We are specialized!

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Dienstag, 20. September 2016

Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren: „Egal wie- Hauptsache aerodynamisch.“

Wenn gleich Straßenrennen in meinem Rennkalender in dieser Saison eher selten Platz fanden, rief am letzten Wochenende mein Hausberg „Sackpfeife“ bei Biedenkopf zur Eroberung auf. Es bot sich also an, mal wieder auf das Rennrad zu steigen und die Herausforderung der Bezirksmeisterschaft im Bergzeitfahren anzutreten. Apropos Rennrad – das war in der Woche vor dem Rennen noch gar nicht vorhanden. Oder vielmehr nicht mehr. Denn mein geliebtes bisheriges Rennrad habe ich an meine liebste Trainingskollegin Evelyn übergeben, hatte bis dato aber noch nicht für Ersatz gesorgt. Oder besser gesagt: Der Ersatz befand sich noch irgendwo zwischen Specialized-Hauptlager und Specialized-Europalager zur Auslieferung.

Die Generalprobe (das letzte Training vor dem Wettkampf) absolvierte ich also notgedrungen auf dem Mountainbike und nahm mir die Befahrung der Sackpfeife vor. Berghoch auf der Straße lief es auch reibungslos und ich war mit meiner gefahrenen Zeit und Leistung schon recht zufrieden. Bergab wollte ich dann schön über einen langen und flowigen Trail nach Hause fliegen. Leider stellte sich dabei ein Baum (Gattung: extra fies und gemein) in den Weg. Das Resultat der Begegnung – Schürfwunden und Prellungen – ließ die Leistungsfähigkeit für den Wettkampf dann enorm schwinden.
Doch davon lassen wir Sportler uns bekanntlich nicht unterkriegen. Doch wenn ich schon körperlich nicht 100 prozentig leistungsfähig war, wollte ich wenigstens aerodynamisch an der Startlinie stehen. Extraenger Einteiler und Überschuhe für minimalen Luftwiderstand wurden dabei ebenso herangezogen, wie die Demontage des zweiten Flaschenhalters. Beziehungsweise wurde dieser erst gar nicht angebracht. Denn das neue Rennrad erreichte mich erst am Vorabend und wurde von meinem Lieblingsmenschen noch schnell aufgebaut. Es hatte seine Jungfernfahrt somit beim Wettkampf. Gut organisiert ist schließlich halb gewonnen. J
 


Uns Sportler erwartete zur Bezwingung der Sackpfeife ein 7 Kilometer langer Anstieg mit rund 400 Höhenmetern. Zu absolvieren als Einzelzeitfahren mit jeweils einer Minute Abstand. Mein Lieblingsmensch hatte mir vorab meine Zeit genau per Watt-Kilogramm-Schwellenleistungs-Rechnung ausgerechnet und vorausgesagt. 21:30 Minuten seine Vorhersage. Die Zeit stoppe oben bei 21:07 Minuten. Man könnte sagen: (fast) eine Punktlandung. J Die Werte belegen, ich habe alles gegeben. Viel mehr war nicht drin. Meine Zeit reichte für einen dritten Platz bei den Damen.


Nächstes Wochenende steht dann das Saisonfinale beim Dünsberg-Marathon in Biebertal im Rennkalender. Danach entscheide ich dann auch, wie es radsporttechnisch weitergeht.

In diesem Sinne:

Keep on riding!

Vanessa

Zitate des Tages:

„Dein Oberschenkel ist seitlich größer als dein ganzer Oberkörper.“

„Ich kriege gar keine Luft mehr, wenn ich den Einteiler schließe.“

„Dein Rücken ist zu klein für die Startnummer.“

„Wir leiden – aber wenigstens aerodynamisch.“

 



Dienstag, 13. September 2016

Sebamed-Bike-Day Bad Salzig: Wir setzen alles auf den Strava-Berg

Die Saison neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. In der finalen Phase hat es seit Jahren die Tradition, noch einmal alle Rennen mitzunehmen, die irgendwo, irgendwann und irgendwie angeboten werden. Das heißt dann also: Jedes Wochenende drei bis vier handliche Reisetaschen packen, das Rad rennfertig bereitstellen und an der Startlinie stehend auf den Startschuss warten. Sportlerleben eben.

