We are specialized!

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Mittwoch, 8. November 2017

Mission 2018: Im Winter fahrt ihr aber nicht Rad, oder?

In der Tat gibt es (erschreckend viele) Zeitgenossen außerhalb des sportlichen Sektors, die tatsächlich glauben, mit dem letzten Rennen der Saison würden wir unser Rad in den Keller räumen und das Training beenden. Um mit diesem allgemeinen Irrglauben aufzuräumen, wird es höchste Zeit einen kleinen Einblick in das Wintertraining von Radsportlern zu geben! Denn es wäre zu einfach, wenn wir unsere Form bis ins Frühjahr konservieren und dann an die Leistungen der letzten Saison anknüpfen könnten.  

„Sommersportler werden im Winter gemacht“ – so lautet unser Credo. Nicht immer leicht, da wir im Winterhalbjahr natürlich mit allerhand Störfaktoren kämpfen müssen. Ganz oben stehen hier die unzähligen Wetterkapriolen: Schnee, Regen mit Wind, Sturm ohne Regen, Nebel ohne Sicht, frühe Dunkelheit, Schnee mit Regen, Glatteis, nasse und rutschige Straßen und vor allem Kälte. Am schlimmsten sind hierbei schneebedeckte Straßen und Radwege, die uns Radfahrer prinzipiell handlungsunfähig machen. Bei schlechtem Wetter gibt es drei wirksame Optionen:

1.    Die Bekleidung anpassen uns das Wetter ignorieren: Klappt bei mir immer ganz gut, da ich lieber eine Stunde kurz und hart im Regen trainiere, als gar nicht Rad zu fahren. Und es gibt kaum ein schöneres Gefühl, wenn man nach einer solchen Einheit vor den warmen Kamin ins heimische Wohnzimmer zurückkehrt und stolz darauf ist, an seiner Formkurve gearbeitet zu haben.
 

 
2.    Indoor trainieren – sprich Rolle fahren. Auch eine Option, die ich in speziellen Extremfällen nutze. Dafür muss das Wetter aber schon sehr schlimm sein. Glücklicherweise verfüge ich über die Möglichkeit, meine Rolle an vielen beliebigen trockenen Orten in und um das Haus aufzustellen, sodass ich genügend Frischluft abbekomme und es nicht ganz so monoton ist. Und es geht nichts über das lustige Anfangs-Gefühl, wenn man seit längerer Zeit mal wieder auf der freien Rolle fährt.

3.    Alternativsportarten: Im Winter ersetze ich einige Radeinheiten auch durch Lauftraining. Besonders Crosslauf querfeldein durch Wald und Wiesen bereitet mir viel Freude und ist vor allem bei Kälte eine gute Wahl. Wenn die weiße Pracht uns jedoch beglückt hat, steige ich gerne auf Langlaufski um oder gehe meiner großen Leidenschaft nach: Alpin Ski.

 

Es wird also deutlich, dass das Wetter keinerlei Platz für Ausreden lässt, eine Trainingseinheit ausfallen zu lassen. Außerdem trainieren wir ja auch nicht, weil wir es müssen, sondern weil wir es lieben. Und diese Liebe zum Sport trotzt allen Wetterlagen.

Meine Anzahl der Trainingsstunden pro Woche unterscheidet sich im Wintertraining kaum von der des Sommertrainings. Die Einheiten auf dem Rad sind zwar teilweise etwas kürzer, dafür verbringe ich mehr Zeit im Kraftraum. Neben funktionalem Training, Langhanteltraining, und klassischen Kniebeugen gehören auch Stabilisationsübungen dazu. Dies mache ich im Sommer zwar auch, jedoch fällt der Zeitanteil im Winter größer aus. Zum Glück muss ich dafür nicht den Weg ins Fitnessstudio antreten, da wir uns zu Hause einen eigenen Trainingsraum eingerichtet haben.

