We are specialized!

We are specialized!

Mittwoch, 26. August 2015

SKS-Marathon "Rund um Zierenberg" - "Race to remember" Teil 2 (Evelyn)

Seit dem letzten Jahr steht der SKS-Bikemarathon in Zierenberg ganz fest in unserem Rennkalender und seit Wochen hatte ich das Datum im Blick. Aber in der Trainingswoche davor lief nichts wie es sollte, die Beine waren schwer, mein Bike brauchte eigentlich einen technischen Service und zu allem Überfluss warf eine Erkältung meinen Trainingsplan völlig über den Haufen. Trotzdem war ich nicht bereit, Zierenberg kampflos abzusagen und so verbrachten wir den Mittwochnachmittag im „Maurer's Baikschopp“ in Kassel. Während sich zwei Mechaniker um mein Baby kümmerten durfte ich mich mit einigen Testbikes draußen austoben. An dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank an das super coole Team, die mich einfach noch in den total überfüllten Terminkalender reingequetscht haben, damit ich nicht ohne Bremsbeläge an der Startlinie stehen muss.
 
Nachdem nun also mein Bike bereit war für das Rennen, stand nur noch die Frage aus, ob ich bis dahin wieder fit genug sein würde, denn 1000 Höhenmeter wollen schließlich auch erst einmal bewältigt werden. Als ich am Samstag von meiner Vorbelastungsrunde kam, fühlte ich mich erstaunlich gut und es stand fest: natürlich fahr ich. Ich hatte im Vorfeld einen Blick auf die Starterliste geworfen, was ich besser gelassen hätte: viele große Teams, viele starke Konkurrentinnen, sogar europäische Fahrer und dazu die Zusammenlegung der Altersklassen „Damen“ und „Masters“. Damit harkte ich eine Platzierung offiziell ab. Aber das Podium ist schließlich nicht alles, ich freute mich einfach auf ein schönes Rennen und vor allem auf die Zeit mit Vanessa und den anderen Eulen.

Also am Sonntagmorgen Taschen packen, Bike ins Auto und ab nach Hessen. Parken, Startnummer abholen, Freunde begrüßen, umziehen. Mittlerweile hat sich dieser Ablauf so eingebrannt, dass ich auch im Halbschlaf pünktlich fertig werde. Im Startbereich treffe ich Vanessa und mit ihr vergeht die Zeit bis zum Start zwischen Quatschen, Warmfahren und noch mehr Quatschen viel zu schnell. Als ich mich auf einmal in der zweiten Reihe im gut gefüllten Startblock wieder finde, bin ich immer noch erstaunlich entspannt, auch wenn mich die heftige Konkurrenz im Vorfeld sehr eingeschüchtert hat. Die anderen Eulen Dirk, Marko, Martin und Olaf sind bereits auf den längeren Strecken unterwegs, während Bene, Marie, Vanessa und ich nun auf unseren Startschuss warten. Als der endlich fällt, bin ich irgendwie trotzdem total überfordert und verpatze so einen zügigen Start. Vanessa und eine andere Dame, eine Dänin in einem schicken hellgrauen Trikot, sind über alle Berge als ich endlich aus dem schmalen Startbereich die breite Straße erreiche. Jetzt aber Kette rechts! Als wir die erste „kurze“ (8 km!!) Steigung erreichen, habe ich endlich auch ins Rennen gefunden und kann am Berg aufholen. Ich überhole im Windschatten einiger anderer Fahrer erst Vanessa und dann die Dänin, den Blick immer stur auf das Hinterrad meines Windschattens gerichtet, denn dieser Berg hat es in sich. Als wir die erste etwas flachere Passage erreichen habe ich noch einige Plätze gut machen können, bevor es nun über steilen Trails weiter bergauf geht. Wir erreichen den Gipfel des Bärenbergs und stürzen uns in die erste Abfahrt. Ich fühle mich immer noch gut, zwar etwas außer Atem, aber kein Vergleich zum Rennen im letzten Jahr. Damals hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits einen 200 Puls und das DNF vor meinem geistigen Augen schon gebucht, doch heute bin ich bester Laune und von mir selbst überrascht.