Am vergangenen Wochenende führte mich die Rennlust in das Städtchen Bad Salzig – wunderschön am Rhein gelegen. Mit Sponsoring des Haut- und Körperpflegeherstellers Sebamed mit Start und Ziel auf deren Firmengelände fand ein Bike-Day mit Marathon statt. Nach meinem kurzen Zwischentrainingslager letzte Woche mit vier harten Trainingstagen in der trail-reichen Pfalz war ich jedoch noch nicht so frisch und ausgeruht, wie man es zu einem Rennen hätte sein müssen. Beim Warmfahren entlang des Rheins waren meine Beine eher schwer und beim Blick auf das Starterfeld rechnete ich mir keine allzu guten Chancen für eine vordere Platzierung aus.

Das Höhenprofil der Strecke verriet, dass es zunächst einmal lange (genau genommen sehr lange) bergauf gehen wird. Und das tat es auch. Die ersten 17 km mit rund 500 Höhenmetern im Prinzip stetig mit nur einigen kurzen Erholungspausen dazwischen.  Im Startgetummel verlor ich den Überblick. Es hatten einige Damen vor mir gestanden. Doch hatte ich diese am Anfang überholt? Ich war mir nicht sicher, ging aber das ganze Rennen davon aus, dass ich nicht die Führende war. Die vielen Anstiege zehrten an den Kräften. Ich musste ganz schön kämpfen, um das Tempo konstant zu halten. Probleme hatte ich heute vor allem mit den vielen 180 Grad Schotter-Kurven, die mich jedes Mal fast bis auf den Stillstand ausbremsten.
 
 


Wie ich bereits aus der Vorkündigung des Rennens wusste, gab es kurz vor dem Ziel eine Strava-Bergwertung. Für die Tagesschnellsten dieses Segmentes, die das Rennen auf Strava hochladen, winkten Preise. Da bei mir eine leichte „Stravitis“ mittlerweile durchaus bestätigt werden kann, musste ich diesen Berg einfach möglichst schnell bezwingen. Auch wenn die Beine so kurz vor dem Ziel mit bereits 750 Höhenmetern gut beansprucht waren, versuchte ich, das Tempo noch einmal zu verschärfen. Nach diesem Berg, an den sich gleich der nächste Berg anschloss, gab das Schild „Nur noch 5 km“ einen Richtwert: Gleich ist es geschafft. J
 
 
Kurz vor der Einfahrt in den letzten Trail schnappte ich im Vorbeifahren vom Streckenposten auf „Die erste Dame nähert sich“. Ich war mir aber sicher, dass er sich irrt. Beim nächsten Streckenposten hörte ich in der Tat den gleichen Satz wieder. Aber das konnte niemals sein, da müssen doch andere Frauen vor mir gewesen sein?!

Den Zielbogen schon vor Augen hörte ich, wie hinter mir jemand zum Sprint ansetzte. Egal, wer es war, ich ging mit und gewann diesen – im Prinzip unnötigen, aber von mir stets gerne praktizierten – Zielsprint. Jedoch war es keine andere Dame, sondern ein Herr, der mich da herausforderte. Da ich bei der Zieleinfahrt weder genannt, noch angekündigt wurde, war ich mir nun sicher, dass ich mich dann irgendwo im Mittelfeld platziert haben musste. So begrüßte ich zunächst meinen Lieblingsmenschen und stattete der Zielverpflegung einen kurzen Besuch ab. Dann plötzlich erhob der Moderator seine Stimme und kündigte die Zieleinfahrt der schnellsten Frau an, die gerade ins Ziel kam. Da schrillten die Alarmglocken bei mir. Prompt stand ich bei der Zeitnahme und legte Widerspruch ein. Ich wurde bei der Zieleinfahrt übersehen und nicht registriert. Nachträglich erkannte der Moderator dann mir den Sieg zu und der anderen Dame wieder ab. Wenn dies bei mir so gewesen wäre – das stelle ich mir hart vor. Durch dieses Durcheinander konnte ich zunächst nicht wirklich fassen, dass ich die Gesamtsiegerin war und diesem Moment gar nicht genießen, weil ich so überrascht war. Damit hatte ich nicht gerechnet.


Bis zur Siegerehrung hatte ich mich dann aber wieder gesammelt und konnte mich über zwei komplette Sortimente des Sponsors Sebamed freuen – mit Duschgel, Cremes und so weiter bin ich nun erst einmal lange Zeit versorgt.
 
                
Fazit: Super Veranstaltung, tolles Starterpaket, leckeres Essen und schöne Sachpreise!