Ab November – nun sind es nur noch rund 8 Wochen bis zum ersten Trainingslager und fünf Monate bis zum Saisonstart – richtet sich das Training strickt auf die neue Saison. Das heißt die Mission 2018 startet. Dafür fahre ich einen Leistungstest, um meine Werte anzupassen und das Training optimal zu gestalten. Und wie sieht so eine typische Wintertrainingswoche bei mir nun aus?


Der Montag ist klassischer Regenerationstag, gefolgt von Intervallen am Dienstag und Ausdauer am Mittwoch. Donnerstag wird meist zum zweiten Regenerationstag erklärt, bevor ich dann einen Dreierblock durchlaufe oder besser durchfahre. Im Winter absolviere ich viele Einheiten mit 90 % meiner Schwellenleistung (SST-Training) – der effektivste Weg, die Schwellenleistung nach oben zu schrauben. Sprints, Antritte aus dem Stand und einbeiniges Fahren baue ich in Ausdauerfahrten ein, um die Spritzigkeit zu erhalten. 4 Stunden pro Woche verbringe ich in etwa zusätzlich mit funktionellem Training. Auf drei Wochen Aufbau folgt eine ruhigere Woche.

Ein weiterer „Störfaktor“ ist, dass das Wintertraining mitten in der Advents- und Weihnachtszeit liegt, die mit allerhand süßen Verlockungen, Bergen von Keksen und opulenten Festtagsmenüs lauert. Hier heißt es dann: Standhaft bleiben und das Ernährungskonzept nicht allzu sehr leiden zu lassen. Aber das Schöne am Leistungssport ist: Wer viel trainiert, darf auch viel essen.

In diesem Sinne sollte ich mich nun schleunigst auf das Rad schwingen – denn es herrscht zwar sehr nebliger Nebel, aber die Luft ist mild und es ist trocken.

Also: Keep on riding, egal was kommt,

Vanessa
   

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Aus dem Leben einer Sportlerin – 5 Dinge, die ihr garantiert noch nicht wusstet!

Sportlern wird oft ein gewisser Hang zu Ritualen und immer wiederkehrenden Marotten nachgesagt. In der Tat gibt es da auch bei mir ein paar Dinge:

1)    Babygläschen
Ernährung am Wettkampftag? Am besten leicht verdaulich und mit vielen Kohlenhydraten. Meine diversen Essen-Tests aus den vergangenen Wettkampfjahren haben ergeben, dass sich vor dem Rennen ein Babygläschen am besten eignet, um die Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. Praktisch ist es ohnehin, da der Brei gut verpackt und immer schon essbereit gemixt auf den Endverbraucher wartet. Die Sortenvielfalt im Supermarkt erschlägt einen fast – mein Favorit ist aber ganz klassisch Apfel-Banane ab dem 4. Monat.

2)    Detailreiche Notizen


Der Trainingsalltag eines Leistungssportlers besteht nicht nur aus Radfahren, sondern auch aus dem Sammeln diverser Daten. Von Herzfrequenz über Trittfrequenz bis hin zu Normalized Power und TrainingsStressScore (TSS) zeichnen unsere treuen Fahrradcomputer fleißig Daten auf, während wir in die Pedale treten. Während natürlich eine Trainingsdatenbank die Dateien auswertet, setze ich seit jeher auf zusätzliche handschriftliche Notizen. Mein Trainingstagebuch ist mein Begleiter und wird im Laufe des Jahres ausgeschmückt. Und es ist mir immer eine Freude noch einmal darin zu blättern. Deswegen weiß ich auch immer genau  „letztes Jahr um die Zeit war das und das“. An unzählige Einheiten inklusive Gefühlslagen und Wetterdaten kann ich mich zumeist detailliert erinnern.
 