Weiter geht’s. Trails hoch, Trails runter, flache Passagen, steile Rampen, Wald soweit das Auge reicht. Ich habe gut Druck auf dem Pedal und vermeide jeglichen Blick zurück, auch wenn ich gern wissen würde, wie ich im Moment in der Platzierung läge. Am nächsten steilen Trail haben sich einige Zuschauer versammelt und jubeln uns den Berg hoch, während der Streckenposten in sein Walky-Talky ruft: „Die erste Dame geht auf die zweite Streckenhälfte!“ Was? Wow, ich führe! Kurzer Blick auf den Tacho, gut 22 Kilometer sind vorbei, und wieder Kette rechts. Es ist leider noch viel zu früh um auf den Sieg zu spekulieren, auf den kommenden 15 Kilometern kann schließlich noch sonst was passieren.

Ich konzentriere mich auf die Strecke, gebe alles und bin einfach in meinem Element. Die Trails sind trocken, aber griffig, die Strecke ist flowig, aber zügig zu fahren. Am liebsten würde ich jubeln, es läuft einfach so gut.

Ich erreiche die Streckenteilung und ziehe das Tempo noch einmal an. Gott sei Dank zieht meine Gruppe mit, denn die letzten fünf Kilometer ziehen sich noch einmal. Aber mittlerweile habe ich nur noch einen Gedanken: „Ich kann das gewinnen. Ich will das gewinnen“. Wir passieren das Ortsschild Zierenberg und mobilisieren für den Zielsprint hoch zum Marktplatz noch einmal alle Kräfte bis wir schließlich über die Ziellinie rollen. Was für ein Rennen!

Im Ziel erwarten mich bereits Bene, Olaf und Martin. Alle sind bisher sicher und zufrieden im Ziel angekommen, es wird mit Iso angestoßen, die Stimmung ist super. Als Nächste kommt die dänische Fahrerin ins Ziel und kurz darauf empfangen wir unter großem Jubel Vanessa. Zusammen feiern wir uns erst einmal ausgiebig, bevor sich unsere Wege kurz zum Umziehen trennen.

Als ich schließlich zur Siegerehrung aufgerufen werde, kann ich es immer noch nicht richtig fassen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich hier und heute gewinnen würde. Insgesamt habe ich für die 37 Kilometer heute 1:47h gebraucht, im letzten Jahr war ich genau 20 Minuten langsamer. Auch vom Gefühl her war es meine bisher beste Leistung in dieser Saison. Ich freue mich immer noch, wenn ich drüber nachdenke.













Herzlichen Glückwunsch an dich, Vanessa! Du bist einfach fantastisch gefahren, niemand kann glauben, dass du so lange verletzt warst. Es ist erstaunlich und inspirierend, wie du dich zurück gekämpft hast. Danke für den schönen Tag, wir sollten dringend öfter zusammen im Startblock stehen und die Gegner tot quatschen!

Und an die anderen Eulen: ihr seit einfach immer toll. Ihr seit das beste Team der Welt und nochmal Glückwunsch an alle!

Am Wochenende geht es weiter. Wie, wo, was, wer weiß das schon...

Keep on riding,

Evelyn


Dienstag, 25. August 2015

SKS-Marathon Zierenberg: Definitiv ein “Race to remember” (von Vanessa)


...für solche Ausblicke lohnt sich das frühe Aufstehen am Sonntag!♥
Wenn gleich ich mir nach dem SKS-Marathon in Grafschaft letzte Woche - im Zustand der völligen Erschöpfung nach der Zieleinfahrt - geschworen hatte „Ich fahre keine Rennen mehr!“, verlor diese Aussage bereits einen Tag später wieder an Bedeutung. Zwei Tage später stand fest: Ich fahre natürlich in Zierenberg mit, wie konnte ich das jemals in Frage stellen?!

Da das Training vergangene Woche sehr gut lief und ich endlich wieder die Leichtigkeit und Freude am Fahren verspürte, freute ich mich schon sehr auf den Marathon, als wir am frühen Morgen im beschaulichen Städtchen Zierenberg eintrafen. Nachdem wir uns einen zentral gelegenen „Geheimparkplatz“ gesichert hatten, der den weiten Weg bis zur Startnummernausgabe ersparte, konnten wir die verbleibende Zeit optimal für den Austausch der neusten Neuigkeiten nutzen. Das Warmfahren wurde großzügig als Gesprächsrunde abgehalten und selbst im Startblock gab es noch viel zu berichten. So klärten wir auch noch schnell ab, was im Falle einer Panne zu tun ist, da wir mit nur einem Notfall-Reparaturset, einem Schlauch und einer Luftpumpe suboptimal ausgestattet waren. Zudem versuchten wir unauffällig unsere Konkurrentinnen einzuschätzen, von denen es doch Einige gab, da die Wertung der Damenklasse von den Jahrgängen 1975 bis 1996 reichte!

