We are specialized!

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Dienstag, 28. Juli 2015

Stüken-Wesergold-MTB-Cup in Rinteln

Nach dem ersten rennfreien Wochenende nach fast drei Monaten, an dem ich schon ernsthafte Entzugserscheinungen gezeigt habe, ging es an diesem Wochenende zum XC-MTB-Cup nach Rinteln. Nachdem ich im letzten Jahr dort ein super Rennen fahren konnte, freute ich mich besonders auf das Event an der Weser. Da es kaum ein Rennen gibt, dass so zuschauerfreundlich und zentral ist, machten sich am Sonntag Morgen sogar zwei Autos aus dem heimischen Dorf auf den Weg zum Stüken-Wesergold-Cup.

Als wir kurz vor Mittag den zentral gelegenen Marktplatz, das Zentrum des Geschehens, erreichten, waren die Unwetter des Vortages vergessen und die Sonne zog alle Zuschauer in die zahlreichen Cafes und Restaurant nach draußen. Meine Eltern suchten sich einen Platz mit Blick auf die Strecke und konnten so die Zeit bis zu meinem ersten Start problemlos mit Kaffee überbrücken. Während wir uns auf den Weg zur Nennstelle machen, nehmen wir schon einmal die ersten Hindernisse der Strecke in Augenschein. Der Kamelbuckel auf der Startgeraden ist einer kleineren Rampe gewichen und die große Rampe an der Kirche ist auf die andere Seite gewechselt. Viele Fahrer sind bereits dabei sich mit der Streckenführung vertraut zu machen und immer wieder fliegen wohlbekannte Eulenfahrer vorbei. Während wir auf unsere Nennung warten, treffen wir auf viele bekannte Gesichter, viele Umarmungen und viele Spekulationen über die beste Taktik auf der engen kurvigen Strecke. Ich ertappe mich dabei, wie ich allmählich unruhig werde. Ich will nun auch endlich aufs Bike und die Strecke testen. Als wir endlich die Startnummern in der Hand haben, joggen wir zügig zu unserem „Begleitfahrzeug“ zurück. Schnell umziehen, Baby auspacken und schon geht es auf die Strecke. Der Großteil des Rennens spielt sich rund um den Stadtpark in Rinteln ab. Klingt wenig spektakulär, ist aber dank zahlreicher sehr enger Kurven, kurzer Anstiege und kurzer Trailstücke nicht zu unterschätzen. Ich fahre die Strecke zweimal flüssig ab und treffe gerade rechtzeitig wieder am Start ein, um auf den geballten Rest meines Teams zu treffen. Gemeinsam feuern wir die kleinsten Vereinsmitglieder an, die ein super Rennen fahren. Ich bin immer wieder total fasziniert, wie gut fünfjährige Kinder mit ihren Rädern umgehen können und so ein Rennen meistern. Viel schneller als geplant ist es für uns Zeit, sich in den Startblock einzuordnen. Im Hauptrennen starten die Altersklassen jeweils eine Minute versetzt, sodass ich nicht nur im ersten Startblock, sondern dort auch noch in der zweiten Reihe stehe. Da es auf der engen Strecke wenig Möglichkeiten zum Überholen gibt, muss auf jeden Fall ein guter Start her, um aus dem Gröbsten raus zu sein. Noch 10. Einatmen, einklicken, ausatmen, Start. Ich erwische einen wirklich guten Start, komme problemlos über die erste Rampe, lege mich voll in die erste Kurve und kann vor der engen Einfahrt in den Stadtpark noch einige Fahrer überholen, sodass ich als 5. Fahrer überhaupt den Wall erreiche. Doch da passiert es. Ich kann das Zischen hören und spüre, wie der Widerstand an meinem Hinterrad zunimmt, doch ich wehre mich gegen die Vorstellung, dass das jetzt ernsthaft mein erster Platten bei einem Rennen sein soll. Doch ich muss anhalten und es ist wirklich nicht zu übersehen: mein Hinterreifen ist platt. Ich sehe Dirk ein paar Meter weiter die anderen anfeuern und renne hysterisch auf ihn zu, dann rennen wir samt meinem Rad zu seinem Auto, welches Gott sei Dank nur 50 Meter abseits der Strecke geparkt ist. Dirk kann mir einen 26er Schlauch leihen und beginnt zügig und konzentriert meinen Schlauch zu wechseln, während ich völlig desillusioniert zusehen muss, wie alle anderen Fahrer ihre Runden über den Wall drehen. Inzwischen haben sich auch mein Vater und mein Freund den Weg zu mir gebahnt und versuchen mich zu trösten. Dirk hat inzwischen bereits mein Rad wieder zusammengesetzt und ich beginne die Aufholjagd. Ich gebe wirklich alles, knalle mit blockierten Bremsen um die engen Kurven im Stadtpark und lasse den Wall hinter mir. Kette rechts, zurück in die Innenstadt. Ich kann einige Fahrer auf der langen Geraden überholen, bis schließlich die zwei kleineren Rampen in Sicht kommen, wo ich das Tempo rausnehmen muss um nicht aus der Kurve zu fliegen. Als ich schließlich die Rampe an der Kirche erreiche, habe ich zumindest alle meine direkten Konkurrentinnen wieder eingeholt und liege, als ich die erste von sechs Runden beende, wieder auf Platz 1. Ich bin wieder versöhnt mit der Welt und erreiche den Stadtpark, fahre zügig durch die Kurven und habe kurz darauf Mühe, mein Bike an der nächsten Kurve stabil zu halten. Was ist denn da los? Das kann doch nicht sein. Ich gebe noch mehr Druck auf die Pedale und muss mit einem Blick nach unten feststellen: Mein Hinterrad ist platt.
Das Bild sagt eigentlich alles über mein Einzelrennen aus...
Mit zusammengepressten Lippen und mühevoll zurückgehaltenen Tränen verlasse ich die Strecke und treffe wieder auf Dirk, der genauso fassungslos ist wie ich. Doch wieder animiert er mich zum Weitermachen, wir joggen zu seinem Auto, doch jetzt heißt es flicken. Während Dirk kurz und fachkundig meinen Vater und meinem Freund erklärt, was jetzt zu tun ist, stehe ich einfach nur da und sehe den anderen Fahrern bei ihrem Rennen zu. Gemeinsam wird mein Schlauch geflickt, mein Hinterrad wieder eingesetzt und der Schnellspanner geschlossen. Inzwischen wurde die letzte Runde eingeläutet und ich habe nur noch ein Ziel: diese Runde beenden und die Ziellinie erreichen. Wieder auf die Strecke. Diesmal komme ich nicht einmal eine Runde weit, schon an der nächsten Ecke ist Schluss, denn: Mein Hinterreifen ist platt. Ich weiß inzwischen nicht mehr ob ich lachen oder weinen soll, doch schließlich siegt dann doch der Kampfgeist und ich renne los. Mit meinem Rad in der Hand jogge ich den Wall hoch, den Wall runter, über die Rampen und erreiche schließlich das Ziel. Die anderen Eulen nehmen mich in Empfang und Timo nimmt sich sofort meinem Plattenproblem an. Wir „wandern“ zu seinem Auto, nehmen in aller Ruhe nochmal mein Hinterrad auseinander, tasten den Mantel nach Fremdkörpern ab und begutachten den Schlauch. Wir haben wohl in dem Stress der Rennsituation ein zweites, deutlich kleineres Loch einfach übersehen. Auch Timo gehört noch zu den wenigen Fahrern, die dem 26er Laufrad treu geblieben sind, und kann so mit einem neuen Schlauch aushelfen. Wir nehmen uns diesmal mehr Zeit und ich bekomme eine weitere fachkundige Anleitung zum Schlauchwechsel.