Nächstes Wochenende steige ich aufs Rennrad – zu den Bezirksmeisterschaften im Bergzeitfahren an meinem Hausberg.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:

“Größere Kettenblätter? Brauche ich nicht, ich kompensiere das mit meiner Beinkraft.”

„Das kann nicht sein, ich kann doch nicht gewonnen haben?!“

„Wir sind oben, allesamt die Verpflegung rausholen.“

„Warum gibst so jetzt plötzlich noch mal Vollgas?“

                „STRAVASEGMENT!“

 

 

 

Freitag, 9. September 2016

Spessart-Challenge Bad Orb: "Man kann nicht nasser werden, als bis auf die Haut."

Wir waren die letzten Wochen vom hochsommerlichen Wetter sehr verwöhnt. So verwöhnt, dass wir gar nicht mehr mit Regen rechneten. Die Wetterapp wurde auch kaum noch um Rat gefragt, da es einfach konstant schön, sonnig und warm war. Etwas naiv möchte man da fast sagen. Als wir am frühen Morgen zur Spessart-Challenge nach Bad Orb aufbrachen, bestand zunächst auch noch kein Grund zur Sorge ums Wetter. Doch kaum auf dem Parkplatz ausgestiegen, erreichten uns die ersten Tropfen von oben. Was? Regen? Wie kann es dazu kommen? Ein Regenrennen hatte ich materialtechnisch und natürlich auch im Bezug auf die Kleiderwahl überhaupt nicht eingeplant. Ein paar kurze Ausraster beim Warmfahren in der Tiefgarage des angrenzenden Hotels später - wie zum Beispiel "Wir konnten jetzt so viel Schöneres machen...Was tut man sich nur alles an...Wir hätten einfach ausschlafen können" - ging es dann schon in den Startblock.

Da sich die Beine beim Warmfahren gut anfühlten, war ich dann doch recht positiv gestimmt und im Rennmodus angelangt. Der Regen ließ allerdings nicht nach, sodass ich schon vor dem Startschuss einigermaßen durchgeweicht war. Dann ging es los. Zunächst ein neutralisierter Start im Windschatten eines niedlichen, kleinen und langsamen Elektroautos durch die verwinkelten Straßen der Kurstadt. Ein wirklich sehr gechillter Start, doch dann bog das Führungsfahrzeug endlich in eine Seitenstraße ab. Freie Fahrt und los ging es. Das Wasser hatte sich mittlerweile schon in meinen Schuhen gesammelt (Hätte ich mal Überschuhe angezogen, aber wer rechnet schon mit Regen?!) und auch das Sitzpolster saugte sich schon voll. Doch wenn man erst mal fährt, ist es eigentlich egal. Denn man kann nicht nasser werden, als bis auf die Haut.

Die Strecke kannte ich grob aus dem Vorjahr, wo sie mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. Es war ein schnelles Rennen mit vielen flowigen Trails, langen Anstiegen und einigen Drückerpassagen. Bedingt durch den Regen und das viele angesammelte Salz - was sich durch den vielen Trainingsschweiß der letzten Wochen im Polster meines Helmes gesammelt hat und nun herausgespült wurde - war die Sicht stellenweise schlecht bis komplett eingeschränkt. Da meine Radbrille sich partout nicht vom nebligen Beschlag verabschieden wollte, musste ich das erste mal in meinem Leben ein Rennen ohne Brille absolvieren. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich die führende Dame war, da ich im Startgetummel nicht aufgepasst hatte, ob ich überholt wurde. So hielt ich das Tempo konstant hoch. Ich wollte ja ohnehin schnell ins Ziel kommen, um nicht unnötig lange pudelnass durch die Gegend zu fahren. ;-)

Als ich den letzten Streckenposten vor dem Ziel passierte, gab diser durch sein Funkgerät durch, dass die erste Frau der Kurzstrecke gleich ins Ziel kommt. Da war die Freude groß. Somit überquerte ich die Ziellinie als Gesamtsiegerin. Ich durfte danach sogar zum Interview auf die Bühne. Letztlich war ich heute - wahrscheinlich wegen des fiesen Regens, der mich schnell ins Ziel spülte - so schnell, dass ich insgesamt nur 10 Männer vor mir hatte und im Gesamtfeld 11. wurde. Das habe ich auch noch nie erlebt. Definitiv ein "Race to remember". :-)

Die Spessart-Challenge ist eine tolle Veranstaltung mit einzigartiger Organisation und schönen Strecken. Nächstes Jahr bin ich wieder am Start.