Nachdem der Startschuss ertönt war, hieß es dann aber erst einmal: Kette rechts und Vollgas! Am ersten Berg - im Startblock bereits von vielen gefürchtet - erwartete uns gleich zum „lockeren Einrollen“ ein sieben Kilometer langer Anstieg. Durchhalteparolen, insbesondere eines Dackelclubs, säumten die mäßig ansteigende Teerstraße. Bei den letzten Wettkämpfen bereiteten mir die Berge noch einige Probleme, doch heute fand ich extrem gut ins Rennen. Oben angekommen verzeichnete der Radcomputer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17,11 km/h. Ich kam mir mit diesem Wert im Anbetracht der Höhenmeter persönlich sehr schnell vor und die Motivation nahm noch einmal zu. Ich hatte registriert, dass ich zwei Damen ziehen lassen musste und mich somit zurzeit an dritter Position befand. Auf den ersten Anstieg folgte eine steile Schotterabfahrt, bei der bedingt durch die extreme trockene und staubige Bodenbeschaffenheit zur Vorsicht gewarnt wurde.

Die Strecke machte richtig Spaß: Gewürzt mit einigen technischen Trails, wechselten sich Anstiege und Abfahrten moderat ab. Durch wochenlangen Regenentzug war der Boden griffig und die Strecke schnell. Dies kam mir sehr zu Gute, um meine dritte Position halten zu können. Ich war mir nicht sicher, wie viel Vorsprung ich hatte, traute mich aber auch nicht umzudrehen und Ausschau zu halten. Die letzten beiden Rennen waren für mich mehr Kampf als Fahrspaß, doch heute hatte sich dieses Gefühl völlig gewandelt und war der Freude am Fahren gewichen. Genauso, wie ich es von der letzten Saison gewohnt war. Tourentempo gab es heute nicht mehr, stattdessen endlich wieder einen fokussierten Rennmodus mit Angriffslust. Bereits nach der Hälfte der Strecke war ich mir sicher, dass ich in Zierenberg wieder zu meiner alten Stärke, der gewohnten Freude und Leichtigkeit am Fahren zurückgefunden habe. Es fühlte sich an, als ob ich eine Blockade abgelegt habe. Danke Zierenberg - das werde ich dir nie vergessen.
 
Die Kilometer flogen nur so dahin, das Zurückschalten am Berg sparte ich mir heute (nicht schalten, treten) und der Blick auf die Uhr verriet mir, dass dies heute eine gute gefahrene Zeit wird.

So überquerte ich die Ziellinie nach 1 Stunde und 58 Minuten (acht Minuten schneller als letztes Jahr) mit 37 absolvierten Kilometern und knapp 950 Höhenmetern in den Beinen.

Evelyn nahm mich in Empfang und verkündete, dass ich Dritte bin und dann freuten wir uns erst mal eine Runde - oder auch mehrere. Die Zeit bis zur Siegerehrung vertrieben wir uns mit dem Auffüllen der Kohlenhydratspeicher und dem Austausch weiterer Neuigkeiten - es hatte sich erneut wieder Einiges angestaut und man sieht sich auch echt leider viel zu selten.
Glückwunsch noch einmal zum Sieg, Evelyn! Du bist ein super starkes Rennen gefahren. Mit dir an der Startlinie zu stehen, ist immer super witzig und macht viel Spaß.
War ein toller Tag in toller Gemeinschaft. Und definitiv ein „race to remember“.
Wir sind im nächsten Jahr wieder dabei.

An welcher Startlinie wir uns nächste Woche wiederfinden, ist zurzeit noch unklar. In der engeren Auswahl steht die Deutsche Meisterschaft im Eliminator Sprint in Ortenberg. Um mal wieder etwas Neues auszuprobieren.