Als wir fertig sind machen wir uns auf den Weg zurück zum Marktplatz, wo die Siegerehrung bereits begonnen hat. „Jetzt zur Siegerehrung der Damen. Auf dem dritten Platz: Evelyn Behre vom MTB Eulenexpress!“ Was?? Ich bin trotz drei Platten, 2 km Joggen und ganzen 7 km in 50 Minuten nicht die Letzte? Keine Zeit für weitere Überlegungen, ich schwinge mich auf mein S-Works, bahne mir den Weg durch die zahlreichen Zuschauer und nehme, wenn auch mit nicht ganz überzeugtem Lächeln, meine Urkunde entgegen.

Insgesamt sind heute 17 Eulen aller Altersgruppen am Start und als wir uns dann alle gemeinsam über den Kuchen hermachen und in der Sonne auf den Start des Teamrennens warten, ist es einfach eine tolle, fast familiäre Atmosphäre, auch wenn ich einige zum ersten Mal persönlich treffe. Mit unserer geballten Eulenpower wollen wir nun das Teamrennen rocken, denn wir sind mit drei „Fischteichhöllen“-Teams am Start und haben Großes vor. Ich habe mich inzwischen wieder soweit gefangen, dass ich Witze über mein Pech machen kann und das Lachen wieder ausgelassener ausfällt. Trotzdem haben wir unser Team auf vier Fahrer erweitert, denn die drei schnellsten werden gewertet. So will ich vermeiden, dass ich mit einem weiteren Defekt die Chancen für mein Team zerstöre.