Bis zum Rennen am nächsten Wochenende in Bad Salzig, verbringe ich nun noch ein kurzes Zwischentrainingslager in der Pfalz.

In diesem Sinne:
Keep on riding

Vanessa


Zitate des Tages:

"Also nach so einem Regenrennen sehen meine Haare fast besser aus, als nach einem Friseurbesuch."

"Jetzt hat es 4 Wochen nicht geregnet und jetzt gerade in dieser einen Stunde."

"Kann das Elektroauto nicht schneller oder was?!



Montag, 22. August 2016

SKS-Marathon „Rund um den Zierenberg“: Der „Minutenkampf“

Das richtige Rennfeeling steht und fällt bei mir im Grunde mit der Vorbelastung – dem letzten Training am Vortag des Rennens. Entgegen aller Traditionen absolvierte ich die Vorbelastung vor dem Race in Zierenberg auf dem Mountainbike und nicht auf dem Rennrad. Denn da ich den Marathon in Zierenberg ohnehin aus dem Training heraus fahren wollte, war geplant, noch ein paar neue Trails zu entdecken. Doch diesen Plan verhinderte ein milchiges Unglück: Beim ersten Antritt zum zweiten Intervall spürte ich etwas Nasses auf der Haut. Regen? Nein  - Milch, die in hohem Bogen aus meinem Hinterreifen schoss. Das sonst so verlässliche Tubeless-System macht sich bei mir so langsam immer unbeliebter. Das Loch schloss sich leider nicht von selbst, so dass das Training vorzeitig beendet werden musste. Wie soll also nun mit so einer schlechten Vorbelastung das morgige Rennen gut verlaufen?
 
Raceday: Obwohl Zierenberg geographisch per Luftlinie nicht allzu weit von meinem Heimatort entfernt liegt, häuften sich bedingt durch die vielen kurvigen Landstraßen und Umleitungen sowohl die Fahrtzeit als auch die gefahrenen Kilometer. Da wir allerdings einen großzügigen Zeitpuffer eingeplant hatten, waren wir rechtzeitig am Ort des Geschehens.
Beim Warmfahren stellte sich trotz der nicht gelungenen Vortags-Vorbelastung ein gutes Rennfeeling ein. Die Beine waren gut und die in der letzten Woche noch einmal aerodynamisch optimierte Rennkleidung saß perfekt.
Das Starterfeld war groß, der Startbereich eng. Ich kam nach dem Startschuss irgendwie nicht so problemlos in meine Klickpedale und wäre fast von hinten abgeräumt worden. Nach diesem kleinen Patzer versuchte ich mich hinter dem führenden Feld zu halten und nach vorne abzusetzen. Am ersten Berg behauptete ich noch die Führung im Damenfeld, spürte die Konkurrenz aber dicht – oder eher sehr dicht – hinter mir. In der ersten Abfahrt wurde ich dann von einer Konkurrentin überholt, ich hielt mich aber dahinter. Es folgte eine lange, flache, geschotterte Drückerpassage. Eigentlich nicht so mein Ding. Kurze Überlegung: Im Windschatten bleiben oder versuchen mich nach vorne abzusetzen? Ich entschied mich für letzteres, was aber vielleicht nicht die beste Lösung war. Denn am nächsten Berg hatte ich nach dieser Attacke so viel Laktat in den Beinen, dass ich das Tempo nicht halten konnte. Die andere Dame fuhr wieder ran. Und überholte. Am steilen Anstieg trennte uns dann eine langsamere Gruppe. Durch die Enge des Trails schaffte ich keinen Überholvorgang mehr, was einiges an Zeit kostete.
Ich verschärfte daraufhin das Tempo noch einmal – obwohl ich eigentlich schon am Limit war – um wieder aufzuholen. In der Feedzone bekam ich die Rückmeldung, dass ich rund eine Minute Rückstand habe. Klingt erst einmal wenig, doch eine Minute kann ganz schön viel sein. Durch mein Tempo kam ich kaum zum Trinken und warf auch mein ausgearbeitetes Verpflegungskonzept über Bord. Bäume, Trails, Schotterpisten – alles rauschte nur so an mir vorbei. Doch leider war ich am Ende nicht schnell genug. Im Ziel verzeichnete die Uhr 1 Minute und 20 Sekunden Rückstand auf die Siegerin. So konnte ich mich dann über einen zweiten Platz in meiner Altersklasse und den 2. Platz Gesamt freuen.
 