3)    Das Rad muss immer wie neu sein!
Ich habe das große Glück, dass mein Rad - wie von Zauberhand (Danke!!) – nach jeder Ausfahrt immer sauber und top gewartet auf seinen nächsten Einsatz im Radkeller auf mich wartet. Wenn es allerdings zum Rennen geht, lege ich am Vortag immer noch einmal persönlich Hand an. Denn solch kleine Details wie die Schaltröllchen-Zwischenräume säubere ich akribisch auf Neuzustand. Auch das Carbon-Glanzspray als besonderes Finish darf nicht fehlen. So, dass mein geliebtes Rad an der Startlinie stets wie nagelneu erscheint.


 
4)    Ohne Watt zum Erfolg?
Möglich, aber bei weiten nicht so effizient. Auf ein Anbauteil möchte ich am Rad nicht verzichten: Die Wattkurbel. Denn es gibt für mich keine bessere Möglichkeit, das Training zu steuern, als nach Watt. Und wenn die Technik streikt, eine Kalibrierung fehlschlägt, die Batterien während der Fahrt leer sind – nahezu eine mittlere Katastrophe. O-Ton des Trainers: „Du würdest dein Training auf der Stelle beenden, wenn die Wattkurbel keine Daten mehr sendet.“ Ist vielleicht was dran. ;-)
 
5)    Akute Stravitis
„Was man nicht auf Strava hochlädt, ist man auch nicht gefahren“ – so oder so ähnlich outet man sich als akuter Anhänger der Trainingsplattform Strava. Ich finde Strava super und freue mich immer auf den Wettkampf mit anderen Sportlern im Kampf um die Segmente. Meine Trainingsgestaltung ist schließlich kein Geheimnis, wenn gleich ich aber auch nicht alle Einheiten hochlade. Aber es immer ein schönes Gefühl, wenn man seine Fahrt hochlädt und dann gespannt ist, ob der Kampf um einen Titel „Queen of the mountain (QOM)“ erfolgreich war. Zudem lernt man andere Sportler, neue Trails und Trainingsstrecken kennen. Und ein Intervall zieht man viel leichter durch, wenn die auserwählte Strecke ein Segment ist. Um die Stravitis jedoch in Grenzen zu halten, verzichte ich auf die Live-Anzeige von Segmenten während der Fahrt. ;-)
 

Das war nur ein kleiner Einblick – in diesem Sinne:

Keep on riding,
Vanessa
   

Montag, 23. Oktober 2017

Neuer Produktsponsor: SPONSER Sport Food

Ich freue mich extrem, dass ich in der neuen Saison von SPONSER unterstützt werden. Um in Training und Wettkampf stets gut versorgt zu sein, sind hochwertige Sportnahrungsmittel wichtig.

SPONSER Produkte sind funktionell und leicht verträglich perfekt für Höchstleistungen. Die Produkte bieten Energie mit hoher Qualität und Vielfalt.

Die breite Produktpalette hält für jeden etwas bereit. Probiert es selber einmal aus!

Dienstag, 26. September 2017

Hessenmeisterschaft Bergzeitfahren: Sprint um den Titel

Da meine Saison bedingt durch meine Verletzung nicht so lief wie geplant, wurde auch das Saisonhighlight (kurzum das Rennen, für das sich das ganze Training auszahlen soll/ der Tag, an dem alles perfekt zusammenpassen muss) nach hinten durchgereicht. Ein Glück also, dass es da noch ein besonderes Sahnehäubchen gab, um meine Saison zu beenden und dieses Rennen dann zu meinem Highlight auserkoren werden konnte. Für die Hessische Meisterschaft am Berg fühlte ich mich mental und physisch gut vorbereitet, da ich dort von meinem einigermaßen bergtauglichen Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis Gebrauch machen konnte.

