit ihr schon 18?“   „Ich bin 23, stehe somit kurz vor der Seniorenklasse!“

„Ich musste hier mitfahren, war schließlich vorangemeldet und hatte das Startgeld schon überwiesen.“

„Es gibt kein Eis später, wenn du dich nicht anstrengst.“

„Ist das jetzt dein Bergsprint?“

„Genau mein Ding - 17 Prozent Steigung, Teerstraße. Läuft.“

„Mein Rad ist schon dreckig bevor es losgeht. Ich raste aus.“

Montag, 7. September 2015

Spessart-Challenge Bad Orb: Vom Jagen und gejagt werden.


Noch regnet es,
doch hinten reißt der Himmel auf.
Als mich am Sonntag um kurz vor sechs Uhr der Wecker unsanft aus dem Tiefschlaf riss und ich draußen den Regen auf das Dach prasseln hörte, erschien es fast verlockend einfach weiterzuschlafen. Doch das Rennfieber überwog natürlich und so ging es kaum eine halbe Stunde später schon auf der Autobahn Richtung Spessart. Zeitlich war mal wieder alles recht knapp kalkuliert (um die maximale Schlafzeit auszunutzen), sodass das Frühstück kurzerhand im Auto fortgesetzt werden musste. Auffallend war, dass sich die Autobahn am frühen Sonntagmorgen nur Menschen mit Fahrrädern in, am oder auf dem Auto sowie Fahrer mit Pferd im Hänger teilen. Diese ganzen sportverrückten Frühaufsteher. 
 
Je näher der Ort des Geschehens - die Kurstadt Bad Orb - rückte, desto weniger wurde auch der
Regen und sogar die Außentemperaturen erreichten knapp zweistellige Werte. Bei den Wettkämpfen der vergangenen Wochen schwitzte man bereits vor dem Warmfahren, heute hingegen dauerte es um Einiges länger, den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen.

Um Punkt zehn Uhr fiel der Startschuss: Die Startphase war sehr hektisch, da der Weg zunächst durch die verwinkelten Straßen Bad Orbs führte und dementsprechend eng war. Die ersten Kilometer fuhr das Feld neutralisiert hinter dem Begleitfahrzeug her. Am ersten Anstieg aus dem Stadtkern hinaus hieß es dann schließlich „Freie Fahrt!“ und das Feld zog sich schnell auseinander.

Ich hatte mich völlig unvorbereitet in dieses Rennen gestürzt, was die Betrachtung des Höhenmeterprofils angeht. Üblicherweise drucke ich mir dieses immer aus und klebe es an den Lenker. Dem war heute, warum auch immer, nicht so - deswegen kamen die Berge nun etwas überraschender. Das Rennen war ohnehin so schnell, dass ich weder Zeit zum Trinken oder Gel essen fand, noch in dieser Hektik die Berge mit dem Höhenprofil hätte abgleichen können. Bis zur Hälfte der Strecke führte ich das Damenfeld an. Dann zog in einer Abfahrt plötzlich eine andere Dame vorbei. Von der Startnummer her (vierstellig=lange Strecke, dreistellig=kurze Strecke - hatte ich doch extra noch recherchiert) ordnete ich sie der Langstrecke zu und ließ sie zunächst ziehen. Am nächsten Abzweig bog sie jedoch auf die kurze Runde ein. Also nichts wie hinterher. Sie blieb zwar in Sichtweite, ich kam aber nicht mehr ganz heran. Aus den Augenwinkeln vermerkte ich, dass auch weitere Damen hinter mir lauerten und es somit an der Zeit wäre, noch einmal das Tempo drastisch anzuziehen. Somit war ich Jägerin und Gejagte gleichzeitig und ich stellte mir ständig die Frage, was wohl besser oder schlechter sei. Am nächsten Berg konnte ich dann jedoch meinen Vorsprung wieder ausbauen. Verpflegungsstationen musste ich leider links oder auch rechts liegen lassen, um keine Zeit zu verlieren.