Wir wechseln die Startnummern und machen uns, fast eine Stunde vor Rennstart, auf den Weg in den Startblock. Wieder stehe ich, diesmal in mitten von den anderen Eulenfahrern, in der zweiten Reihe. Diesmal ist das Gedränge im Startblock größer, es wird mehr geschoben, die Stimmung ist deutlich angespannter. Kampfansagen fliegen durch die Luft, Blicke werden getauscht, Teamtaktiken besprochen.
Der Start ins Teamrennen
Die Taktik der „Fischteichhölle 2“ ist ebenso einfach wie einprägsam: Drei Runden Kette rechts und volle Power.  Ich bin mittlerweile schon erschöpfter als nach einem Marathonrennen und habe nichts mehr zu verlieren, dementsprechend entspannt bin ich als der Countdown gestartet wird. Der Startschuss fällt und wieder komme ich gut durch die Startzone, die erste Rampe und auf geht’s in den Stadtpark. Diesmal läuft es einwandfrei. Wall hoch, Wall runter, Trail hoch und dann Power auf der Straße zurück in die Innenstadt. Die Rampen hoch, die Rampen runter, Kette rechts und die erste Runde ist vorbei. Noch kann ich meine Führung bei den Frauen behaupten, doch ich habe Moni und Kathrin an meinem Hinterrad und muss ganz schön kämpfen. Aber es macht einfach Spaß!
Endlich wieder fahrend!

Kurz vor dem Ende der zweiten Runde überholt mich Moni und zieht uns mit sich. Die dritte Runde bricht an, jetzt noch einmal alles geben. Ohne Probleme am Wall sprinten Kathrin und ich Seite an Seite durch die Innenstadt, knallen gemeinsam die steile Rampe hinauf und um die letzte Kurve. Im Zielsprint überholt mich Kathrin dann doch, meine Waden brennen und ich bin vermutlich erschöpfter als nach einem normalen Marathonwettkampf, trotzdem ist das Gefühl im Zieleinlauf super. Wir Eulen feiern uns noch ein wenig gegenseitig, dann werden auch schon die Ergebnisse ausgerufen. Unsere Teams liegen auf Platz 3, Platz 4 und Platz 7. Moni gewinnt vor Kathrin und mir die Einzelwertung, und als wir gemeinsam das Podium erklimmen und uns noch einmal feiern lassen, ist mein Lachen auch wieder echt.















Am Ende machen wir uns mit zwei Bronzemedaillen auf den Weg nach Hause. Klar hatte ich mir mehr erhofft von diesem Rennen, aber zum Radsport gehört eben neben der körperlichen Leistung auch immer die Technik. Ich hatte in dieser Saison so viel Glück mit meinem Rad, das mich quasi immer defektfrei ins Ziel gebracht hat! Defekte gehören nun mal dazu, auch wenn es sehr ärgerlich ist. Trotzdem hatte ich einen tollen Tag mit meinem Team, die Stimmung war einfach unbeschreiblich! Danke an dieser Stelle nochmal an Dirk, der fast seinen Start verpasst hätte, weil er mir geholfen hat und Timo, der sich am Ende nochmal so viel Zeit für mein Rad genommen hat.
Die Renntage mit euch sind immer etwas ganz Besonderes!

Danke auch an meine Eltern, die extra mitgefahren sind und mich dann wie immer tatkräftig unterstützt haben, heute in Form von zahlreichen Mechanikereinsätzen.

Und danke an meinen wunderbaren Freund, der heute so manchen Kilometer mit mir gelaufen ist, meine Achterbahnfahrt der Stimmung mitgemacht hat und einfach alles getan hat, damit ich weiterfahren kann.

Nächstes Wochenende steht der Marathon in Bischhausen an, diesmal allerdings mit Flickzeug, Schlauch und Luftpumpe im Gepäck. Man weiß ja nie.


Keep calm and ride on,


Evelyn



 Zitate des Tages:

-"Und da kommt die Titelverteidigerin! Oh, heute zu Fuß!"


-"Das ist mein selbstgemachtes Energie-Gel aus Espresso und Honig.
- Ah ja cool, bei mir schlägt Kokain auch immer sofort an!"







Montag, 20. Juli 2015

Hessische Meisterschaften Einzelzeitfahren in Stadtallendorf: Der Kampf gegen die Uhr!