Keep on riding,
 
Vanessa

 
Zitate des Tages:

 „Falls du einen Platten hast, kann ich dir aushelfen, habe alles dabei! Du hältst mich dann einfach an."    (Kurz überlegt)    „Okay, und wenn du vor mir bist, dann wartest du einfach!“ „Woher soll ich denn wissen, dass du ne Panne hast, wenn du hinter mir bist??“

„Du hast so braune Beine!“  „Ach, das ist alle Staub.“

„Ah Hilfe, jetzt habe ich auch noch so einen übelsten Hobbyabdruck an der Wade!“

 „Mädels, Ihr quatscht ja den ganzen Startblock tot - habt ihr gleich überhaupt noch Luft zum Fahren?“

„Du bist noch so sauber - bist du überhaupt gefahren?“ „Ja und du siehst wieder aus! Findest jedes Matschloch, selbst wenn alles staubtrocken ist.“
 

 

Mittwoch, 19. August 2015

Da ist der Hattrick - das Race2Sky in Boffzen

Für mich stand am vergangenen Samstag ein weiteres XC-Rennen der Challenge4MTB an. Austragungsort war der kleine Ort Boffzen an der Weser, was für mich das unschlagbare Argument Heimvorteil bedeutete. Dies war einer der Gründe, warum ich mich nicht nach einem Blick auf die Teilnehmerliste spontan am Vorabend doch noch für einen Start im Sauerland entschied. Neben mir waren leider nur drei weitere Frauen gemeldet, das Teilnehmerfeld an sich war eher klein. Ja, ich bin ein Fan von kleineren Rennveranstaltungen, aber ich fahre immer dann am besten, wenn die starke Konkurrenz um mich herum mich fordert. Ich haderte ein bisschen, entschied mich dann aber doch für den Start. Immerhin hatte ich die Chance auf einen Hattrick-Sieg, denn ich hatte bereits in den vergangenen zwei Jahren das Race2Sky gewonnen, dieser Sieg wäre der Dritte.

Also konnten wir am Samstag erstmal entspannt ausschlafen, in aller Ruhe frühstücken und unsere Sachen zusammensuchen und uns dann gegen Mittag auf den Weg nach Boffzen machen. Wie für XC-Rennen üblich war das Teilnehmerfeld je nach Altersklasse in unterschiedliche Rennen aufgeteilt. Als wir die Grillhütte erreichen, läuft bereits das zweite Rennen an diesem Tag und wir kommen gerade rechtzeitig um Benes Zieleinfahrt bejubeln zu können. Bene sichert uns Eulen damit den ersten Sieg des Tages. Im Gegensatz zum Vorjahr hat das Wetter, trotz einer labilen Vorhersage, gehalten. Der technische Kurs an der Grillhütte ist trocken und scheint gut Grip zu bieten, was eindeutig eine Verbesserung zum letzten Jahr darstellt. Da hieß es im strömenden Regen und knietiefem Matsch irgendwann nur noch: Wer kann eigentlich am schnellsten mit dem Rad durch den Schlamm rennen? Wir beobachten das Treiben der Rennfahrer noch ein bisschen, jubeln hier und da und halten Ausschau nach den anderen Eulenfahrern.

Schließlich erwischt mich eine gute Bekannte und stellt mich direkt der Presse vor, was dazu führt, dass ich, deutlich früher als geplant, zum Auto zurück renne und in Vollmontur und Bike rennfertig zurückkomme. Der Reporter stellt mir einige Fragen, wie zum Beispiel wieso ich so gern Mountainbike fahre, wieso ich für den MTB-Eulenexpress fahre, was ich sonst so mache, was meine Ziele sind, was ich mir für das Rennen heute erhoffe... Am Ende weiß ich wirklich nicht mehr, was ich eigentlich alles gesagt habe, aber auf jeden Fall habe ich tapfer immer wieder die Fischteichhölle ins Gespräch gebracht. Zum Schluss bittet er mich den technischen Teil der Strecke einmal abzufahren, damit es ein paar schöne, gar nicht gestellte Fotos geben würde.

Ich war froh als Dirk und Olaf mich nach dem ungewohnten Pressetermin direkt zum Warmfahren in Beschlag nehmen. Gemeinsam fahren wir die komplette Strecke, knappe fünf Kilometer, einmal ab, wobei wir uns besonders auf die XC typischen technischen Passagen und Trails konzentrieren. Wo ist die Optimallinie? Wo kann ich Zeit sparen? Worauf muss ich achten? Als wir den Start-Ziel-Bereich wieder erreichen fühle ich mich optimal vorbereitet auf das Rennen und ordne mich im Mittelfeld des Startblocks ein. Während wir geduldig auf das Startsignal warten, sehe ich über dem Solling dunkle Wolken aufziehen, die Vorboten des vorhergesagten schlechten Wetters. Als ich das erste Mal vor fast zweieinhalb Jahren hier in der letzten Reihe des Startblocks stand, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal so entspannt, so weit vorne und so routiniert hier stehen würde. Ich muss lachen als ich daran denke, wie chaotisch und wie aufregend mein erstes Mountainbikerennen für mich war. Dass ich einmal jedes Wochenende im Teamtrikot bei Wettkämpfen starten würde, hätte ich damals niemandem geglaubt.