Die Schlusspassage war sehr Cross-Country-lastig mit einigen flowigen Trails aber auch recht verbockten Wurzelpassagen. Ich war mal wieder mit vollstem Vertrauen in mein Material ohne irgendwelche Vorkehrungen wie Schlauch, Pumpe oder Reifenheber in das Rennen gestartet und hoffte nur inständig, dass mich jetzt nicht noch so kurz vor dem Ende eine Panne ereilte. Doch es ging alles gut. Auch das Wetter hielt entgegen aller Prognosen, sodass wir alle trocken und schlammfrei das Rennen beenden konnten.

Der Kurpark in seiner ganzen Idylle.
Die Ziellinie passierte ich schließlich als Siegerin meiner Alterklasse (Damen) und Zweite Overall. Da der Moderator mich aber bei der Zieleinfahrt übersehen hatte, musste ich erst den Zeitnahme-Wagen stürmen, um mein Ergebnis zu erfahren. Und dann war ich sehr, sehr glücklich - ein tolles Rennen und endlich hat es mal wieder bis ganz nach oben gereicht. Bis vor wenigen Wochen war ich noch froh darüber, dass ich in dieser Saison überhaupt noch einmal Radfahren kann und jetzt reicht es sogar schon wieder für das Podium. Damit hätte ich niemals gerechnet.

Bis zur Siegerehrung war ungewöhnlich viel Zeit, sodass ich mich in aller Ruhe ausfahren konnte (das nehme ich mir eigentlich immer vor, jedoch scheiterte dieses Projekt bisher meistens an der Umsetzung). Nach dem Verladen der Bikes, duschen, umziehen und der Rennnachbesprechung war immer noch jede Menge Zeit bis zur Siegerehrung. Zum Glück war die Auswahl kulinarischer Köstlichkeiten groß genug, um die Wartezeit zu überbrücken. Auch der weitläufige Kurpark - oder besser „Place to be“ - lud zum Verweilen ein. Um 14 Uhr ging es dann schließlich endlich zum Part der Siegerehrung über.

Siegerehrung Teil 2: Overall

Siegerehrung Teil 1: Alterklasse
Die Spessart-Challenge bot wirklich eine tolle und abwechslungsreiche Strecke und auch die Organisation war einwandfrei. Das Rennen in Bad Orb war heute Premiere für mich, wird aber definitiv einen festen Platz in meinem Rennkalender finden.
 
Keep on riding,
 
Vanessa

 
Zitate des Tages:
 
„Mein Navi hat mich genau hierhin gelotst. Aber hier ist kein Mountainbiker weit und breit!“

„Bin schnell im Kurpark die Enten füttern.“

„Hier ist der Start, da ist das Ziel - und dazwischen wird gewonnen.“

„Auf der Autobahn mit 300 fahr´n (Helene Fischer♫). Nimm das doch bitte nicht wörtlich.“

Freitag, 4. September 2015

Endurothon in Schierke - Der Sprung ins Unbekannte

Samstag, 04:55 Uhr: Der Wecker klingelt. Wie kann das sein? Wieso sollte ich bitte mitten in der Nacht aufstehen wollen? Das kann doch nicht mein Ernst sein. Als ich mich gerade umdrehen will, selbstverständlich um weiter zu schlafen, fällt mein Blick auf meine gepackten Sporttaschen und mein rotes Specialized-Trikot. Ach ja, da war ja was. Renntag.

Punkt 6 Uhr sitze ich dann doch mehr oder weniger wach im Auto und mache mich auf den Weg nach Schierke. Nach einigem hin und her in der vergangenen Woche habe ich mich doch zum Start beim „Endurothon“ entschieden, auch oder gerade weil die Ausschreibung bewusst etwas einschüchternd bzw. herausfordernd gestaltet ist. „Endurothon“ klingt davon abgesehen eigentlich nicht nach einem Rennen für eine Marathonspezialistin oder für ein 26er S-Works Hardtail, aber die breite Auswahl an Strecken hat mich dann doch ermutigt. Neben zwei „Heavy“ Strecken, wo man mit einem Fully bestens beraten ist, werden auch zwei weitere Strecken angeboten, die auch ohne Vollfederung zu bestreiten sind.