Nach meiner über zweimonatigen Zwangs-Wettkampfpause waren die Euphorie und der Drang nach „Endlich wieder an der Startlinie stehen!“ so groß, dass ich mich dazu in der Lage fühlte, eine bis dato noch nie gefahrene Disziplin in Angriff zu nehmen. Einzelzeitfahren. Da ich mich momentan auf dem Straßenrad ohnehin noch wohler und sicherer fühle als mit dem Mountainbike im Gelände, boten sich die Hessischen Meisterschaften im Einzelzeitfahren in Stadtallendorf also gerade zu an. Davon überzeugt, dass meine Form die Nachteile durch das nicht vorhandene spezielle Zeitfahr-Equipment („Lenkeraufbau, ach brauchst du nicht, kannst du dich ja sowieso nicht abstützen!“) schon wettmachen würde, schickte mein Trainer die Nennung ab.

Schauplatz der Meisterschaften war ein ehemaliges Kasernengelände in Stadtallendorf. Wo einst die Panzer rollten, nahmen nun die Zeitfahr-Spezialisten die gut ausgebaute Straße unter ihre Räder. Das Gelände war beeindruckend weiträumig und gruselig zugleich. Deuteten Schilder beim Einfahren auf die Gefahren für Leib und Leben hin und säumten einige Panzer als Reliquie vergangener Zeiten den Wegesrand. Das riesige Areal bot allerdings perfekte Bedingungen zum Warmfahren. Und dabei war bei 36 Grad (und es geht noch heißer) eigentlich ohnehin allen Teilnehmern schon warm genug. Es gab auf dem Gelände soviel zu entdecken, dass wir darüber hinaus fast den Start versäumten.

Bei der Rad- und Fahrerkontrolle vor dem Start musste ich dem Wertungsrichter vom Hessischen Radfahrverband eingehend versichern, dass ich keinen Trainerfunk habe (Welche Vorteile hätte ich daraus beim Einzelzeitfahren auch ziehen sollen?!), sondern lediglich meine perfekt auf die Strecke abgestimmte Playlist per MP3-Player hören möchte. Nach Rücksprache mit anderen Verantwortlichen gab er mir schließlich die Freigabe und ich fand mich im Startzelt ein, wo ich um 15:13 Uhr auf die Strecke geschickt wurde. Ich fuhr die 13,5 km in einer Zeit von 24:46 Minuten, somit ein 31er Schnitt. Damit bin ich mehr als zufrieden, da ich über die gesamte Distanz die maximale Leistung abrufen konnte und wirklich sehr gute Beine hatte.;-)


Nach guten Leistungen verlangt es die Tradition auf der Heimfahrt einen Stopp bei einer großen Fast-Food-Kette einzulegen. Im Prinzip nur um einen Kaffee zu trinken, weil die den dort so gut hinkriegen. Der Blick auf die verbrauchten Kalorien verleitet jedoch auch immer noch dazu, auch ein wenig feste Nahrung aufzunehmen.


Alles in allem bin ich einfach glücklich endlich wieder ins Renngeschehen einzutauchen. Die Wochenenden waren ohne Wettkämpfe doch irgendwie leer und sinnfrei. Nächstes Wochenende geht es für mich noch einmal ein paar Tage ins Trainingslager, um dann im August noch einmal anzugreifen oder es zumindest zu versuchen.;-)

 Keep on riding,

 Vanessa

 
Zitate des Tages:

  • „Ich bin fast die Einzige ohne Zeitfahrrad!!“
          „Ach nur die schlechten Fahrer brauchen spezielles Zeitfahrzeugs.“
  • „So da haben wir 240 Watt durch 48 - zack genau 5. Perfekt.“
  • „Ras´ doch nicht so, du sitzt jetzt im Auto und nicht mehr auf dem Rad.“
  • „Dein Trikot sitzt doch hauteng, du brauchst keinen Lyra-Einteiler.“
  • „Machst du das mal fest?“
         „Der Rücken bietet nicht genug Platz, um die Startnummer anzubringen.“
  • „Macht mal jemand die Schranke auf? Mein Begleitfahrzeug muss noch durch.“

 
 

Samstag, 18. Juli 2015

Ars Natura Marathon Neumorschen - wir kommen auf jeden Fall wieder!

„Ars Natura Marathon Neumorschen. Komm schon, das Streckenprofil müsste dir eigentlich super liegen“. Das Erste was mir dazu einfiel: Ars Natura klingt wie eine Bio-Lebensmittelmarke. Aber da ich den ersten Teil meiner Prüfungsphase gut hinter mich gebracht hatte, sprach nichts dagegen am Wochenende wieder nach Hause zu pendeln. Also Ausschreibung suchen, Google Maps anschmeißen und schon war die Nennung geschrieben.  An diesem Sonntag musste ich allerdings ohne meine Top-Managerin, Trainerin und Musikbeauftragte auskommen, deren Arbeitsplan sich nicht sehr rennfreundlich gestaltete. Dafür erklärte sich mein Vater bereit, mich zu begleiten, was mich genauso freute.