Schließlich fällt der Startschuss und es geht für uns in die Einführungsrunde, die uns an der legendären Himmelsleiter wieder auf die eigentliche Strecke bringt. Dieses gleichmäßig ansteigende, elendig lange Asphaltstück führt uns über gut 1,3 km bis an den Rand des Sollings heran.  Die Himmelsleiter ist immer Teil der Rennstrecke und genauso anstrengend ist sie auch jedes Mal. Ich erreiche den Wald zügig und im vorderen Teil des Feldes, auch wenn meine Pulsuhr mich mit hysterischem Piepen vor Überlastung warnt. Nachdem ich den kommenden flachen Feldweg optimal zum Überholen und ordentlich Dampfmachen nutzen konnte, erreiche ich den ersten Trail, der im Wesentlichen einfach einen Bogen in den Wald schlägt und kurz darauf wieder auf den Hauptweg trifft. Die letzte Kurve nehme ich etwas zu schneidig, mein Hinterrad driftet nach außen und ich schramme an einem Baum entlang. Mist, das hat mir jetzt nicht wirklich Zeit geschenkt.  Weiter geht’s, denn da kommt schon der nächste Trail, den ich ebenfalls zügig hinter mich bringen kann. Nach einer längeren Schotterabfahrt kommt eine längere Trailpassage in Sicht, bei der ich mich beim Warmfahren etwas schwer getan habe. Aber dank Dirks und Olafs Anweisungen kann ich mir die Optimallinie ins Gedächtnis rufen und komme gut und flüssig auf dem Wiesenweg an, der mich kurz vor der Grillhütte auf das letzte Teilstück der Strecke entlässt. Ich verlasse den Asphalt und biege auf einen schmalen Trail ein, der direkt im Start-Ziel-Bereich endet. Jetzt zwei schnelle Tritte, soviel Schwung mitnehmen wie es geht und schnell die Rampe hinauf. Geschafft! In dem kleinen Gehölz ist der Trail mit Flatterband markiert, zwei Schlenker und die Rampe auf der anderen Seite wieder hinunter. Jetzt konzentrieren, es wird eng. Ich tauche unter einem tieferen Ast hinweg, konzentriere mich auf den sandigen Untergrund und gehe in die nächste Runde. Eine geschafft, noch vier zu fahren.

Und es läuft gut für mich. Als mich auf der Himmelsleiter in der dritten Runde die ersten dicken Tropfen treffen, habe ich wieder genug Atem übrig, um meine Mitfahrer voll zu quatschen. Wir philosophieren kurz, dass es bestimmt nur ein Schauer ist und absolvieren im Platzregen die dritte Runde. Am Start-Ziel Bereich erwartet mich meine Schwester bereits, denn wir hatten abgesprochen, jetzt die Flaschen auszutauschen. Also werfe ich meine fast leere Flasche weg und strecke die Hand nach der neuen Flasche aus. Die ist allerdings offen, sodass ich auch diese zurücklassen muss.  Wenigstens haben wir genug Wasser von oben. Meine Radbrille habe ich mich bereits bei der Einfahrt in die technische Passage entledigt. Die Gläser sind für diese Verhältnissen zu dunkel, dazu der Regen und der Dreck, da fahre ich besser ohne meine Brille. Als ich zum vierten Mal den Rand des Sollings erreiche, schüttet es wie aus Eimern, die Trikots sind dreckig und die Trails werden langsam aber sich schmierig. Trotzdem komme ich flüssig durch die technischen Passagen und gehe auf die letzte Runde. Mit einem Blick auf die Uhr sehe ich, dass ich nur noch gut 12 Minuten habe um Kathrins Bestzeit aus dem vorigen Rennen zu toppen. Ich gebe an der Himmelsleiter noch einmal alles, aber spätestens auf den Trails ist mir die Sicherheit für mich und mein Bike dann wichtiger als die Topzeit.