 
 
 
 
 
Noch viel mehr freute ich mich allerdings mit meinem Lieblingsmenschen, der sich den Gesamtsieg sicherte.
 
 
 
Im Nachhinein betrachtet, hätte ich mit mehr Taktik fahren sollen. Keine frühe Attacke, sondern stattdessen lieber den Windschatten nutzen. Aber man lernt ja aus jedem Rennen und hinterher ist man immer schlauer! Zierenberg ist seit Jahren ein festes Event in meinem Rennkalender und ich freue mich in jedem Jahr wieder auf das Rennen. In diesem Jahr wurde die Strecke komplett geändert, was das Rennen in meinen Augen noch attraktiver macht- mehr Trails und eine gleichmäßigere Verteilung der Anstiege und Abfahrten. Fazit: Super Veranstaltung, tolle Organisation und leckerer Kuchen.
 
Das nächste Wochenende wird noch einmal rennfrei sein, bevor es dann in den rennintensiven September geht. Dass die Saison schon wieder in den letzten Zügen ist, will ich noch gar nicht so wirklich glauben.
 
In diesem Sinne:
Keep on riding,
Vanessa
 
 
Zitate des Tages:
„Da schießt einem direkt das Laktat in die Knochen.“
„Man bedenke die Routenwahl.“
„Bin heute nicht gefahren, weil ich wollte euch auch eine Chance lassen.“
„Mit Einteiler und Aero-Helm wäre es der Sieg gewesen.“
„Die Straßen hier sind so schlecht, da sind ja bei uns die Radwege besser.“

  
 

 

Montag, 15. August 2016

Sigma-Marathon in Neustadt: Wenn ein Deutscher Meister nach der Dusche fragt…

Wenn gleich ich mit dem Sommer 2016 bedingt durch den ersten Nachtfrost letzte Woche sowie dem Training in Winterkleidung eigentlich bereits abgeschlossen hatte, freute ich mich umso mehr über das Cape-Epic-Feeling beim Marathon in Neustadt an der Weinstraße. Diese Region ist meteorlogisch durch seine Nähe zum Rhein ohnehin begünstigt und immer um einige Grad wärmer. Beim Wettkampf am Sonntag waren die Bedingungen wirklich vergleichbar mit Südafrika: Sonne vom strahlendblauen Himmel, die Suche nach einem Fleckchen Schatten im Startblock, staubtrockene sandige Strecken, flimmernde Landschaften am Horizont und ein enormer Flüssigkeitsbedarf.
 
 
Flüssigkeitsbedarf – ein gutes Stichwort: Direkt nach dem Massenstart auf der ersten holprigen Kopfsteinpflasterpassage verlor ich meine Trinkflasche. Das ist mir noch nie passiert. Eigentlich bin ich in der Tat so perfektionistisch und teste im Training  jede neue Flasche auf ihre Tauglichkeit. Diesmal leider nicht, was mir somit gleich zum Verhängnis wurde. Dieses Desaster – denn bei 40 Grad und stechender Sonne – kann man bei diesem Verlust von einem Desaster sprechen, brachte mich leicht aus dem Takt. Zudem ging es gleich in den ersten steilen Anstieg. Bei Kilometer 17 war die erste Verpflegung angesetzt. Bis dahin bin ich bei der Hitze dehydriert! Wie eine Fata Morgana tauchte dann aber am Gipfel des ersten Anstiegs die Feedzone eines anderen Teams auf und ich fragte schnell, ob sie eine Flasche übrig haben. Zum Glück ja und die Flasche beinhaltete sogar Wasser und kein fremdes Pulver. Noch einmal gerettet. Tatsächlich führte ich auch zu diesem Zeitpunkt das Damenfeld noch an.
Insgesamt fiel mir das Rennen vom eigenen Empfinden her etwas schwer. Nach einer Rennpause habe ich zunächst immer Probleme wieder in den fokussierten Rennmodus zu finden. Die Hitze raubte mir zudem viele Kräfte. Die Strecke hielt viele technisch anspruchsvolle und fordernde Trails bereit. Diese verlangten volle Konzentration und Fahrtechnik – denn teilweise waren die Trails so angelegt, dass ein Verbremser oder falsches Lenken zum Absturz geführt hätten.
Bei Kilometer 10 stellte mich eine Konkurrentin und ich verlor meine Führung. Ich versuchte die Lücke wieder zuzufahren, jedoch hätte ich dafür bergab zu viel riskieren müssen. Als es dann in einen steilen und steinigen Anstieg ging, der zur Schiebepassage wurde, war ich dem Aufgeben näher als dem Weiterfahren. Mental war ich heute leider nicht sehr stark. Doch dann mobilisierte ich noch einmal alle Kräfte und meinen Kämpferwillen, um wenigstens den zweiten Platz zu halten.
Dies gelang mir dann auch, jedoch nur in meiner Altersklasse. Denn kurz vor dem Ziel überholte mich noch einen Seniorin. Die letzte Abfahrt durch die Weinberge war extrem holprig und ich spürte meine Handgelenke kaum noch. So entfiel ein Zielsprint und ich fuhr mit rund 30 Sekunden Rückstand über die Ziellinie als Zweite meiner Altersklasse und Dritte Gesamt.
 