Als wir am frühen Sonntag morgen die Sportanlage Neumorschen erreichen, könnte die Stimmung nicht idyllischer sein: Die Kirchglocken läuten, die Sonne scheint bereits und die Fulda schlängelt sich durch den Ort. Ich melde mich an, erhalte meinen Transponder und meine Startnummer und genieße die entspannte familiäre Atmosphäre um mich herum, die so nur ein eher kleineres Rennen ausstrahlen kann.

Nach und nach treffen die anderen Teilnehmer ein, darunter auch die Eulen Marie, Marko, Bene, Olaf und Dirk, sowie Kathrin. Gemeinsam machen mir uns rennfertig, befestigen die Startnummern am Lenker, diskutieren über den perfekten Platz für die zweite Flasche (letztendlich wird mein Papa eingespannt) und über das Höhenprofil. In perfekter Eulenformation (ich hätte das so gern mal aus der Zuschauerperspektive gesehen!) fahren wir uns zusammen ordentlich warm, bis wir uns schließlich um kurz vor zehn im doch gut gefüllten Startblog einordnen. Wir haben uns alle in den vorderen drei Reihen platziert, eine gute Ausgangsposition. Marie, Bene und ich starten auf der Kurzstrecke, was für uns 34 km statt 44 km bedeutet, da aufgrund des heftigen Unwetters in der letzten Woche die Strecke komplett umgelegt werden musste. Kathrin, Olaf und Marko starten auf der Mittelstrecke und Dirk nimmt die Langstrecke ins Visier.

Schließlich fällt der Startschuss. Jetzt konzentrieren, um in dem dichten Gedränge nicht zu Fall zu kommen und dann Kette rechts. Der Weg führt uns durch Neumorschen, über die Fuldabrücke nach Altmorschen, durch Altmorschen, aus Altmorschen heraus. Wir haben allesamt einen guten Start erwischt und knallen nun gemeinsam durch die Straßen. Marie und ich hängen uns an Marko und Kathrin, die vorne ordentlich Dampf machen. Ich muss ganz schön reintreten und vermeide bewusst den Blick auf die Pulsuhr, denn ein koordinierter und durchdachter Start sieht sicher keinen 190er Puls auf den ersten 4 Kilometern vor. Gerade als ich darüber nachdenke, doch lieber etwas Tempo rauszunehmen, wird der Weg schmaler und steigt nun deutlich zum Wald hin an. Endlich! Das ist doch schon eher mein Ding. Wir schlagen uns, immer noch soweit zusammen, die lange Rampe hinauf, aber auf einmal habe ich den Platz und die Beine um Boden gut zu machen und ziehe an den anderen vorbei. Ich überhole ein weiteres großes Fahrerfeld, selbst überrascht über meine eigene Kraft, und schließe mich auf dem nun breiten Forstweg, einer kleinen Gruppe Teamfahrer an. Schon 7 Kilometer geschafft! Und ich habe meine Flasche noch! Das ist doch mal was!

Bester Laune rausche ich über die mal schmaleren, mal breiteren, mal abschüssigen und mal bergigen Forstwege, völlig im Flow gefangen. Die Strecke ist super zu fahren, die Trails sind feucht, aber griffig, und der regelmäßige Wechsel von Berg und Tal Passagen, breiten Wegen und schmalen Trails ist abwechslungsreich.

Am Ende eines steilen Trails erreichen wir Spangenberg. Ich habe mich wieder einem Teamfahrer aus dem Harz angeschlossen, mit dem ich schon einige Rennen zusammen gefahren bin. Gemeinsam sprinten wir durch den Ort, genießen am Rand den Applaus der Zuschauer und passieren die Verpflegungsstation. Da ich meine Flasche immer noch dabei habe (und wir sind schon bei Kilometer 23!) und es gerade so gut läuft, fahren wir zügig weiter. In der nun folgenden 2 Kilometer langen Straßenpassage bin ich mehr als dankbar für den Zug meines Mitfahrers, denn auf offener Fläche, im Wind und allein hätte ich sicher viel Zeit verloren. So legen wir noch einmal deutlich an Tempo zu und wechseln uns im Wind ab.