Nach über zwei Stunden Fahrt, die erst durch die Dunkelheit, dann durch den Nebel und schließlich durch den wunderschönen Nationalpark Harz führt, erreiche ich schließlich den kleinen Ort Schierke. Hier scheint bei kühlen acht Grad bereits die Sonne und von der Aufregung, die ein Rennevent immer mit sich bringt, lässt sich der Touristenort nicht weiter stören. Zu Fuß mache ich mich auf dem Weg zum Kurpark, dem heutigen Zentrum des Geschehens. Überall im Ort begegnen mir Hexen, Luchse und der Schierker Feuerstein, der Harz hat irgendwie seine ganz eigene Magie.
 
Bei der Nachnennung geht es zu wie im Bienenstock und es dauert lange, meistens wegen Menschen wie mir, die sich erst am Freitag Abend zu einem Start entscheiden, bis ich mich mit meiner Startnummer und meinem Startpaket auf dem Weg zurück zum Auto mache. Schnell umziehen, kurz in dem dünnen Trikot frieren, und dann ab aufs Rad. Auf dem Weg zum Startbereich treffe ich die üblichen Bekannten, darunter die anderen Eulen, und wie immer ist die Freude riesig, einen Renntag miteinander zu verbringen. Und als um halb zehn der Startschuss für die „Heavy“Strecken fällt, jubeln wir Marko, Dirk, Timo und Olaf schon einmal ordentlich zu. Für Marie geht es heute auf die „Medium“ Strecke, während Bene und ich die 33 km lange Kurzstrecke in Angriff nehmen. Da es mir heute ein bisschen am nötigen Rennfieber fehlt und ich die Höhenmeter im Harz mit schmerzenden Beinen kennen gelernt habe, halte ich die schnelle Kurzstrecke für angemessen. Außerdem habe ich nach den jüngsten Berichten von der Strecke doch etwas Angst um mein Bike bekommen.

Um 10 fällt der Startschuss für uns und ich kann mich mit einem zügigen Start aus dem größten Gedränge raus halten. Es geht durch den Kurpark hinein in das Zentrum des Ortes, über eine Fußgängerbrücke und dann erst einmal nur noch berghoch. Das Feld zieht sich erwartungsgemäß an der ersten Steigung bereits stark auseinander, sodass ich ohne Probleme mein Tempo finden kann. Nach einer kurzen flachen Passage geht es zur ersten Streckenteilung, wo sich das Feld wieder staut. Was bin ich nochmal? Achja, blaue Strecke, also auf in den ersten, leicht ansteigenden Trail. Und der hat es in sich! Ich riskiere einen kurzen Blick nach vorne und sehe keinen Weg, nur nasse Wurzeln und große Steine. Schaff ich das? Kurzer Blick nach hinten, Blick nach vorn – wir fahren direkt hintereinander, ich hab also keine Wahl wenn ich nicht das ganze Feld aufhalten will. Erstaunlicherweise bringe ich das Stück sauber und ohne Probleme hinter mich, immer auf das Hinterrad meines Vordermanns konzentriert. Ich passiere auch die nächste Streckenteilung, an der die erste Verpflegung bereit steht. 