Da ich durch die Gesamtbedingungen und die Startproblematik mit verlorener Verpflegung niemals mit so einem Ausgang gerechnet hatte, war ich mehr als zufrieden.
 
Die Zeit bis zur Siegerehrung verbrachten wir dann mit dem Auffüllen der Kohlenhydratspeicher, einer Erfrischung am Brunnen und dem Plausch mit dem Deutschen Meister Karl Platt, der die Langdistanz überlegen gewonnen hatte. Er fragte uns nach dem Weg zur Dusche und hatte so gleich als Local noch ein paar Tipps für Strecken in der Region. Warum Karl beim Cape Epic immer so erfolgreich ist, konnten wir angesichts des heutigen Rennens und den regionalen Bedingen sehr gut nachvollziehen.
 
 
 
 
 
Fazit: Der Marathon in Neustadt ist ein schönes Rennen mit toller Location und perfekter Organisation. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll und fordernd, die Trails sind einmalig. Einer der trail-lastigsten und härtesten Marathons in Deutschland. Ich werde sicher in den nächsten Jahren wieder an der Startlinie stehen.
 
In diesem Sinne:
Keep on riding,
Vanessa
Zitate des Tages:
„Ist dir eigentlich aufgefallen, dass die Strecke komplett in einem kleinen Waldstück verlief?
                „Ähm nee.“
 „Und wieder ein VIP-Parkplatz.“
„Das war so hart. Das war sooo hart. Lass´ mich sterben.“
„Die Trails waren nicht am, sondern über dem Limit. Einmal verbremst und du bist weg!“
„Unfahrbar – oder was?“
„Ich glaube, wenn ich das Schlussmotorrad im Nacken hätte, würde ich vor Scham lieber dezent irgendwo ins Gebüsch kippen.“
 

Dienstag, 9. August 2016

Perspektivwechsel: Von Fahrerfrauen, Vizehessenmeistern und Verpflegungszonen.

Hessenmeisterschaft im Cross-Country -  ist das auch was für mich mitten in der Marathonvorbereitung? Ich wägte es im Vorfeld kurz ab, entschied mich dann aber doch gegen eine Teilnahme und für einen Perspektivwechsel in das Lager der Fahrerfrauen und Betreuer. Ort des Geschehens war die beschauliche Kurstadt Bad Salzhausen. Bereits bei der Einfahrt in das Städtchen fiel uns ein Hinweisschild mit den Lettern „Bitte langsam/Bitte Ruhe – Kurstadt“ ins Auge. Die Fläche des Kurparks war dann schließlich sogar größer als manche Kleinstadt. Diese Tatsache sorgte dafür, dass sich viele Fahrer den Weg durch unzählige Scharen von Rentnern bahnten und im Kurpark einen schattigen Parkplatz unter den hohen Bäumen ergatterten. So auch wir. Naja im Grunde genommen waren die Vorreiter, die anderen Nachahmer. Der Parkplatz erwies sich dann als Glückgriff. Denn entgegen unserer Annahme war der Start über eine Stunde später als eingeplant, sodass wir die Wartezeit gemütlich im Schatten des Grünzeugs verbringen konnten. Des Weiteren war natürlich auch noch genügend Zeit, um die verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten durchzuprobieren.




Ich war mir meiner neuen Aufgabe als Fahrerfrau durchaus bewusst und ging vorher die Strecke ab, um mir einen geeigneten Standpunkt für die Verpflegung zu sichern. Diesen verteidigte ich bis zum Startschuss erfolgreich gegen andere Fahrerfrauen und Betreuer.