Schließlich steigt der Weg wieder zum Wald hin an und als wir in den schattigen Wald eintauchen, habe ich nur noch gute 8 Kilometer vor mir.
Die es allerdings noch einmal in Sich haben. Die Strecke führt steil bergan und immer wenn man sich gerade der Annahme hingeben wollte, jetzt endlich oben zu sein, erscheint der nächste, noch steilere Teil der Passage.

Zwei Fahrer überholen mich und gemeinsam gehen wir die letzte Teilstrecke an. Während wir uns über die Transalp unterhalten (nicht dass ich schon einmal dabei gewesen wäre...) passieren wir zügig den frisch geschotterten Forstweg, der extrem unangenehm zu fahren ist, besonders als es wieder bergab geht. Schließlich erreichen wir den letzten abschüssigen Trail und ich drehe noch einmal auf, motiviert von den aufmunterten Rufen meiner Mitfahrer, was dazu führt, dass meine Flasche sich doch noch verabschiedet. Und ich hatte gedacht der Fluch wäre gebrochen.

Der Trail gibt uns in Neumorschen wieder frei und gemeinsam verabreden wir uns auf den letzten 500 Metern zum Zielsprint. Ich gebe noch einmal alles, doch ich kann nicht mithalten. Als mein Mitfahrer das merkt, dreht er sich um, reicht mir die Hand und zieht mich kräftig nach vorn. Was für eine tolle Geste! Dieser Schub reicht mir und gemeinsam durchqueren wir, ich zur Abwechslung mal ausgiebig jubeln, die Ziellinie.

Am Ziel erwarten mich bereits mein Papa und Bene, die mir zum Sieg gratulieren, und ich gebe es intuitiv an Bene zurück, der mit einer hervorragenden Zeit seine Altersklasse gewonnen hat und trotz Defekt unter die TopTen gefahren ist. Als auch ich schließlich meinen Zettel bekomme, freue ich mich riesig über den Sieg in meiner Altersklasse und den Gesamtsieg auf der Kurzstrecke. Die Stimmung ist gut und so jubeln wir erst Kathrin, dann Marko in die zweite Runde. Und da kommt auch schon Marie ins Ziel gefahren, die wir unter frenetischem Jubel empfangen, da auch sie mit einer super Zeit aufs Podium gefahren ist. 

Nachdem nun alle im Ziel beziehungsweise in der nächsten Runde sind, verlassen wir den Zielbereich kurz um Marie, die unglücklich einen Busch gestreift hat, zu den Sanitätern zu begleiten, und um uns umzuziehen. Wir sind noch gar nicht richtig fertig, als die Lautsprecherdurchsage bereits die Siegerehrung der Kurzstrecke ankündigt. Bene hat mit deutlichem Abstand gewonnen und erklimmt, unter lautem Eulenjubel, das Podest. Als nächstes sind Marie und ich dran, die Siegerehrung der Altersklasse steht an. Alle einmal aufs Podium, Medaillen abholen, Fotos machen. Check.
Siegerehrung Teil 1

und Teil 2


Also alle wieder zurück zum Auto, wo wir auf unserer Picknickdecke die weiteren Zieleinfahrten bei einer Portion Nudeln beobachteten. Keine zwei Minuten später die nächste Lautsprecherdurchsage: „Wir bitten alle Platzierten der Gesamtwertung zur Siegerehrung und fangen an mit den Frauen...“ Mist. Beine in die Hand nehmen, im Rennen Trikot anziehen und zur Siegerehrung Teil Zwei hechten. Alle wieder aufs Podium, diesmal die wunderschönen Pokale entgegen nehmen, Fotos. Alle wieder das Podium räumen. Ach nein, halt Stop, bitte alle wieder aufs Podium, denn ich bekomme als Gesamtsiegerin noch ein gelbes Langarmtrikot. Wieder Fotos machen. Siegerehrung Teil Drei erledigt.
und weil es so schön war hier Teil 3

Wir sind gerade rechtzeitig fertig, um Dirk ein zweites Mal den Zielbereich durchqueren zu sehen. Während es für ihn in die dritte Runde geht, kommt Olaf als Zweiter seiner Altersklasse ins Ziel, ebenfalls mit einer Topzeit, doch ein Defekt hat ihn leider den Sieg gekostet.

Als wir auch Kathrin und Marko ins Ziel gejubelt haben, gehen wir erst einmal alle das Catering testen. Kathrin gewinnt souverän die Mittelstrecke und auch Marko ist super platziert.

Es war einfach ein traumhafter Tag für mich. Liebe Eulen und Kathrin, es ist immer super lustig und einfach schön mit euch, ihr seit echt der Wahnsinn! Wir haben halt doch den besten Verein der Welt.
Ganz vielen lieben Dank an meinen Papa für die Unterstützung und einfach für alles.