Ort des Geschehens war der Hoherodskopf in Schotten mit einer 8 Kilometer langen Strecke mit rund 400 Höhenmetern. Wieder einmal genoss ich das entspannte Ambiente eines Einzelzeitfahrens mit vorgegebener Startzeit, keinem Gedrängel und Warmfahren auf den Punkt. Gestartet wurde im Abstand von 30 Sekunden. Ich war als dritte Frau der Elite an der Reihe. Kurz vorm Start gab mein Lieblingsmensch (und Trainer) mir noch einmal den Hinweis, das Rennen gleichmäßig anzugehen, da dieses insgesamt schneller ist! Also nicht am Anfang überziehen. Als ich von der Startrampe rollte, hallten diese Worte noch nach. Jedoch versuchte ich erst einmal ordentlich Fahrt aufzunehmen – jede Sekunde zählt. Kurz nach dem Losfahren überholte ich bereits die beiden vor mir gestarteten Damen und konnte mir den besten CP-5-Wert meines Lebens sichern. So viel zum pacen. Aber ich erlebte keinen Einbruch meiner Leistung, sondern kam in einen guten Rhythmus. Das einzige, was mir durch den Kopf ging war, dass jede Sekunde zählen wird. Recherchen der Vorjahreszeiten hatten ergeben, dass ich um die 20 Minuten brauchen werde. So konnte ich meine Werte perfekt einpendeln.


Ebenso wusste ich, dass es oben auf den letzten beiden Kilometern flach werden würde. Allerdings war es nicht nur flach, es ging sogar leicht bergab. Und das bei Gegenwind. Als es in die Flachpassage ging, spürte ich dann die folgende Konkurrentin im Nacken, die vorbeizog. Ich hing mich kurz in den Windschatten. Da sie direkt hinter mir gestartet war, hatte sie sodann 30 Sekunden aufgeholt. Noch ein Kilometer bis zum Ziel. Wenn ich es schaffen wollte, musste ich mich nun absetzen. Mein erster Sprintversuch scheiterte.

Als das Schild mit „Noch 500 Meter bis zum Ziel“ in Sichtweite kam, sprintete ich noch einmal an (gut, dass ich das in den letzten Wochen so häufig trainiert habe). Dieses Mal konnte ich mich absetzen und eine Lücke aufreißen. Jedoch war mir klar, dass ich auf 500 Metern wohl kaum noch 30 Sekunden herausfahren konnte. Aber egal, der Sprint machte Spaß, ich fühlte mich fast wie Peter Sagan und die Lücke wurde größer!

 

So reichte meine Zeit von 20:50 Minuten für den zweiten Platz mit 27 Sekunden Rückstand und somit für den Vize-Hessenmeistertitel. Damit kann ich mehr als zufrieden in die Winterpause gehen und dann vielleicht 2018 den Traum vom Landesmeister-Titel realisieren.

Etwas wehmütig ist mir schon zu Mute, wenn ich darüber nachdenke, dass nun die „Off-Season“ beginnt und es bis zum nächste Rennen noch 6 Monate sind. Aber nun bleibt Zeit für schöne Ausfahrten, das Training geht weiter und Vorfreude ich ja bekanntlich die schönste Freude.

In diesem Sinne:

Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

„Ich bin der schwerste Hessenmeister in der Geschichte des Bergzeitfahrens!“

„Da fühlt man sich leicht und dann sind die anderen noch viel leichter.“

„Mit den Lightweights hätte ich gewonnen.“  - „Mit einem Kilo weniger hättest du eher gewonnen.“

 

Donnerstag, 14. September 2017

What a wonderful world: Pass der Pässe!

Die letzten beide Tage waren so voll gepackt mit neuen und wunderschönen Eindrücken, dass ich diese noch gar nicht alle verarbeitet habe. Vom Pass der Pässe hin zu einem epischen Gletschergebiet:

Tag 5: Die Königin aller Pässe

Auf der Liste mit den Dingen, die ein Radsportler in seinem Leben gemacht haben muss, steht das Stilfser Joch ganz weit oben. "Pass der Pässe", "Königin der Passstraßen" -viele Namen ranken sich um den berühmten Anstieg auf den höchsten Gebirgspass Italiens. 2757 Meter misst das Stilfser Joch am höchsten Punkt.