Zum Verlauf des Rennens konnte ich exklusiv und brandaktuell den Vizehessenmeister für einen Gastbeitrag gewinnen! Aber lest selbst:

„Grelles Neonlicht, eine Infusionsnadel im Arm und ein EKG am Herz. Wo bin ich? Was mache ich hier? Ich bin Leistungssportler, hier gehöre ich nicht hin! Dies waren meine ersten Gedanken, als ich im Krankenhaus die Situation begriff. Mit meinem Saisonhöhepunkt - der Deutschen Meisterschaften im Cross Country - vor Augen, hatte ich es im Training wohl etwas übertrieben. Der erste Horrorverdacht einer Herzmuskelentzündung konnte nach zwei Tagen stationärem Aufenthalt und zahlreichen Blutuntersuchungen zum Glück nicht bestätigt werden. Es folgten mangels genauer Diagnose jedoch zwei harte Wochen Trainingsentzug.

Vier Wochen später: Ich liege im Kurpark in Bad Salzhausen. Doch nicht etwa zur Reha. Sondern viel mehr fällt in zwei Stunden der Startschuss zu meinem Comeback. Das dies zufällig die Hessischen Meisterschaften mit starker Konkurrenz sind - da hatte ich keine Wahl. Dies lässt meinen Puls und meine Nervosität schon im Vorfeld ansteigen. Ohne große Erwartungen ging ich in das Rennen. Als meine Betreuerin mir zur Rennmitte zurief 'DU bist an zweiter Position!' war ich mir sicher, sie wollte mich nur motivieren und hatte keinen Plan, wo ich mich im Feld befand. Dies blieb so bis Rennende und nach einiger Zeit (es wurde beim Überfahren der Ziellinie weder angesagt noch gewürdigt), dass ich Vizelandesmeister in meiner Altersklasse geworden bin. Es lässt sich festhalten, dass es dem Sportlerkörper auch mal gut tut, eine Ruhepause einzulegen, um dann wieder voll angreifen zu können.
Marian Kopfer, Vizelandesmeister

Danke für diesen Einblick und Glückwunsch zum Titel!

 

Nächstes Wochenende werde ich beim Marathon in Neustadt übrigens auch wieder ins Renngeschehen eingreifen.

Bis dahin: Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:

„Jeder, der eine Fahrerfrau hat, hat sie heute mitgebracht.“

„Hallo? Du bist Vizehessenmeister! Freu´ dich doch mal ein bisschen.“

„Die sind am Start so krass losgesprintet, ich dachte am ersten Berg wäre schon das Ziel.“


  
 
 

Freitag, 22. Juli 2016

Ars Natura Marathon Neumorschen - das Knock-out

Nachdem ich im letzten Jahr beim Ars-Natura Marathon in Neumorschen das schicke Sieger-Trikot gewinnen konnte, freute ich mich auch in diesem Jahr auf den Marathon.
Wann immer ich davon sprach wurde ich mit zwei Fragen konfrontiert: Was ist denn Ars-Natura? Das klingt ja wie eine Bio Marke. Und: Wo ist denn bloß Neumorschen?

Nach eingehender Recherche konnte ich die erste Frage relativ simpel beantworten: Die Rennstrecke führt vereinzelt über den Ars-Natura Wanderweg, der dem Marathon seinen Namen gab. Wieso genau der Wanderweg jetzt diesen Namen trägt, ist nicht überliefert. Geografisch gesehen liegt Neumorschen als Ortsteil Morschens neben Altmorschen, zwei beschaulichen kleinen Örtchen nahe der A7. Schon bei meinem ersten Besuch ist mir die imposante ICE-Brücke aufgefallen, die quasi direkt hinter dem Sportplatz liegt, der auch heute als Start- und Zielpunkt fungiert.

Da wir den Weg einwandfrei fanden waren wir pünktlich wie immer am Wettkampfort, früh wie immer an der Nennstelle und (Achtung, Änderung!) früh beim Warmfahren unterwegs. Richtig, ich habe mich warmgefahren und zwar 25 Minuten lang, 10 Mal eine lockere Schleife durch den Ort. So fiel mir auch bereits vor dem Rennen auf, das mit meiner Lenkung irgendetwas nicht in Ordnung war. Die seichten Kurven die ich fahren wollte wurden kantig und die Lenkung stockte in der Bewegung. Zurück bei meinem Lieblingsmenschen untersuchten wir das Problem. Symptomatisch zeigte mein Lenker eine deutlich verlangsamte Drehung, weiterhin wurde ein Schwellenpunkt festgestellt, der bei der Lenkbewegung mit Kraftaufwand überwunden werden musste. Zur nachfolgenden Diagnose zogen wir den anwesenden Mechaniker eines nahen Radladens hinzu, der mir versicherte, dass sich dieses Problem nicht in den noch vorhandenen 10 Minuten bis zum Start beheben lassen würde. Vielmehr wäre eine eingehende Therapie für die Lager notwendig. Die Diagnose schockte mich und ich drohte in Panik zu verfallen. Nach eingehender Beratung mit meinem Therapeuten, äh Lieblingsmensch, entschloss ich mich, trotzdem an den Start zu gehen. Schlimmer werden konnte es ja eigentlich nicht mehr.