Die Veranstaltung war gut organisiert und gerade wegen seiner familiären Atmosphäre so besonders, ich werde auf jeden Fall gern wieder kommen.

Das Rennen an sich hat einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht, die Strecke war abwechslungsreich und gut zu fahren, und mit 1:37 h bin ich mit meiner Leistung mehr als zufrieden.

Am kommenden Wochenende habe ich zur Abwechslung kein Rennen geplant, erst in zwei Wochen geht es zum MTB Cup (City-XC) nach Rinteln, ein Rennen, auf das ich mich schon wahnsinnig freue. Und schließlich steht die Mission Titelverteidigung an.

Bis dahin,

Evelyn




Zitate des Tages:

„Ja, ist schon okay, wir machen es uns selbst“ (Zitat aus der Siegerehrung)

  - Hey, du bist ja ein Mädchen!
      Äh ja? Und?
      Mich hat noch nie ein Mädchen überholt! Das gibt’s doch nicht! Wie frustrierend!
      Na offensichtlich wurde das aber mal Zeit!!“


Donnerstag, 9. Juli 2015

Challenge4MTB – Allersheimer MTB Cup: Die Hitzeschlacht von Neuhaus


Nach einer sehr heißen Trainingswoche stand am Samstag der 3. Lauf der Challenge4MTB an, der Allersheimer MTB Cup in Neuhaus. Der Wetterbericht kündigte den vorerst heißesten Tag des Jahres an, Temperaturen bis zu 39 Grad, Warnungen vor Kreislaufschwierigkeiten und hohen Ozonwerten. Aber Renntag ist Renntag und Wetter ist schließlich nur eine Begleiterscheinung oder Ausrede.

Also die kurzen Trikots eingepackt, Kühltasche gefüllt und ab geht’s am frühen Samstag Morgen bei angenehmen 22 Grad in den Solling. Ich habe wieder meinen allergrößten Fan, meine Managerin und Coach in einer Person dabei, sprich: meine Schwester Carolin.

Gemeinsam holen wir mein Starterpaket ab, bringen die Startnummer an meinem Specialized S-Works an und machen es uns auf dem bereits jetzt stark erwärmten Parkplatz gemütlich. Das Treiben im Fahrerlager ist heute von Hitzepräventionsmaßnahmen geprägt, die Sonnencreme wird herum gereicht, die Flaschen immer wieder nachgefüllt und die Kleidung immer weiter reduziert, bis sich die ersten Fahrer schließlich oberkörperfrei warmfahren. Nachdem ich aus meinem stetig wachsenden Sortiment an Energiegels, -riegeln und –pulvern die passende Variante für das heutige Rennen ausgewählt habe, beginne ich mich warm zu fahren, auch wenn mir keiner einen Sonnenschirm dabei über den Kopf hält, wie das bei den Profis gang und gebe ist.

Ich gondele den ersten Teil der Wettkampfstrecke hinauf, die lange Steigung durch die Eichenallee. Die Luft ist warm, mir persönlich schon deutlich zu warm. Regen, Hagel, Schnee, Matsch in allen Variationen: alles kein Problem, dagegen kann man sich ja anziehen oder warm fahren oder gewöhnen. Aber Hitze und Wärme liegen mir nicht besonders. Trotzdem habe ich ein gutes Gefühl und Dank der tropischen Trainingswoche hatten wir ja alle Gelegenheit, uns an das Wetter zu gewöhnen.

Ein letztes Mal zum Basislager, äh Auto, und die letzten Rennvorbereitungen vornehmen. Meine Schwester legt mir nahe, mir auf jeden Fall eine zweite Trinkflasche mitzunehmen. Aber die müsste ich ja hinten ins Trikot stopfen. Und mitschleppen. Dabei gibt es doch extra wegen der Hitze weitere Verpflegungsstationen, weshalb ich mich also gegen die zweite Trinkflasche entscheide. Was ich später bitter bereuen werde.