Vom Örtchen Prad aus sind 22 Kilometer, 1850 Höhenmeter und 48 Spitzkehren zu überwinden. Das Wetter war uns wohlgesonnen, aber wir hatten die Fahrt auch auf den wettertechnisch besten Tag der Woche gelegt. Am Vortag war oben einiges an Neuschnee gefallen, doch am Morgen waren die Straßen wieder frei. Die Auffahrt war traumhaft. Wir wollten das ganze im Grundlagentempo absolvieren, um die Aussicht und die vielen Perspektiven in aller Ruhe genießen zu können. Zudem waren viele Fotostops unumgänglich, da hinter jeder Spitzkehre ein neuer wunderschöner Ausblick wartete.



Schneller als erwartet kam dann auch schon das Ziel - die Hütte am höchsten Punkt in Sichtweite. Zum Greifen nah, aber trotzdem noch ein weiter Weg. Die engen Kurven ließen uns zwar rasch an Höhe gewinnen, dennoch zogen sich die letzten Kilometer. Nach 2 Stunden und 15 Minuten hatten wir dann das Ziel erreicht und genossen den Ausblick vom höchsten Punkt. Ein magischer Moment!



Die Abfahrt führte uns dann durch die Schweiz und dauerte leider etwas länger, da eine der Carbonfelgen das Bremsen nicht verkraftete und riss. So mussten wir Laufräder tauschen und konnten jeweils nur noch mit einer Bremse bremsen. Nun steht fest, dass das nächste Rennrad unbedingt Scheibenbremsen haben muss.



Im Tal angekommen - die erste Trauer um den teuren Laufradsatz war überwunden - rollten wir dann noch die letzten 40 Kilometer zurück nach Goldrain und setzen nun einen Haken an die Bezwingung des "Passes der Pässe".

Tag 6: Wandern statt Radfahren

Da wir nun nur noch einen komplett fahrtüchtigen Laufradsatz zur Verfügung haben, setzten wir auf Alternativsport: Wandern! Mit dem Bus ließen wir uns bequem auf 2000 Meter befördern und dann tauchten wir ein ins Hochgebirge. Zunächst erkundeten wir die Primaschlucht mit einem beeindruckenden Gebirgsbach.



Eigentlich war uns die Wanderroute im Vorhinein noch nicht ganz klar. Jedoch stellten wir fest, dass je höher wir kamen, auch die Sonne immer mehr zum Vorschein kam. Irgendwann schauten wir dann hinab auf den Nebel im Tal und ringsumher tauchten die schneebedeckten 3000er auf. Gerade so konnte ich noch daran gehindert werden, dass wir eine extrem schwere Route hinauf zum 2996 Meter hohen kleinen Rotspitz in Angriff nahmen. Ich war motiviert, aber dafür hatten wir heute leider nicht das richtige Equipment dabei.



Wir entschieden uns für eine mittelschwere Route, die über einen alten Gletscher auf fast 2900 Meter führte und eine wundervolle Landschaft freigab. Wasserfälle, Gesteinsbrocken, Schluchten, Bachläufe - ich konnte mich gar nicht sattsehen an dieser beeindruckenden Landschaft. So war unsere "Ruhetagswanderung" letztlich doch zum Abenteuer mit 16 Kilometern und 4 Stunden Gangzeit geworden.


In diesem Sinne:
Keep on riding,
Vanessa

"Du kannst doch so nicht auf 3000 Meter, du erfrierst."
"Warum setzt du dich nicht an einen windgeschützten Platz?"   - "Weil ich Hunger habe."
"Och wie, schon oben?!"