Als nächstes wartet der Plattenweg, der im Vorfeld immer wieder Gesprächsthema gewesen ist. Die breiten Fahrspuren bilden Betonplatten, auf denen ziegelsteingroße Auslassungen in Karoform angeordnet sind. Ich ziehe auf den grasbewachsenen Mittelstreifen, doch als sich in der Mitte eine immer tiefere Furche bildet, wechsele ich doch wieder nach außen. Und jetzt heißt es entweder sich schön durchrütteln lassen, was das bergauf treten nicht einfacher macht, oder sauber zwischen den Löchern balancieren. Auch im Sinne meines Bikes entscheide ich mich für die zweite Möglichkeit. Irgendwann ist der Plattenweg dann aber doch zu Ende und es geht über lange Trailabfahrten wieder abwärts, bis wir auf einer Schotterpiste auf einer unbeschilderten Kreuzung stehen. Und jetzt? Wir entscheiden uns geradeaus zu fahren, bis wir 300 Metern unterhalb der Kreuzung dann die ersten Rufe hinter uns hören. Mist, falsch abgebogen, das hat Zeit gekostet!
Über einen schmalen Weg kommen wir schließlich wieder in Schierke an, ein kurzes Stück Straße und dann zeigt der Wegweiser rechts runter in den Wald. Ich verlangsame mein Tempo kaum, in Erwartung eines Trails, und sehe mich einer Treppe gegenüber. Ich schaffe es gerade noch, mein Gewicht nach hinten zu werfen und mich in Balance zu bringen, dann liegt der Kurpark auch schon vor mir. Einige Schleifen noch, dann passiere ich das erste Mal die Zeitnahme. Eine Runde geschafft, noch zwei zu absolvieren. Ich ziehe das Tempo am Berg etwas an und kann eine schnellere Gruppe Fahrer erreichen, die mich bis zum Plattenweg mitziehen, dann trennen sich unsere Wege und ich bin wieder auf mich allein gestellt. Diesmal kenne ich aber den Weg und zögere an der Kreuzung nicht, was diesmal allerdings auch nicht nötig gewesen wäre, denn nun steht ein Streckenposten bereit. „Hast du dich eben hier auch verfahren?“ ruft er mir entgegen. „Jap“. „Oh man, das tut mir echt leid“!

Kurz vor der Treppe bremse ich scharf ab und zögere ein bisschen zu lange, sodass ich mich gerade noch abfangen kann und zu Fuß den „Chickenway“ neben der Treppe nehme. Wie ärgerlich! Ich weiß doch, dass ich das kann. Manchmal ist der Sprung ins Unbekannte besser als zu viel nachzudenken. Ich gebe im Kurpark nochmal Gas und gehe kurz darauf in die letzte Runde. Erst als ich zum dritten Mal den Plattenweg erreiche begegne ich der erste Frau, die mir allerdings erklärt, dass sie noch eine ganze Runde vor sich hat. Gemeinsam bezwingen wir die letzten Meter am Berg bevor es in die Abfahrt geht. Seltsamerweise ist es auch das erste Mal in diesem Rennverlauf, dass ich mir Gedanken um die Konkurrenz und eine Platzierung mache. Die Begegnung hat meinen Ehrgeiz dann doch noch aktiviert und so sprinte ich, sobald ich wieder festen Untergrund unter den Reifen habe, Richtung Kurpark. Jetzt nicht zögern, nicht nachdenken, Bremse los, Gewicht nach hinten und die Treppe ist geschafft. Noch einmal alles geben und dann überquere ich auch schon die Ziellinie. Ich lasse mich ein Stück ausrollen und werde an der Zielverpflegung bereits von einigen anderen Eulen erwartet. Gemeinsam erfragen wir bei der Zeitnahme unsere Ergebnisse und ich darf mich über den Gesamtsieg auf der Kurzstrecke freuen.

Nachdem wir uns umgezogen und aklimatisiert haben positionieren wir uns wieder im Zielbereich, um auf die Langstreckler zu warten. Ich verschenke mein Energiegel an einen Langstreckenfahrer, der noch eine Runde vor sich hat, und mit einer 1A-Eulen-Laola-Welle wird Olaf kurz darauf im Ziel begrüßt.

Der „Endurothon“ an sich ist die Anfahrt auf jeden Fall wert gewesen. Die Strecke ist keine typische Marathonstrecke, aber die Höhenmeter und vor allem die technischen Trails sind auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Trotz der zuerst fehlenden Wegmarkierung war die Organisation sehr gelungen und die Stimmung war super. 
Ich habe meinen Rennmodus und Ehrgeiz heute leider erst auf den letzten Metern gefunden, Spaß gemacht hat es aber allemal. Meine Rennmaschine hat wieder einmal bewiesen das Specialized S-Works echte Alleskönner sind, trotzdem bin ich froh es in einem Stück wieder mit nach Hause nehmen zu können.

„Wir sind stolz auf dich. Ruhm und Ehre mögen dich auf deinen Wegen begleiten“, so steht es auf meiner Urkunde.

Love what you do and do what you love,

Evelyn