Um kurz vor zehn stehe ich im vorderen Teil des gut gefüllten Starterfelds und schwitze mit den anderen Fahrern bei 31 Grad um die Wette. Um mich herum haben sich vier weitere Fahrerinnen eingefunden, davon eine starke Niederländerin, die ich schon beim Warmfahren bemerkt habe. Weitere Fahrerinnen erblicke ich im hinteren Teil des Fahrerfeldes, aber ich habe den Überblick in diesem Gedränge verloren.
Nach den letzten Hinweisen auf die Verpflegungsstation und die Risiken bei der Hitze fällt der Startschuss für die Mittelstrecke. Ich erwische einen guten Start und kann an der Steigung schon einmal einige Plätze gut machen. Innerlich jubele ich bereits als es in die lange Gerade geht und ich zügig hochschalte. Oder hochschalten wollte. Mein neuer Standartdefekt, der Kettenklemmer, hat mich wieder einmal erwischt, obwohl ich am Vortag noch meinen Mechaniker vom Feierabendbier abgehalten habe. So ein Mist. Ich fahre an den Rand und während ich, mit mittlerweile geübteren Fingern die Kette löse und dann wieder spanne, überholt mich gefühlt das ganze Feld, inklusive der ersten Frauengruppe. Doppelmist, das war es mit dem Vorsprung.

Nicht weiter ärgern, Blick nach vorn und die Verfolgung aufnehmen. Ich knalle, wieder völlig ich selbst, den nächsten Trail abwärts. Bevor ich mich eines besseren besinnen kann, höre ich einen dumpfen Aufprall und Bingo, das war meine Flasche. Naja, wir kennen das ja schon, Willingen lässt grüßen. Was ist denn nur los?
Zum Trost kann ich am nächsten Berg mit einer Bergsprinteinheit drei der vier anderen Fahrerinnen hinter mir lassen, darunter die blonde Niederländerin.

Kathrin, Lokalmatadorin und Challenge-Fahrerin, hat sich allerdings weit nach vorne abgesetzt und macht ordentlich Druck, sodass ich fast 20 Kilometer brauche, bis ich sie eingehole. Gemeinsam planen wir, die weitere Strecke anzugehen, die nun durch ein schwül warmes Bachtal wieder hinauf in den Wald führt. Wir brauchen beide einen kurzen Zwischenstopp an der Verpflegungsstation, wo ich eigentlich vorhabe, mir eine Flasche besorgen, die sie leider nicht haben. Mist. Also wieder Wasser runterstürzen und wieder antreten. Kathrin zieht die Trails bergan, ich klebe an ihrem Hinterrad. Aber als der Berg kein Ende nimmt, muss ich abreißen lassen, auch wenn das mein Kampfgeist eigentlich nicht zulässt. Aber wir sind erst bei Kilometer 35, der Schweiß fließt in Strömen, die Lungen brennen, die Beine krampfen. Ich lasse mich zurückfallen und bemühe mich, wieder meinen eigenen Rhythmus zu finden. Die Strecke führt nun über einen gleichmäßig ansteigenden Forstweg immer tiefer in den Wald hinein. Weit und breit ist kein anderer Fahrer zu sehen und ich muss mich immer mehr ermahnen, nicht ins Tourentempo abzurutschen. Bei Kilometer 40 taucht endlich ein Fahrerfeld vor mir auf, das mich mitzieht. In der Gruppe komme ich wieder wesentlich besser voran und kann mich etwas erholen, vor allem als mir einer der Fahrer, der nach einem Kettenriss zum Aufgeben gezwungen ist, seine Flasche überlässt. Ganz ganz vielen lieben Dank dafür! Von da an läuft es wieder. Kilometer 45, der Sollingturm, Silberborn. Dann ist auch schon Neuhaus in Sicht, die letzte lange Abfahrt runter in die Stadt. Der Fahrer neben mir motiviert mich noch zu einem Zielsprint und nach 50 Kilometern und 2:31 h beende ich mein bisher heißestes Rennen.

Meine Schwester erwartet mich bereits im Ziel und nimmt kopfschüttelnd die fremde Flasche zur Kenntnis. Wir verstauen mein Bike, das mich wie jedes Mal sicher ins Ziel gebracht hat, im völlig überhitzten Auto. Ich ziehe mich um und dann heißt es warten, beziehungsweise grillen in der Sonne. Erst als ich zur Ruhe komme, trifft mich die Erschöpfung und die Hitze so richtig. Selbst im Schatten ist Sitzen anstrengend und ich verneige mich vor den Sportlern, die heute auf die 100 km Langstrecken gegangen sind.

Im Zielbereich treffe ich endlich auch auf die anderen Eulen, die alle ein hervorragendes Rennen geliefert haben. Am Ende freuen wir vier Eulen uns über vier Siege.

Ich konnte mir trotz meiner Schwierigkeiten auf der Strecke noch den Sieg in meiner Altersklasse und Platz 3 der Gesamtplatzierung sichern. Auch wenn ich mir, besonders in der Gesamtwertung, etwas mehr erhofft hätte, bin ich super zufrieden mit meiner Leistung.

Danke an Olaf, Bene, Dirk, Kathrin und Caro für den schönen Tag!

Keep on riding,





Evelyn