Trotzdem war ich sehr verunsichert und nervös als ich mich im vorderen Drittel des Startblocks einfand. Der Moderator erklärte den versammelten Sportlern noch einmal, dass die Strecke im Vergleich zum letzten Jahr geändert worden war und die populäre Mittelstrecke nun 45 Kilometer statt nur 38 Kilometer im Vorjahr umfasste. Mir persönlich hätten ja die 38 Kilometer auch gereicht und die Strecke fand ich auch okay, aber mich hatte leider niemand nach meiner Meinung gefragt.

Als der Startschuss schließlich gefallen war begann für mich das gefühlt härteste Rennen in meiner mittlerweile dreijährigen Rennkarriere. Hatte ich bereits im vorherigen Rennen bemerkt, dass mein Körper nicht auf 100% lief, so fühlte ich mich heute völlig kraftlos. Bereits in den ersten Anstiegen pochte das Laktat in meinen Beinen, der Puls war astronomisch hoch und ich klang vermutlich wie Darth Vader beim Joggen. Von meinem eigentlich Lenkproblem merkte ich im Eifer des Gefechts nicht mehr viel. Ich hatte ganz andere Probleme. Die Strecke verlief gelinde gesagt wellig, um nicht zu sagen sehr bergig. Die Anstiege zogen sich meistens über mehrere Kilometer hin, es folgten knackige, anspruchsvolle Bergab-Passagen gefolgt von dem nächsten Berg. Normalerweise sage ich über mich selbst, dass mir die Anstiege liegen und ich meine Stärken am Berg sehe. Ich hoffe niemand, zu dem ich das jemals gesagt habe, hat mich an diesem Sonntag fahren sehen.

Trotzdem hatte ich länger die einzige Frau vor mir im Blick und war mal näher, mal weiter von ihr weg. Doch bei Kilometer 20 ist dann alles vorbei: Mir ist schwindelig und ich drohe zu kollabieren. Als ich dann auch noch keine Luft mehr bekomme, muss ich absteigen und mich erst einmal hinsetzten. Zwei Fahrer begleiten mich zu den nahen Streckenposten, die praktischerweise das Rote Kreuz stellt, und übergeben mich den Sanitätern.

Nach 15 Minuten und 2 Litern Wasser geht es mir besser. Und obwohl ich weiß, dass bei mir heute nichts mehr zu machen ist, will ich weiter fahren. Also fahre ich wieder los, irgendwo im allerhintersten Teil des Feldes. Der Vorteil dort ist übrigens, dass das Tempo sehr viel angenehmer ist. Doch auch langsam sind die Berge steil, die Abfahrten kraftraubend und der Kampfgeist dahin.

Und irgendwann kommt dann doch tatsächlich das Ziel in Sicht. Ich bin zufrieden, dass ich es ins Ziel geschafft hab. Ich bin schockiert über meinen Kollaps. Und ich bin total am Ende. Doch auch das legt sich nach zwei Litern Zuckern und Coffein, sowie einigen Umarmungen. Als die Ergebnislisten ausgehängt werden bin ich überrascht, das ich nicht nur nicht letzte Dame geworden bin, sondern noch den 3. Platz bei den Damen herausgefahren habe.



Man sagt ja, bei den härtesten Rennen lernt man am meisten. Wenn das so ist, dann habe ich vermutlich jetzt meinen Doktor gemacht.

Trotzdem ist dieses Rennen für mich nicht ohne Konsequenzen geblieben. Ein Arztbesuch bestätigt mir, dass es nicht am Training oder an der Motivation liegt, sondern an einem Virus, der meinen Körper schwächt. Im Klartext heißt das: mindestens 6 Wochen schonen.

Und danach werde ich mit dem Doktor in Motivationslehre wieder durchstarten!

 Keep on riding,

Evelyn