 
Schließlich erreiche ich als schnellste Frau meines Rennens das Ziel. Ich bin nass bis auf die Haut, der Schlamm tropft aus meinen Haaren und die hellblaue Farbe meines Trikots ist kaum noch zu erahnen, aber glücklich und zufrieden bin ich trotzdem.

Nachdem ich mich und mein Bike mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet habe, sodass wir wieder zu erkennen sind und ich mich umgezogen habe, warten wir gemeinsam mit den anderen Fahrern geduldig auf die Siegerehrung. Da es noch immer regnet wird kurzerhand das Zelt der Zeitnahme für die Siegerehrung entwendet. Ich gewinne mein Rennen und meine Altersklasse, wobei die geringe Konkurrenz natürlich ihr übriges dazu beigetragen hat. An Kathrins Zeit bin ich bis auf 3 Minuten herangekommen, sodass ich die zweitschnellste Frau des Tages bin. Ich bin mit meiner Zeit trotzdem sehr zufrieden, ebenso mit dem Rennverlauf und besonders mit der fahrtechnischen Leistung.

Mein dritter Sieg bei meinem dritten Race2Sky, der Hattrick also. Wo ich dann in weiteren zweieinhalb Jahren am Start stehen werde, wer weiß. Ich hätte da so die ein oder andere Idee...
  
Am kommenden Sonntag geht es für mich zum SKS-Bike-Marathon „Rund um Zierenberg“, wo neben einer abwechslungsreichen Strecke ordentlich Höhenmeter und starke Konkurrenz auf mich und mein S-Works warten.

Bis dahin,

keep calm and bike on,

Evelyn

Zitate des Tages:


„Am Besten ziehst du jetzt deine Unterwäsche aus und machst damit deine total verharzte Kette sauber!“

„Du brauchst für Zierenberg keine neuen Bremsen, in Zierenberg geht es nur bergauf!“

„Der Baum stand auf meiner Optimallinie!“


Dienstag, 18. August 2015

SKS-Sauerlandmarathon, Grafschaft: Im Sauerland geht es WIRKLICH nur bergauf - Teil zwei

„Man muss seine Grenzen kennen, um über sie hinauswachsen zu können!“ - unter dieses Motto kann ich meinen Start beim SKS-Sauerland-Marathon in Grafschaft sehr gut stellen. Denn Grenzerfahrungen habe ich sammeln können und zwar einige.

Mit Grafschaft hatte ich sozusagen noch eine interne Rechnung offen: Im letzten Jahr hat mich ein Defekt zwei Kilometer vor dem Ziel meine zehn Minuten Vorsprung und somit den Sieg gekostet. Das wollte ich dieses Jahr besser machen. Beim Warmfahren kam dann so langsam auch wieder das gute, alte und gewohnte (letzte Woche in Nordenau stark vermisste) Rennfieber in mir auf. Es sprach also nichts gegen einen super Renntag.

Die Einführungsrunde verlief dann auch ohne Probleme und ich konnte mich recht weit vorne halten. Nachdem ich dann den Start-/Zielbereich passiert hatte und es auf die eigentliche Strecke ging, nahm ich den ersten Schluck aus der Trinkflasche - natürlich nichts Ungewöhnliches, doch damit fingen die Probleme an. Obwohl sich eine im Training bereits ausgiebig getestete und für optimal empfundene Flüssigkeit darin befand, kam mein Körper auf mysteriöse Weise heute damit nicht zurecht. Bereits ein paar Kilometer später bekam ich die Quittung mit starker Übelkeit, Magenkrämpfen und nachlassender Leistung. Ich konnte fortan das ganze Rennen über weder Flüssigkeit noch Nahrung bei mir behalten.
 
Mein Körper signalisierte mir mehrfach sehr deutlich „Gib auf!“ Doch DNF ist keine Option. Also kämpfte ich weiter. Und es war wirklich ein Kampf, gegen mich selbst, die Gedanken des Aufgebens und die Übelkeit. Die Berge wollten einfach nicht enden und ich war stellenweise so langsam, dass ich wahrscheinlich gehend schneller vorwärts gekommen wäre. Die Kraft ließ kontinuierlich nach, weil ich alle Speicher leer gefahren hatte.