Dienstag, 12. September 2017

Bella Italia: Auf den Spuren des Giro d´Italia und plötzlicher Wintereinbruch

Tag 3: Schlussanstieg einer Giroetappe
Wie es sich für das typische Wetter in dieser Region gehört, starteten wir mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen in den Tag. Also schnell aufs Rad! Auf dem Programm stand die Fahrt durch das Martelltal hinauf zum "Lago di Gioveretto" - dies war einmal Schlussanstieg des Giro d´Italia. Der Anstieg war lang genug - insgesamt fast 1500 Höhenmeter am Stück - um drei lange Tempointervalle einzubauen und trotzdem noch nicht oben zu sein. Wenn man sich dann überlegt, dass die Giro-Etappe vor diesem Anstieg noch auf das Stilfserjoch führte - Respekt für solche Leistungen.

Es gab einige steile Rampen mit 15 % Steigung, viele Spitzkehren, auf denen man sich langsam nach oben schraubte, abgelege Ortschaften und beeindruckende Natur. Die lange Auffahrt belohnte dann der Blick auf den Stausee, smaragdgrün und wunderschön. Die weißen Bergspitzen der umliegenden 3000er spiegelten sich im Wasser. Episch. Ich liebe die Berge - diese beeindruckende Natur mit steilen Berghängen und schroffen Felsen, Wasserfällen und unerreichbaren Gipfeln zeigt einem immer wieder auf, wie klein der Mensch in der Natur ist.



Man merkte deutlich, dass wir uns auf über 2000 Meter hochgearbeitet hatten - die Luft wurde merklich dünner und auch die Temperaturen sanken stark ab. Zum Glück waren wir vorbereitet und hatten warme Kleidung zum Überziehen dabei. Die Abfahrt war dann fast anstrengender als die Auffahrt, da das permanente Bremsen die Arme ganz schön lähmte. Im Tal angekommen war ich trotz warmer Kleidung so durchgefroren, dass ich mich so wie noch nie auf einen heiße Dusche freute.

Aber genau das macht das Sportler-Leben so facettenreich: Wir bewegen uns oft am Limit und wissen, wie es sich anfühlt, wenn man so durchgefroren ist, dass man denkt, nie mehr aufzutauen. Wir wissen auch, wie es ist, wenn einem am Anstieg im Intervall der Schweiß rinnt. Leben am Limit - ein schönes Leben. Denn das Leben beginnt außerhalb der Komfortzone!

Tag 4: Schlechte Regenbilanz
Im Anbetracht der Tatsache, dass es heute Morgen schon wieder regnete, glaube ich so langsam, dass die 300 Sonnetage nur eine Masche der Tourismusbranche sind, um Leute ins Vinschgau zu locken. :)

So war die erste Einheit des Tages funktionelles Training mit Blick auf die umliegenden Bergspitzen. Und diese waren alle bis weit ins Tal von einer weißen Schicht umgeben. Die Schneefallgrenze war in der Nacht rapide gesunken.



Die Wetterapps sagten jedoch voraus, dass es am Mittag mit der Nässe von oben aufhören sollte. Und in der Tat, darauf ist Verlass. Man kann hier an einem Tag viele Wetterzonen durchleben. Denn als wir am Nachmittag zum Training Richtung Meran auf dem Etschtal-Radweg aufbrachen, brach die Sonne durch die Wolken und es war nicht warm, sondern direkt heiß.



Ich hatte überhaupt noch nicht erwähnt, dass es hier im Vinschgau wie im Schlaraffenland ist! Ein Paradies für alle, die gerne essen - also perfekt für mich. Hier wächst alles in freier Natur. So trug es sich zu, dass ich im Grunde seitdem ich hier weile, permanent esse. Von den rund 12 Millionen Apfelbäumen werden hier jährlich 200.000 Tonnen Äpfel geerntet (Stichwort: Bildungsurlaub/Landeskunde). Und es ist unglaublich, wie gut diese Äpfel hier direkt vom Baum schmecken. Des Weiteren säumen hier Birnen-, Kiwi- und Walnussbäume die Wege. Und Erdbeeren - es gibt hier derzeit noch frische Erdbeeren vom Feld. Wie gesagt, ein echtes Paradies für Feinschmecker.

Morgen steht die Königsetappe aufs Stilfserjoch an. 48 Spitzkehren, 1844 Höhenmeter! Ein Pass, den jeder Radfahrer in seinem Leben einmal gefahren haben sollte. Ich freue mich schon.

In diesem Sinne:
Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:
"Die müssen erst auf dem Stilfser Joch noch den Schnee wegräumen."
"Jetzt eine Curry-Wurst mit Pommes."
"Ich musste die Kurven bergauf anbremsen."
"Ahhhhhh da sind Alpakas!!!!!"





Sonntag, 10. September 2017

Bella Italia! Willkommen im Vinschgau

Tag 1:
Weil Reisen ja bekanntlich bildet, war es höchste Zeit mal wieder die Koffer zu packen und gen Süden aufzubrechen. Jedoch ist es bei uns zumeist so, dass wir nicht unsere kulturelle Bildung in den Vordergrund stellen, sondern vielmehr die Bildung neuer Muskelfasern. Das Trainingslager (Reise klingt schließlich etwas harmlos) dient mir zur finalen Vorbereitung auf meinen Saisonhöhepunkt in zwei Wochen, aber natürlich kommt auch die Erholung nicht zu kurz.

Alles andere als erholsam war die Anreise ins Vinschgau/Südtirol. Bis zur Grenze nach Füssen floss der Verkehr so gut, dass wir zunächst meinten, einen neuen Rekord für die Fahrtstrecke nach Österreich aufstellen zu können. Doch dann prägten die Worte "Blockabfertigung, Grenzkontrollen und Schritttempo" unsere Weiterfahrt. Der Fernpass "Reschenpass" war stark frequentiert und alle wollten nach Italien. Um es mit Goethes Worten zu untermalen "Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen!" Als wir dann schließlich am Reschensee ankamen, legten wir einen kurzen Fotostop ein, um das versunkene Dorf inklusive dem berühmten Kirchturm in Augenschein zu nehmen.



Wenn gleich ich schon einige Male in den Alpen meine Zeit verbracht habe - meist im Winter - war ich völlig orientierungslos, was die Lage unseres Zielortes Goldrain im Vinschgau betraf. Vom Reschensee ging es stetig bergab, die Temperaturen stiegen stetig an. Und dann nach längerer Fahrtzeit als eingeplant, erreichten wir endlich das von Apfelplantagen gesäumte Vinschgau.

Dann gab es natürlich kein Halten mehr und sofort sattelten wir die Räder und erkundeten die Gegend mit ein bisschen Intensitätstraining am Berg. Abschluss war dann ein original italienisches Eis sowie eine Pizza aus dem Steinofen. Italienischer Lifestyle. :)





Tag 2:
Enttäuscht nahmen wir am Morgen zur Kenntnis, dass sämtliche zur Rate gezogenen Wettervorhersagen Recht hatten: Es regnete in Strömen! Und das ist hier im Vinschgau eine echte Seltenheit. 300 Sonnentage und nur 500 Liter pro Quadratmeter Regen im Jahr. Davon hatten wir heute ca. schon ein Drittel an einen Tag. Naja man will ja alles einmal erlebt haben, so auch einen echten Regentag im Vinschgau. Selbstverständlich gab es ein Alternativprogramm mit Schwimmen und erholen in der Therme. Und am Nachmittag war uns das Wetter wieder gnädig und wir brachen zu einer Wanderung auf. Ab morgen prophezeien uns die Vorhersagen wieder Sonne pur und die eigentliche Mission "Radfahren" kann in Angriff genommen werden.



Bis dahin:
Keep on riding,
Vanessa


Zitate:
"Noch nie habe ich hier einen Regentag erlebt!"
"Die Leute sind überfordert mit Regen, schau, wie die Ihre Schirme tragen."
"Dann kraul´ doch jetzt mal ein paar Bahnen" - "Das kann ich gar nicht."