Einen kurzen Motivationsschub bekam ich durch das Lob eines Fahrers für meine „Downhillqualitäten“ und die flüssige Fahrt über die Trails. Nach 50 Kilometern und 1400 Höhenmetern erreichte ich schließlich völlig erschöpft das Ziel. Der Moderator stürmte sofort auf mich zu und fragte, ob ich in zehn Minuten bereit für die Siegerehrung wäre. Mein Blick war wohl sehr erstaunt - ich hätte niemals mit einer Siegerehrung gerechnet. Sicherheitshalber fragte der Moderator noch einmal die Zeitnahme und tatsächlich: zweiter Platz Alterklasse, siebter Platz Gesamt.

Auch wenn das Rennen wegen der körperlichen Probleme vom Gefühl her nicht optimal verlief und wirklich ein extremer Kampf für mich war, nehme ich dennoch viele wertvolle Erfahrungen mit. Denn ich habe nicht aufgegeben, obwohl ich mehrfach kurz davor stand und habe nun in jedem Fall meine Grenzen neu definiert!

 
Vielen Dank auch für das Anfeuern und die Unterstützung am Streckenrand!

 
Keep on riding,

Vanessa

 
Zitate des Tages:

„Mein Handy-Akku ist leer, weil du solange gebraucht hast - also keine Bilder der Siegerehrung.“

„Jetzt hast du bestimmt 2 kg abgenommen, wie viel Watt du jetzt im Verhältnis mehr treten kann!“
 
„Jemand Lust auf MC Donalds?“

 

 
 

Mittwoch, 12. August 2015

Trainingslager im Thüringer Wald - Höhenmeter, Trails und Begegnungen auf dem Rennsteig

Am vergangenen Wochenende habe ich mich ausnahmsweise mal von Startnummern, Ziellinien und Podesten ferngehalten und war stattdessen im Thüringer Wald unterwegs. Von Freitag bis Sonntag schlugen wir unsere Zelte am Berggasthof Ebertswiese auf, einem ruhigen Fleckchen Erde in der Gemeinde Floh-Seligenthal. Ziel dieses Mini-Trainingslager war nicht umbedingt das Sammeln von Kilometern, sondern vielmehr die Technik auf den ausgedehnten Trailpassagen zu verbessern und mehr Sicherheit zu gewinnen. Und natürlich, was auf dem Rennsteig unvermeidlich ist, viele viele Höhenmeter zu absolvieren.

Der Rennsteig eignete sich für alle meine Ziele perfekt. Der Wanderweg führt quer durch den Thüringer Wald, mal breiter, mal schmaler, mal Forstautobahn, mal Single-Trail. Für Mountainbiker ein echtes Eldorado. Trotzdem fiel ich mit meinem engen Marathontrikot, dem Hardtail und dem akribischen Blick auf die Pulsuhr hier völlig aus dem Raster. Die vielen Biker, die hier unterwegs sind, sind tiefenentspannte Tourenfahrer: viele haben ihr komplettes Gepäck auf dem Rücken, andere setzten auf den integrierten Rückenwind und fast alle sind mit vollgefederten Bikes unterwegs. Freundlich gegrüßt wird man aber in jedem Fall, egal ob von Wanderern oder Bikern. Die zunehmend an Bedeutung gewinnende Debatte um die gemeinsame Nutzung von Erholungsgebieten, die immer wieder durch die Konflikte zwischen Reitern, Wanderern und Bikern angestachelt wird, wirkt hier völlig inhaltslos. Ich kann natürlich nur für mich und aus meinen Erfahrungen der letzten Jahre im Thüringer Wald sprechen, doch hier scheint das Miteinander völlig spannungsfrei zu funktionieren.

Und so führen uns die Trails zur Schmalwasser-Talsperre nach Tambach-Dietharz, die allerdings schon fast mit den oberitalienischen Seen mithalten kann. Zum neuen Biathlon-Stadion nach Oberhof, wo man auch im Sommer Ski fahren kann. Zum eiskalten Bergsee. Und zu vielen wunderschönen Orten, die man einfach selbst gesehen haben muss.

Am kommenden Samstag steht für mich mein Heimrennen in Boffzen an, ein XC Rennen der Challenge4MTB. Am Sonntag lockt der Harz zum Benneckensteiner Mountainbike-Event, welches gleichzeitig auch ein Benefizrennen ist und den Nachwuchs unterstützt.

Mein Rennplan für die zweite Saisonhälfte ist ausgelastet, aber ich freue mich auf jedes einzelne Rennen, auf viele weitere nette Begegnungen, spannende Locations und das unvergleichliche Kribbeln im Startblock.

Evelyn